Impfschutz

Vierte Corona-Impfung: Kommt der Booster nach dem Booster?

| Lesedauer: 7 Minuten
Coronavirus: eine mögliche vierte Impfung gegen das Virus

Coronavirus: eine mögliche vierte Impfung gegen das Virus

In Deutschland können sich die Menschen seit mehreren Wochen eine dritte Impfung, eine sogenannte Booster-Impfung, gegen das Coronavirus geben lassen. Jetzt ist bereits eine vierte Impfung im Gespräch.

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Rund 47 Prozent der Deutschen sind geboostert. Doch wie lange hält der Schutz? Macht Omikron die vierte Dosis nötig? Was man weiß.

Berlin. 
  • Inzwischen haben bereits viele Menschen in Deutschland ihre Booster-Impfung bekommen
  • Doch könnte wegen der Ausbreitung der Omikron-Variante nun eine weitere Auffrischung nötig sein?
  • Das ist bisher über die vierte Impfdosis bekannt

Viele Menschen in Deutschland sind bereits geboostert. Rund 47 Prozent der Bevölkerung haben sich bereits die dritte Corona-Impfung injizieren lassen (Stand 17.1.2022). Vor allem wegen der sich ausbreitende Corona-VarianteOmikron wächst nun die Sorge, dass schon nach wenigen Monaten eine weitere Spritze nötig sein wird. Die Notwendigkeit einer vierten Impfung ist unter Experten längst im Gespräch. Impfgegner wettern spöttisch vom "Impf-Abo".

Wie lange hält der Schutz nach der Booster-Impfung? Ab wann müssen Geimpfte mit der Notwendigkeit einer vierten Dosis rechnen? Was sagen Experten und wie ist der Stand der Wissenschaft? Ein Überblick über den bisherigen Wissensstand zur vierten Impfung und zu dem Ergebnis der ersten Studie aus Israel.

Vierte Impfung: Was sagt Gesundheitsminister Lauterbach?

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach geht davon aus, dass eine vierte Corona-Impfung nötig sein wird. Der SPD-Politiker sagte bereits vor Weihnachten auf eine entsprechende Nachfrage, man wisse nicht, wie lange der Booster-Schutz bei der neuen Omikron-Variante anhalte. Möglicherweise sei der Impfschutz "nicht allzu dauerhaft".

Die Bundesregierung habe sich laut Lauterbach bereits den von Biontech angekündigten spezifischen Omikron-Impfstoff gesichert. Er sprach von insgesamt 80 Millionen Dosen, mit denen ab April oder Mai gerechnet werde. Zusätzlich solle auch wieder Moderna-Impfstoff beschafft werden, damit eine Auswahl angeboten werden könne. "Aber ich würde persönlich als Wissenschaftler davon ausgehen, dass wir davon ausgehen müssen, dass eine sogenannte vierte Impfung, das wäre es dann ja, dass die notwendig sein wird", so der neue Minister.

Corona-Impfung: Experten rechnen mit vierter Spritze ab Sommer/Herbst 2022

Auch der Hausärzteverbandschef Ulrich Weigelt sagte bereits Mitte Dezember in einem Gespräch mit der "Bild"-Zeitung, er rechne damit, dass im Sommer, spätestens im Herbst 2022 eine vierte Impfung gegen das Coronavirus nötig sein werde. Er hoffe darauf, dass die vierte Corona-Impfung dann "schon in Verbindung mit der Grippe-Impfung" verabreicht werden könne, "um den Schutz vor Corona in eine Routine zu überführen".

Ähnlich äußerte sich vor einigen Wochen Frank Ulrich Montgomery. "Unabhängig von Omikron merken wir doch, dass die Corona-Impfung regelmäßig aufgefrischt werden muss", sagte der Vorsitzende des Weltärzte­bundes dem Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND). Auch Thomas Preis, Chef des Apothekerverbands Nordrhein, geht angesichts der Omikron-Variante von einer vierten Impfkampagne 2022 aus.

Omikron: Wie lange schützt der Booster?

Virologin Sandra Ciesek legte jüngst erste Studienergebnisse zum Impfschutz des Boosters vor und warnte in dem Zusammenhang vor überhöhten Erwartungen und davor, dass eine Auffrischungsimpfung keinen hundertprozentigen Schutz vor einer Infektion biete. Mit ihrem Team hatte die Direktorin des Instituts für medizinische Virologie des Universitätsklinikums Frankfurt untersucht, wie lange der Booster-Schutz anhält.

