Der eine bekommt das gewünschte Kreditkartenlimit, die andere nicht. Ein Bewerber erhält die begehrte Wohnung oder den hochbezahlten Job, der andere geht leer aus. Wichtige Entscheidungen, die das Leben von Millionen Verbrauchern beeinflussen, werden heute maßgeblich mithilfe Künstlicher Intelligenz (KI) getroffen. Wann wollen wir für wichtige Entscheidungen Maschinen nutzen – und wo sollten weiterhin Menschen entscheiden, weil KI-Systeme bestimmte Gruppen diskriminieren?
Mit Fragen wie dieser beschäftigt sich Katharina Zweig seit Jahren, aktuell in ihrem neuen Buch „Die KI war’s!“. Im Interview erklärt die Informatikprofessorin von der Technischen Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU), wo geheim gehaltene Algorithmen unser Leben beeinflussen und wie sich Verbraucher gegen dramatische Fehlurteile der KI wehren können.
Frau Zweig, wann haben Sie sich von einer Künstlichen Intelligenz mal unfair behandelt gefühlt?
Katharina Zweig: Zu Beginn meiner Promotion. Es gab noch nicht viele Frauen in meinem Feld. Ich habe bei Google ganz viele technische Dinge abgefragt und dann sehr viel Werbung bekommen – für die Verlängerung von Körperteilen, die ich physisch einfach nicht besitze (lacht). Ich denke, da wurde ich eine Zeit lang für einen Mann gehalten. Das war nicht unfair, aber eine Fehlentscheidung der KI. Schlimmer finde ich aber, wenn mich Leute „Herr Professor“ nennen, weil sie sich nicht vorstellen können, dass es auch weibliche Informatik-Professorinnen gibt.


