Corona-Pandemie

Corona: So hoch ist das Risiko einer Reinfektion bei Omikron

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Omikron-Subtyp: auch Berlin ist betroffen

Subtyp der Omikron-Variante: Das ist der aktuelle Wissensstand

Untersuchungen zufolge gibt es einen Subtypen der Omikron-Variante, der noch ansteckender sein könnte als das Original. Auch in Berlin verbreitet sich der Subtyp.

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Eine Omikron-Infektion führt oft zu milden Verläufen – und einer geringen Immunantwort. Steigt dadurch das Risiko einer Reinfektion?

Berlin. 
  • Weiterhin sind die Corona-Infektionszahlen in Deutschland hoch
  • Für fast alle Infektionen ist die sogenannte Omikron-Variante verantwortlich
  • Durch sie steigt auch das Risiko, sich erneut mit Corona anzustecken

Zehntausende Menschen stecken sich in Deutschland derzeit täglich mit dem Coronavirus an. Meist kommt es dabei durch die derzeit vorherrschende Omikron -Variante nicht zu schweren Verläufen. Was zunächst nach einer guten Nachricht klingt, hat jedoch einen negativen Nebeneffekt: Menschen, die bei einer Infektion einen milden Krankheitsverlauf hatten, haben danach einen geringeren Immunschutz – und sind damit stärker gefährdet, sich erneut mit Corona zu infizieren.

Das geht aus vorläufigen Daten einer Studie der Universität San Francisco hervor. Einschränkend muss jedoch hinzugefügt werden, dass diese auf einer sehr schmalen Datenbasis beruht: Laborversuche wurden mit lediglich 239 Serumproben von 125 vollständig geimpften Versuchspersonen durchgeführt. Davon hatten 53 einen Impfdurchbruch erlitten, 39 mit der Deltavariante und 14 mit Omikron.

Milder Corona-Verlauf erhöht Risiko einer erneuten Infektion

Dennoch: Wenn die Forscher richtig liegen, hätte der Befund weitergehende Folgen. Ein höheres Risiko einer erneuten Ansteckung mit Omikron oder mit anderen Varianten. Besonders betroffen sind davon Ungeimpfte, weil sie nach einer einmaligen Infektion eine noch geringere Immunität haben als Geimpfte. Eine Impfung sei daher auch für Genesene sinnvoll, so das Ergebnis einer Studie aus Österreich.

Umso schwerer wird es auch, ein Ende der Pandemie vorauszusehen. "Wir wissen nicht, was für Varianten noch kommen, die die Immunität vielleicht umgehen und auch zu schweren Verläufen führen können", sagte Gérard Krause, Epidemiologe am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig, unserer Redaktion. "Durch abnehmenden Impfschutz und Infektionen mit der einen oder anderen Variante haben viele Menschen zwar eine Teilimmunität, aber die hilft nicht gegen jede Variante gleich gut", warnt er.

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Erneute Infektion: Corona-Durchseuchung würde nicht schützen

Eine herbe Enttäuschung dürfte die These aus San Francisco auch für Impfskeptiker sein, die auf eine natürliche Immunität durch Ansteckung spekulieren. Darauf spielte Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) an, als er Anfang Januar sagte, eine Durchseuchung der Bevölkerung mit der Omikron-Variante von SARS-CoV-2 als "schmutzige Impfung" sei keine Alternative.

Die erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass man sich mit der Omikron-Variante mehrfach infizieren kann, diente auch als Begründung für die Entscheidung des Robert Koch-Instituts (RKI), den Genesenenstatus von Menschen, die bereits eine Corona-Infektion durchgemacht haben, von sechs auf drei Monate zu verkürzen.

Zwar war die Empörung groß, aber auch Daten aus Norwegen scheinen die Vermutung zu untermauern, dass man sich mit der Omikron-Variante mehrfach infizieren kann. Es bestehe wohl tatsächlich ein hohes Risiko einer Reinfektion mit der neuen Variante. Durch die neue Mutation der Omikron-Variante BA.2 sei es möglich, dass die durch hohe Infektionszahlen und Impfungen erlangte Herdenimmunität wieder bedroht sei, erklärte Anders Fomsgaard, Virologe des dänischen Statens Serums Institut.

Reinfektion mit Omikron: RKI erhebt keine Daten

In Norwegen seien mittlerweile mehrere Fälle bekannt, bei denen Omikron-Genesene sich bereits mit dem neuen Virusstamm infiziert hätten. Formsgaard rechnet damit, dass dies auch Dänemark bevorstehen könnte. Denn aufgrund verschiedener Veränderungen der Virusstruktur ist Omikron nicht nur deutlich ansteckender als bisherige Varianten des Coronavirus. Es hat offenbar auch eine weitere entscheidende Eigenschaft: Omikron entgehe leichter den Antikörpern, die nach einer Impfung oder vorausgegangener Infektion gebildet wurden. Virologen sprechen von einer verbesserten Immunflucht (engl.: "immun escape").

Fälle, in denen sich Menschen erneut mit dem Coronavirus infiziert haben, gibt es inzwischen auch in Deutschland. Wie viele genau, ist nicht klar. Wie der "Stern" berichtet, erhebt das Robert Koch-Institut dazu keine Daten.

Erneute Corona-Infektion: Wahrscheinlichkeit bei Omikron deutlich erhöht

Die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Infektion sei laut ersten Auswertungen dreimal höher als bei bisherigen Mutationen, berichtet auch das RKI. Formsgaard warnte in einem Interview im dänischen Fernsehen davor, dass die Pandemie-Lage in Dänemark dadurch erneut eskalieren könnte, auch weil die Mutation BA.2 eineinhalb Mal so infektiös sei wie die ursprüngliche Omikron-Variante. Das zeigen ebenfalls erste Daten aus Israel. Demnach gab es die ersten Fälle von Menschen, die sich mit BA.2 infiziert haben, obwohl sie zuvor schon positiv auf den Ursprungstyp von Omikron getestet worden waren.

Und auch Erkenntnisse aus Großbritannien lassen darauf schließen, dass Mehrfachinfektionen mit Omikron-Varianten möglich sind. Eine britische Studie untersuchte Omikron-Fälle zwischen dem 5. und 20. Januar. Von 100.607 gültigen Tests waren 4,41 Prozent positiv. Dabei waren 1392 von 1406 sequenzierten positiven Abstrichen, demnach 99 Prozent, auf die Omikron-Variante zurückzuführen. Im Vorfeld hatten 64,6 Prozent aller 3.582 positiven Personen angegeben, vorher bereits eine Coronavirus-Infektion überstanden zu haben.

Omikron: Virologe warnt vor Reinfektion

Entsprechend kommen Forscher zu dem Schluss, dass bei Genesenen keine ausreichende Immunität vor Omikron gebildet wird. Um sicher zu sein, müsse allerdings noch überprüft werden, ob die Ergebnisse "echte Reinfektionen" zeigten oder die PCR-Testungen möglicherweise Spuren der vorherigen Infektionen nachgewiesen haben.

Im Interview mit "t-online.de" betont der Essener Virologe Ulf Dittmer, zwar sei davon auszugehen, dass auch Ungeimpfte bei einer zweiten Infektion zumindest vor einer schweren Erkrankung geschützt seien. Allerdings ergänzt Dittmer, "der Schutz gegen eine weitere Infektion, den wir vorher bei allen Varianten hatten, scheint bei Omikron deutlich reduziert zu sein." Bei einer Impfung hingegen scheint der Schutz ein wenig besser zu sein. (bml)