Bayern

Messerangriff in ICE: Verdächtiger ist nicht schuldfähig

| Lesedauer: 3 Minuten
Eine männliche Person geht am Bahnhof zwischen einer Rettungskraft und einer Polizeibeamtin. In einem ICE zwischen Regensburg und Nürnberg hat es eine Messerattacke gegeben.

Eine männliche Person geht am Bahnhof zwischen einer Rettungskraft und einer Polizeibeamtin. In einem ICE zwischen Regensburg und Nürnberg hat es eine Messerattacke gegeben.

Foto: Fabian Schreiner/dpa

Ein offenbar psychisch kranker Angreifer hat in einem ICE vier Menschen teils schwer verletzt. Was bislang über den Fall bekannt ist.

München. 
  • Ein Mann hat am Samstagmorgen in einem ICE nach Hamburg mehrere Fahrgäste mit einem Messer angegriffen
  • Die Polizei nahm den Mann fest
  • Das Motiv war zunächst unklar
  • Am Sonntagmittag gibt das Polizeipräsidium Oberpfalz eine Pressekonferenz zu dem Fall

Ein Mann hat in einem ICE, der auf dem Weg von Passau nach Hamburg war, andere Fahrgäste mit einem Messer angegriffen. Mehrere Menschen wurden dabei verletzt. Kurz nach der Tat zwischen Regensburg und Nürnberg hat die Polizei den mutmaßlichen Täter am Samstag festgenommen. Bei einer Pressekonferenz der Polizei am Sonntagmittag sprach der Polizeipräsident von möglichen psychischen Problemen des Mannes. Seine weiteren Schilderungen machten die Dramatik des Einsatzes am Samstag deutlich.

Ein 27-Jähriger mit syrischer Staatsangehörigkeit hat demnach nach den Erkenntnissen der Ermittler vier Menschen in den Wagen vier und fünf eines ICE auf dem Weg nach Hamburg teilweise schwer verletzt. Die Verletzten sind Männer im Alter von 26, 39 und 60 Jahren. Eine Frau erlitt einen Schock. Auf der Höhe von Seubersdorf kam der Zug zum Stehen, Einsatzkräfte der Polizei kamen an Bord. Mithilfe einer zufällig an Bord befindlichen Bundespolizistin wurde der mutmaßliche Täter überwältigt. Er habe ein blutverschmiertes Klappmesser mit einer Acht-Zentimeter-Klinge in der Hosentasche gehabt. Die Angriffe hat er nach Angaben der Polizei zugegeben. Er habe sein erstes Opfer angegriffen, weil er sich von ihm verfolgt gefühlt habe. Die anderen Attacken habe er wie im Traum begangen.

Messerangriff in ICE: 420 Einsatzkräfte teilweise bis in die Nacht vor Ort

Insgesamt 420 Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr, Deutscher Bahn und Kriseninterventionsteams seien teilweise bis in die Nacht vor Ort gewesen. Zugreisende seien in eine nahegelegene Gaststätte gebracht und versorgt worden. Die beiden jüngeren Opfer befänden sich noch immer im Krankenhaus. Die Ermittlungen könnten nach Angaben des Polizeipräsidiums noch wochenlang andauern.

Ein zu Rate gezogener psychiatrischer Gutachter bescheinigte dem mutmaßlichen Täter nach einer Untersuchung eine paranoide Schizophrenie. Der 27-Jährige hatte angegeben, er fühle sich von der Polizei verfolgt. Laut Polizeipräsidium laufen allerdings keine Maßnahmen gegen den Mann. Auf Antrag der zuständigen Staatsanwaltschaft kam er am Sonntagmittag zunächst in ein psychiatrisches Krankenhaus. Seine Schuldfähigkeit ist aufgehoben.

Es gebe bislang keine Hinweise auf einen islamistischen oder extremistischen Hintergrund. Auch die Beteiligung Dritter werde zum jetzigen Stand ausgeschlossen.

Messerattacke im ICE: Seehofer dankt den Einsatzkräften

Der geschäftsführende Bundesinnenminister Horst Seehofer drückte sein Entsetzen aus und rief zur Besonnenheit auf. „Die grausame Messerattacke im ICE ist furchtbar“, zitierte ihn Ministeriumssprecher Steve Alter im Kurznachrichtendienst Twitter. Seehofer hoffe, dass die Verletzten und diejenigen, die diese Tat miterleben mussten, schnell und vollständig gesund werden.

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Seehofer dankte demnach den Einsatzkräften der Polizei und dem Zugpersonal „für ihren mutigen Einsatz“. Der CSU-Politiker sagte, die Hintergründe der grausamen Tat seien noch unklar und müssten aufgeklärt werden. „Erst dann ist eine Bewertung möglich.“

Die Bahnstrecke Regenburg-Nürnberg wurde am Samstagmorgen umgehend gesperrt. Andere Züge auf der Strecke waren zunächst an geeigneten Bahnhöfen zurückgehalten worden.

Am frühen Abend teilte eine Sprecherin der Deutschen Bahn mit: „Die Strecke und der Bahnhof sind von der Polizei gegen 18.30 Uhr freigegeben worden. Jetzt fährt der gesamte Zugverkehr wieder.“

(amw/dpa)