Pandemie

Corona: Kontaktverfolgung weitestgehend eingestellt

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Gesundheitsminister der Länder folgen Stiko-Empfehlung zu Auffrischungsimpfungen

Gesundheitsminister der Länder folgen Stiko-Empfehlung zu Auffrischungsimpfungen

Die Gesundheitsminister der Länder folgen dem Beschluss der Ständigen Impfkommission (Stiko) zu Corona-Auffrischungsimpfungen bereits nach drei Monaten. Die Stiko hatte am Dienstag eine Auffrischung der Corona-Impfung nach drei Monaten empfohlen - zuvor waren es sechs Monate.

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Die Gesundheitsämter sind am Limit. In mehreren Bundesländern findet bereits keine Kontaktverfolgung mehr statt. Experten warnen.

Berlin. Die Gesundheitsämter haben in der Corona-Pandemie zahlreiche wichtige Aufgaben. Sie sollen die Daten von Infizierten erfassen, ihre Kontakte nachverfolgen und Quarantäne anordnen. Doch viele Gesundheitsämter sind inzwischen am Limit, ein großer Teil hat die Kontaktverfolgung und Quarantäneansprache bei Corona-Infizierten eingestellt.

„Eine flächendeckende Nachverfolgung findet im Moment fast gar nicht mehr statt“, sagte die Bundesvorsitzende der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes, Ute Teichert, den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND). „Mehrere Länder haben sogar komplett die Suche nach Kontaktpersonen ausgesetzt, zum Beispiel Baden-Württemberg, Berlin und Hamburg.“

Stattdessen sollen sich die Menschen selbst informieren, was sie bei einem positiven Testergebnis oder einem Risikokontakt tun müssen. „Die Frage ist, ob alle das tun“, gibt Teichert zu bedenken. „Wegen der vielen positiv getesteten Personen und dem Anstieg der Inzidenzen liegt der Fokus jetzt darauf, erst einmal die zahlreichen Coronafälle zu erfassen und zu melden“.

Corona: Warnung vor fehlender Kontaktnachverfolgung

Grünen-Gesundheitspolitiker Janosch Dahmen hat vor der fehlenden Kontaktnachverfolgung besonders bei der Omikron-Variante gewarnt. „Sie kann sich rasant ausbreiten, ohne dass dies rechtzeitig bemerkt wird“, sagte er dem RND. „Wichtig ist, dass auch die Kontaktpersonen informiert werden und sich testen lassen.“

Wo das nicht geschehe, könnten symptomlose Infizierte die Omikron-Variante unbemerkt weitergeben. Dahmen befürchtete: „Wenn wir nicht frühzeitig bemerken, dass die tatsächlichen Fallzahlen steigen, kann die Politik darauf nicht angemessen reagieren.

Pandemie: Gesundheitsämter arbeiten am Limit

Die Gesundheitsämter würden schon lange über dem Limit arbeiten. Eine Folge sei die sich verschärfende Personalnot: „Seit Beginn der Pandemie beobachte ich neben der Fluktuation auch eine Flucht des Personals aus den Gesundheitsämtern“, sagte Teichert.

Neben der Arbeitsbelastung liege dies auch an der vergleichsweisen schlechten Bezahlung, so Teichert. Verschlimmert werden könnte der Personalmangel außerdem durch die Pandemie selbst. „Durch die Omikron-Variante laufen wir in Deutschland auf eine Situation zu, in der die Gesundheitsämter erkranktes Personal irgendwann nicht mehr kompensieren können“, sagte Teichert. Wichtig seien zwar gute Notfallpläne. „Wenn aber beispielsweise 30 Prozent der Belegschaft erkrankt, lässt sich das auch durch Notfallpläne kaum noch ausgleichen“.

Das Robert Koch-Institut hat bereits davor gewarnt, dass wegen der reduzierten Tests während der Feiertage die tatsächliche Ausbreitung des Coronavirus nicht in den aktuellen Inzidenzzahlen widergespiegelt werden könnte.

(amw/dpa)