Studie

Familie: So wichtig sind Großeltern bei der Kinderbetreuung

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Petra Koruhn
Immer Zeit für die Enkel: Oma und Opa.

Immer Zeit für die Enkel: Oma und Opa.

Foto: istock / iStock

Job und Kindererziehung unter einen Hut zu bringen, fällt vielen Familien schwer. Ohne Hilfe der Großeltern läuft wenig, so eine Studie.

Berlin. Lara liebt die Kita, worüber die Familie froh ist. Ohne die Kita könnte Mutter Sabine ihren Job als Krankenschwester gar nicht ausüben. Doch wer holt das Kind ab? Vater Michael ist Busfahrer und hat ebenfalls Schichtdienst. Wie gut, dass es Oma Ruth gibt.

Oma Ruth (72) ist fit. Auch für ihre Kinder ist das ein Segen, denn Oma Ruth ist flexibel und damit nicht nur eine Freude, sondern eine Helferin in der Not. Sabine (38) sagt: „Ohne meine Mutter könnte ich unseren Alltag nicht stemmen.“

Großeltern spielen bei der Betreuung von Kindern eine enorm große Rolle, wie eine aktuelle Studie zeigt. Das zweijährige Forschungsprojekt des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung und des Deutsches Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin hat nun repräsentativ das bewiesen, was den meisten eh schon klar ist: Oma und Opa sind die Stütze im Leben junger Familien.

Sie kaufen nicht nur den Kinderwagen, Jäckchen, Schuhe und das Lieblingsspielzeug, lesen vor, trocknen Tränen – nein: Sie haben häufig einfach Zeit. Und genau das ist das knappste Gut in Familien. „Großelternbetreuung ist eine wichtige Komponente im Leben von jungen Familien und hilft den Eltern“, so fasst es Professorin C. Katharina Spieß zusammen, die mit ihrem Team seit Juni 2020 am Projekt „Oma und Opa gefragt?“ forschte.

Großeltern sind längst die Helden des Alltags

Über 50 Prozent der Mädchen und Jungen unter sechs werden laut Studie regelmäßig von Oma und Opa betreut. Das ändert sich, wenn die Kinder älter werden. Aber bei Mädchen und Jungen unter zehn Jahren sind immer noch bis zu 40 Prozent die Großeltern eingespannt.

Seit vielen Jahren gelten die Großeltern als Helden des Alltags. Und Forscher werden nicht müde, darauf hinzuweisen, dass alle profitieren. Mütter, Väter, Kinder – auch die Großeltern selbst: Sie blieben durch den Kontakt mitten im Leben, fühlten sich gebraucht und damit wichtig.

Ein wahrer Jungbrunnen. Denn Großeltern, die sich um ihre Enkel kümmern, leben länger, so eine internationale Studie, an der auch das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin beteiligt war. Wer auf seine Enkel aufpasst, treffe andere Großeltern, die dasselbe tun. So komme man ins Gespräch und sogar oft in andere Familien. Heute hier, morgen da – das seien Aktivitäten, die laut Wissenschaftlern sogar das Sterberisiko senken und die geistigen Fähigkeiten steigern können: beste Vorsorge gegen Demenz und Alzheimer.

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Manchmal allerdings sind auch Oma und Opa zuviel

Doch es gibt auch Kritik: Wenn zu viele Parteien an der Betreuung beteiligt sind, kann es „negative Auswirkungen“ geben: Am Nachmittag sollten Großeltern also dann lieber mal schneller nach Hause gehen. Zu viele Köche verderben auch hier den Brei. Es wäre einfach zu viel für die Kleinen. Sie verlieren schnell die Orientierung und wären überfordert. Die Effekte seien für Kinder, die nur halbtags eine Kita besuchen, nicht zu beobachten.

Helfen Großeltern mit, unterstützt das vor allem die Mütter, die nach wie vor die Hauptbetreuungsperson sind, so die Studie, wobei zwei Effekte zu beobachten seien: Wenn Oma und Opa mit im Boot sind, sind die Mütter mit ihrem Leben zufriedener.

Vor allem die Mütter der Kinder profitieren

Wohl auch, weil ihre Freizeit um ein Vielfaches gestiegen ist. Diese Effekte sind besonders groß in Familien mit kleinen Kindern, die auf Schritt und Tritt Beaufsichtigung benötigen. Und die Väter? Bei den Vätern ist die Zufriedenheit nicht so groß, heißt es in der Statistik. Weil es immer noch mehrfach die Frauen sind, die die Kindererziehung übernehmen. „Salopp gesagt: Zufriedene Mütter haben sozio-emotional stabilere Kinder“, so Professorin Katharina Spieß.

Die Kita-Betreuung gilt als wichtiger Baustein, damit Eltern berufstätig sein können. Aber selbst wenn diese weiter ausgebaut werde – es reiche nicht aus, so Johannes Hauenstein, Vorstand der beteiligten Stiftung Ravensburger Verlag. Ohne Unterstützung von Großeltern blieben Lücken. (mit dpa)

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.