Kolumne

Geld schenken? Nur um die große Feier zu finanzieren?

| Lesedauer: 5 Minuten
Diana Zinkler
Diana Zinkler schreibt in der Kolumne „Mein Morgenland“ über alles, was die Gesellschaft bewegt und das Deutschland von morgen.

Diana Zinkler schreibt in der Kolumne „Mein Morgenland“ über alles, was die Gesellschaft bewegt und das Deutschland von morgen.

Foto: ZRB

Soll Geld geschenkt werden, spürt unsere Autorin häufig einen peinlichen Widerwillen. Dabei geht es nicht nur um die Höhe der Summe.

Berlin. Selten ist es mal der Fall, dass ich zu einer Hochzeit eingeladen werde und die Brautleute wünschen sich kein Geld. Meist findet sich ein kleiner Verweis auf der Einladung, man wolle eine Reise um die Welt unternehmen oder sich sein Traumsofa von Roche Bobois leisten oder es wird gleich gar kein offizieller Grund für das Geldgeschenk angegeben. Ganz ehrlich, mich stresst das jedes Mal.

In meinem Kopf erklingt plötzlich die enttäuschende Musik von „Wetten dass..?“, wenn die Wette verloren ging. Dann sinkt meine Vorfreude, wird ein spezielles Fest ein bisschen weniger speziell. Geld ist nicht nur das Letzte, was ich schenken möchte, sondern es ist peinlich, weil es das Fest, dessen Anlass die Liebe ist, in etwas Profanes verwandelt, es offenbart eine gesellschaftliche Realität: Ohne Geld nix los. Und ohne Geld auch keine Feier.

Geldgeschenk – wie hoch sollte die Summe sein?

Denn immer steht im Raum, dass die Brautleute sich ihre Feier mit dem geschenkten Geld gegenfinanzieren. Tatsächlich empfiehlt eine Expertin zur Frage, wie viel Geld man schenken soll, den Gegenwert dessen, was man als Gast verköstigt und trinkt. Summe variiert je nach Preiskategorie des Festes, aber liegt pro Person mindestens bei 50 Euro.

Ich wünschte dann, die Hochzeitleute würden eher kleiner feiern und würden nicht noch jede alte Studienfreundin einladen, nicht weil ich geizig bin, ganz und gar nicht. Durch den Geldwunsch offenbaren sich die ganzen Zwänge im Vorfeld, ein Fest zu organisieren, dass man sich nicht leisten kann, aber veranstaltet, da es gesellschaftlich dazugehört. Oder auch ein Kindheitstraum der Brautleute war oder wessen auch immer. Das Fest gerät plötzlich unter finanziellen Druck und der Zauber der Unbeschwertheit schwindet mit jedem Euro.

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Aber es gibt noch einen anderen Grund, weshalb ich lieber etwas Richtiges schenken möchte – und dabei geht es um mich: Ich finde ein Geldgeschenk so einfallslos, dass ich mich jedes Mal schäme. Dass ich einen Briefumschlag verschenken muss – und es so viel schönere Gesten und Unvergessliches geben würde. Ja, nun können Sie einwenden: Aber Geld ist doch besser als der Krimskrams, den man so bekommt. Und in anderen Ländern wie der Türkei oder Italien ist Geld zur Hochzeit ein traditionelles Muss.

Stimmt alles, und wenn alle Geld schenken, und es zur Tradition gehört, zwei echte Goldmünzen in ein Samtbeutelchen zu stecken, sollte man auf jeden Fall mitmachen und nicht knausern. Für alles weitere gibt es aber einen Kompromiss, nämlich den altbewährten Geschenketisch in einem Kaufhaus der Wahl oder auch die Wunschliste bei einem Onlinehändler. Die versöhnt beide.

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Auch wenn der individuelle Part des Aussuchens wegfällt, so hat der Eingeladene doch etwas in der Hand, das speziell von ihm kommt und von dem die Gastgeber wissen, das hat uns die Iris aus Pinneberg damals geschenkt und das der Andrea aus Rom. Und die Gastgeber haben trotzdem bekommen, was sie sich gewünscht haben. Nun bin ich rational genug zu wissen, Geld ist eben praktisch. Aber praktisch ist eben überhaupt nicht unvergesslich und romantisch.

Es gibt Ausnahmen wie Spenden oder größere Summen

Gibt es Ausnahmen? Ein Stück Regenwald, dass alle Gäste finanzieren oder eine Spende für eine gute Sache. Ja, und natürlich Geldgeschenke, wie ein Sparbuch oder einen Fond, für die Enkel oder das Patenkind. Geld ist generell zur Konfirmation, Erstkommunion oder auch zum 18. Geburtstag okay, weil es für die Zukunft des Beschenkten ist und nicht zur Finanzierung eines gesellschaftlichen Status. Bei Geldgeschenken für Kinder sollte man einiges beachten.

Aber auch da kann ich gegenhalten: Woran wird sich der Neffe in seinem Leben erinnern? An die 100 Euro oder die kleine Zeichnung, die silbernen Manschettenknöpfe oder die automatische Uhr? Aber gut.

Jetzt mache ich eine Ausnahme und verschenke eine Summe

Jetzt schenke ich tatsächlich Geld: Ich bin zu einem Geburtstag eingeladen. Kein Anlass für ein Geldgeschenk. Doch die ältere Dame hat nur eine kleine Rente und bat darum. Ich habe das mit mir selbst diskutiert. Und die Antwort ist die Frage: Wer bin ich, mich über den Wunsch meiner Gastgeberin hinwegzusetzen?

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