Interview

Schauspielerin Marisa Burger über Kunst und ihre Fernehe

| Lesedauer: 6 Minuten
Rüdiger Sturm
EXCLUSIVE Die Schauspielerin Marisa Burger, aufgenommen bei der MDR-Talkshow Riverboat-Aufzeichnung am 13.03.2021 in Leipzig, Foto: Kirsten Nijhof. Die Sendung wird am 19.03.2021 im MDR-Fernsehen um 22.00 Uhr ausgestrahlt.

EXCLUSIVE Die Schauspielerin Marisa Burger, aufgenommen bei der MDR-Talkshow Riverboat-Aufzeichnung am 13.03.2021 in Leipzig, Foto: Kirsten Nijhof. Die Sendung wird am 19.03.2021 im MDR-Fernsehen um 22.00 Uhr ausgestrahlt.

Foto: Kirsten Nijhof / picture alliance / ZB

Marisa Burger ist durch ihre Rolle in „Die Rosenheim-Cops“ populär geworden. Privat sucht sie das Glück aber nicht in einer Behörde.

Berlin. Marisa Burger hat in den verschiedensten deutschen Serien gespielt, aber zum Begriff wurde die 48-Jährige als Polizeisekretärin in dem Dauerbrenner „Die Rosenheim-Cops“, deren neue Staffel seit dem 28. September zu sehen ist (immer dienstags um 19.25 Uhr im ZDF). Doch ihr Lebenshorizont reicht weit über die bayerische Provinz, in der die Serie spielt und aus der sie selbst stammt, hinaus. Deshalb ist dies ein Interview über die Herausforderungen einer Fernbeziehung, die Ziele des Lebens und den Zauber von Kunst.

Auf Ihrer Instagram-Seite finden sich viele Fotos, auf denen Sie energiegeladen in die Höhe springen. Warum?

Marisa Burger: Für mich ist das ein Ausdruck von Kraft: Atme tief durch, springe in die Luft, hebe ein bisschen ab und lande dann sicher. Ich liebe das Leben und deshalb springe ich gerne ins Leben.

Allerdings kommen Sie aus dem konservativen Wallfahrtsort Altötting. Werden einem beim Losspringen da Hindernisse in die Anlaufbahn gelegt?

Wenn man aus einer sehr katholischen Stadt kommt, wird es nicht unbedingt mit offenen Armen begrüßt, dass man gerne Schauspielerin werden möchte und das auch öffentlich kundtut. Doch ich finde, man muss die Dinge selbst in die Hand nehmen. Das habe ich getan, um mir ein Leben zu gestalten, wie ich es mir vorgestellt habe. Letztlich muss jeder selbst für sich verantwortlich sein. Und wer weiß, wenn ich nicht in Altötting aufgewachsen wäre, hätte ich vielleicht etwas ganz anderes gemacht.

Auf diese Weise wurden Sie beispielsweise zu einem der Stars des Serienerfolgs „Rosenheim Cops“, wo Sie seit 2002 die Polizeisekretärin Miriam Stockl spielen. Hätten Sie dazu auch real Talent?

Ich weiß nicht, ob ich persönlich in einer Behörde oder in einem Amt so glücklich wäre wie Miriam Stockl. Nicht falsch verstehen, das ist ein ehrenwerter Beruf, aber ich liebe eben die Schauspielerei.

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Doch inwieweit haben Sie Organisationstalent?

Ich habe eine große Familie und wenn es etwas zu organisieren gibt, ob Familienfeiern oder gemeinsame Urlaube, dann übernehme ich das meistens, weil ich sehr strukturiert bin. Abgesehen davon lebt mein Mann in Basel. Das erfordert auch recht viel Organisation, insbesondere was Zugverbindungen angeht. Nicht zuletzt, weil die Bahn nicht immer so funktioniert, wie sie sollte. Ich erwische eigentlich grundsätzlich meine Anschlusszüge nicht.

Wenn man an unterschiedlichen Orten lebt, macht das das Eheleben schwieriger?

Wir haben genügend Zeit zum Zusammenleben, vor allem zwischen Dezember und Februar, wenn relativ wenig gedreht wird. Heute gibt es viele Paare, die in einer Fernbeziehung oder Fernehe leben. Dafür haben wir dann wirklich Zeit füreinander, wenn wir uns sehen. Außerdem sind wir in einem Alter, wo es nicht mehr darum geht, dass man ein Haus baut, ein Kind zeugt und einen Baum pflanzt. Das haben wir schon alles. Wir sind erwachsene Leute, die mit beiden Beinen im Berufsleben stehen. Man kann sich gut auf sich konzentrieren und freut sich, wenn man wieder etwas gemeinsam macht. Das ist eine Form von Freiheit.

Ihr Mann ist Chefrestaurator des Kunstmuseums Basel. Hat diese Welt eine Faszination für Sie?

Ich bin jemand, der gerne ins Museum und in Ausstellungen geht. Für mich sind Bilder eine Inspiration, wenn man Stücke aus einer bestimmten Zeit nimmt und studiert, was für Gesichtsformen, Blicke oder Haltung die abgebildeten Personen haben. Selbst bin ich aber völlig unbegabt, was das Malen betrifft, und ich hätte nicht die Geduld wie mein Mann, der akribisch ein Bild restauriert. Ich finde es aber hoch faszinierend.


Gibt es Bilder, die Sie besonders beeindruckt haben?

Im Kunstmuseum Basel hängt das Bild „Der tote Christus im Grabe“ von Hans Holbein dem Jüngeren. Die Echtheit, mit der der Leichnam dargestellt ist, ist sehr bewegend. Zumal dieses Bild, obwohl es über 500 Jahre alt ist, noch eine derartige Farbqualität und Ausdruckskraft besitzt. Zuletzt habe ich in Basel eine Ausstellung der afroamerikanischen Künstlerin Kara Walker gesehen, die sich schon früh mit der Ausbeutung der Afroamerikaner auseinandergesetzt und sie in Form von Scherenschnitten dargestellt hat. Einerseits sind die Bilder brachial, aber auch sehr berührend.

Nun gehören „Die Rosenheim-Cops“ nicht unbedingt ins Feld der hohen Kunst wie diese Werke. Aber ist Ihnen das lieber als zum Beispiel ein intellektuelles Sozialdrama?

Wenn du Komödie machst, dann musst du auch eine Schwere in dir haben, sonst kannst du das Leichte nicht gut spielen. Das hat schon Charlie Chaplin gesagt. Ich spiele alles gerne, wenn es zu mir passt, und dabei unterscheide ich nicht zwischen Komödie oder knallhartem Sozialdrama. Ich weiß, manche Feuilletonisten mögen solche Serien belächeln. Aber ganz ehrlich, ich gehe auch gerne ins Theater und schaue mir eine schöne Komödie an, bei der ich lachen kann, anstatt etwas, das nur wenige verstehen. Kunst und Kultur sollen für alle da sein. Jeder, der sich mit einem Werk der Kultur beschäftigen möchte, darf und soll das, aber es soll nicht bewertet werden.

Und wenn Sie mal von solcher Engstirnigkeit genervt werden, was sagen Sie da?

Es gibt ein schönes bayerisches Wort, wie es auch die Miriam Stockl gebraucht, und das ist „Herrschaftszeiten“. Aber eigentlich bin ich ein gelassener Mensch.