Ersten Labordaten zufolge sei der Schutz vor einer Ansteckung mit Omikron zwei Wochen nach einem Booster je nach Impfstoff wieder auf 58 bis 78 Prozent gestiegen. Im weiteren Verlauf, etwa nach drei Monaten, falle er aber erneut ab, sagte Ciesek. Der Schutz vor schwerer Erkrankung dürfte hingegen besser sein als der vor Ansteckung, erwarten Experten.

Biontech und Co.: Wie Impfstoffhersteller den Booster vom Booster vorbereiten

Die Hersteller Biontech/Pfizer gehen mittlerweile klar davon aus, dass zwei Dosen keinen ausreichenden Schutz mehr bieten und dass eine dritte Impfung nötig ist, um den vollständigen Impfschutz zu erreichen. Drei Impfungen reichten nach derzeitigen Erkenntnissen aber aus, um vor schweren Krankheitsverläufen zu schützen. Bis März will das Unternehmen zudem einen an Omikron angepassten Impfstoff bereitstellen, sofern die entsprechenden behördlichen Genehmigungen vorliegen.

Andere Hersteller wie Moderna, Johnson & Johnson oder auch Novavax äußern sich bislang nicht zu einer möglichen vierten Dosis.

Vierte Imfpung: Israel startet mit Auffrischungen nach Booster-Impfung

Israel ist Deutschland immer ein paar Monate voraus. Das Land hatte bereits im Sommer 2021 eine große Booster-Impfkampagne gestartet. Nur rund 61 Prozent der 9,4 Millionen Israelis gelten noch als vollständig geimpft. Dies sind zweifach Geimpfte bis zu sechs Monate nach der Zweitimpfung und Menschen mit Booster-Impfung.

30 Prozent der Bevölkerung sind gar nicht geimpft, bei neun Prozent ist die Gültigkeit der Impfung abgelaufen. Mehr als vier Millionen Israelis haben nach Angaben des Gesundheitsministeriums bereits die dritte Impfdosis erhalten, mehr als 70.000 schon die vierte.

Biontech-Studie: So wirkt die vierte Dosis

Eine israelische Klinik startete nach Weihnachten eine Studie zu einer vierten Corona-Impfdosis. An der Untersuchung des Sheba-Krankenhaus am Rand von Tel Aviv beteiligen sich 150 Freiwillige unter den Mitarbeitern der Klinik, deren dritte Corona-Impfdosis mindestens vier Monate zurückliegt und bei denen es Hinweise auf abnehmende Antikörper gegen Covid-19 gibt.

Wie die Leiterin der Studie, Professorin Gili Regev-Yochay, am Montag (17. Januar) mitteilte, seien auch bei Vierfach-Geimpften Ansteckungen beobachtet worden. Zwei Wochen nach der Verabreichung einer vierten Biontech-Dosis sei ein "schöner Anstieg" der Antikörper zu beobachten gewesen. Aber der Anstieg sei nicht hoch genug, um eine Infektion mit der Omikron-Variante zu verhindern, so die Professorin. Und das, obwohl der Antikörperanstieg nach der vierten Impfung höher als bei der ersten Booster-Impfung ausgefallen sei.

Israels Ministerpräsident Naftali Benett hatte die ersten Studienergebnisse am Dienstag (4. Januar) vorgestellt: Die vierte Impfdosis mit Biontech/Pfizer soll die Zahl der Antikörper gegen Omikron binnen einer Woche um das Fünffache erhöhen. Die Nebenwirkungen sind den Forschern zufolge mit denen nach einer Booster-Impfung vergleichbar.

Israels Studie zur vierten Corona-Impfdosis: Fazit

Das Fazit der Professorin: "Die Entscheidung, Immungeschwächten in Israel die vierte Dosis zu geben, könnte zwar einen kleinen Vorteil verleihen, aber vermutlich nicht genug, um sie der ganzen Bevölkerung zu geben. Wenn jemand eine persönliche Gefährdung hat, dann sollte man besser jetzt impfen, wenn nicht, dann vielleicht besser abwarten."

Regev betonte gleichzeitig die enorme Wichtigkeit der ersten Booster-Impfung: "Wer die erste und zweite Dosis bekommen hat, muss dringend auch die dritte bekommen." Wer noch keinen Booster erhalten habe, solle zur Impfstation "rennen", riet sie. (jkali mit dpa/afp)