Royals

König Juan Carlos kehrt auf Raten nach Spanien zurück

| Lesedauer: 5 Minuten
Ralph Schulze
Hintergrund: Das ist Juan Carlos, der Demokratie-König von Spanien

Hintergrund: Das ist Juan Carlos, der Demokratie-König von Spanien

Juan Carlos I. war von 1975 bis 2014 König von Spanien. Er setzte sich entschieden für die Demokratisierung Spaniens und die Bildung eines Parlaments ein. Seit Kurzem ist er im Exil im Ausland. Laut spanischen Medien wegen massiven Korruptionsvorwürfen.

Beschreibung anzeigen

Spaniens Altkönig Juan Carlos soll auf Raten in seine Heimat zurückkehren. Den Anfang macht er mit einem Besuch in diesem Küstenort.

Madrid. In dem Küstenort Sanxenxo muss Spaniens alter Skandalkönig Juan Carlos I. keine Buhrufe und keine Pfiffe befürchten. „Wir lieben ihn hier“, sagt der monarchietreue Bürgermeister Telmo Martín, der in der kleinen spanischen Hafenstadt am Atlantik mit absoluter Mehrheit regiert. An diesem Wochenende richten sich alle Blicke der spanischen Nation auf diesen Ort, in dem 18.000 Einwohner leben. Und in dem der 84 Jahre alte Juan Carlos nach fast zwei Jahren im fernen arabischen Steuerexil seinen ersten öffentlichen Auftritt in der Heimat zelebrieren will.

In Sanxenxo verbrachte Juan Carlos im August 2020 seine letzte Nacht, bevor er sich aus Spanien absetzte und mit einem Privatjet nach Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten flog. Kurz zuvor hatte Spaniens Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen ihn aufgenommen – wegen des Verdachts der Korruption und der Steuerhinterziehung. In der Schweiz waren millionenschwere Geheimkonten entdeckt worden.

Juan Carlos: Hohe Steuernachzahlung hat Finanzamt besänftigt

Inzwischen wurden die Ermittlungen eingestellt, weil die mutmaßlichen Taten verjährt sind oder wegen der strafrechtlichen Immunität des Königs im Ruhestand nicht verfolgt werden können. Zudem half eine hohe Steuernachzahlung, das Finanzamt zu besänftigen. Nun hat Juan Carlos also in seiner Heimat nichts mehr zu befürchten, was den Besuch erleichtert. Diese erste Visite in Sanxenxo wird allerdings nur kurz dauern. Möglicherweise folgt dann noch ein kurzer Abstecher nach Madrid, wo Juan Carlos mit seinem Sohn, König Felipe VI., zusammentreffen könnte. Dann geht es wieder nach Abu Dhabi – vorerst wenigstens.

Aber der nächste Regattabesuch in Sanxenxo sei schon geplant, hört man. Und zwar Mitte Juni. Spaniens Hofexperten vermuten, dass diese Heimatreisen eine schrittweise Rückkehr des Ex-Monarchen einleiten könnten. Schon länger wird aus seiner Umgebung berichtet: „Er hat Sehnsucht nach Spanien.“ Was verbindet Juan Carlos mit Sanxenxo? In der Umgebung dieses Ortes wohnen seine alten Segelfreunde. Und dort ist das Segelschiff „Bribón“ vertäut, mit dem Juan Carlos als Skipper seit vielen Jahren an Regatten teilnimmt. Wen wundert es, dass der Hafen zu Ehren des königlichen Skippers auf den edlen Namen „Puerto Juan Carlos“ getauft wurde.

Gesundheitszustand von Juan Carlos ist nicht gut

An diesem Wochenende wird vor der Küste Sanxenxos ein Segelrennen in der Sechs-Meter-Klasse ausgetragen, und die „Bribón“ wird dabei sein. „Juan Carlos kommt, um die Regatta zu genießen“, kündigte Sanxenxos Bürgermeister Martín an. „Ob er nur zuschaut oder mitmacht, weiß ich nicht.“ Lesen Sie auch: Künftig Queen: Warum Camilla so beliebt ist wie nie zuvor

Um den Gesundheitszustand von Juan Carlos steht es nicht besonders gut. Der 84-Jährige ist stark gehbehindert und kann sich nur noch mit Krücken fortbewegen. In Knien und Hüften hat er Prothesen. Auch musste ihm ein Tumor in der Lunge entfernt werden. Zuletzt wurde er am Herzen operiert, wo ihm drei Bypässe eingesetzt wurden.

„Ich will nicht in der Ferne sterben“, soll Juan Carlos seinem Sohn Felipe übermittelt haben. Felipe hatte 2014, nach der Abdankung seines Vaters, die Krone übernommen. Seitdem hat er sich immer mehr von seinem Vater distanziert, weil er wegen der vielen Skandale um den Ruf der Monarchie fürchtete.

Juan Carlos und sein Sohn Felipe sind zerstritten

Das Zerwürfnis zwischen den beiden wurde offenkundig, als Felipe vor zwei Jahren seinem Vater die jährliche Ruhestandsapanage von 200.000 Euro strich. Wenig später stellte er ihm sogar den Stuhl vor die Palasttür, der formell der Amtssitz des spanischen Staatsoberhaupts ist. Daraufhin ging Juan Carlos ins selbstgewählte Exil nach Abu Dhabi.

Felipe hätte mit der nun angelaufene „Operation Heimkehr“ gerne noch etwas gewartet. Er sorgt sich, dass eine zu schnelle Rückkehr seines Vaters neue negative Schlagzeilen produzieren könnten. Die Empörung in Spaniens Gesellschaft über Juan Carlos‘ Umtriebe ist immer noch groß. Der sozialistische Regierungschef Pedro Sánchez hatte erst kürzlich wieder gesagt: „Juan Carlos schuldet dem spanischen Volk Erklärungen.“

Auch Ehefrau Sofía will von dem Altkönig nichts mehr wissen

Seit Monaten kämpft Felipe dafür, mit Transparenz und Vorbildlichkeit das Ansehen der Krone wieder aufzupolieren. Er will die Fehltritte seines Vaters vergessen machen. Doch dies scheint nicht einfach zu sein. Umfragen zufolge können sich vor allem in der jungen Generation immer mehr Menschen einen Staat ohne Monarchie und mit einem demokratisch gewählten Staatsoberhaupt vorstellen.

Aber nicht nur mit seinem Sohn ist Juan Carlos zerstritten. Auch seine Ehefrau Sofía will, nach den vielen außerehelichen Liebesabenteuern ihres Angetrauten, nichts mehr von ihm wissen. Eigentlich hätten die beiden in diesen Tagen ihren 60. Hochzeitstag gefeiert – also „diamantene Hochzeit“. Doch die Party viel aus.

Dieser Artikel ist zuerst auf www.morgenpost.de erschienen.