Verschwörungstheoretiker

Attila Hildmann gehackt: Anhänger sollen Beweise vernichten

| Lesedauer: 8 Minuten
Vegankoch: Das ist Attila Hildmann

Vegankoch: Das ist Attila Hildmann

Attila Hildmann wollte die Fleischindustrie revolutionieren, doch inzwischen ist er vor allem dafür bekannt, dass er Verschwörungsmythen verbreitet und sich dem rechten Milieu anbietet.

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Hackern ist es gelungen, Accounts von Attila Hildmann zu übernehmen. Jetzt warnt er seine Anhänger und ruft zur Datenvernichtung auf.

Berlin. 
  • Hackern ist es gelungen, Accounts von Attila Hildmann zu übernehmen - die Seiten lassen sich nicht mehr aufrufen
  • Laut den Hackern habe Hildmanns ehemaliger IT-Verantwortlicher ihnen bei der Übernahme der Kanäle geholfen
  • Attila Hildmann appelliert an seine Anhänger, strafrechtlich relevante Beweise zu vernichten. Darüberhinaus veröffentlicht er auf Telgram private Fotos und Kontaktdaten von seinem ehemaligen Mitarbeiter und dessen Angehörigen
  • Twitter sperrte den Account von Anonymous, doch auf der Plattform formiert sich Widerstand unter #FreeAnonNewsDe
  • Safthersteller Voelkel distanziert sich deutlich von Hildmann. Dieser schuldet der Firma noch Geld.

Hacker haben den Internetauftritt von Attila Hildmann gekapert. Wer seit Montag die Seiten des bekannten Verschwörungstheoretikers und Corona-Leugners, wie etwa "attila-hildmann.de" aufrief, bekam lediglich das Logo der Grupppe Anonymous und ein Bekennervideo zu sehen. Darin geben die Hacker und Digital-Aktivisten bekannt, dass sie nicht nur die Kontrolle über die mehr als zwei Dutzend von Hildmann betriebenen Websites erlangt hätten, sondern auch seine Telegram-Kanäle und E-Mail Postfächer übernommen hätten. Mittlerweile ist Hildmann bei Telegram wieder aktiv und wirbt für seinen neuen Kanal.

Die Hacker-Operation mit dem Namen "Tinfoil" (Aluhut) ist laut Anonymous geglückt, weil Hildmanns ehemaliger IT-Verantwortlicher zum Überläufer wurde. Der Mann, der im Bericht von anonleaks.net nur als Kai bezeichnet wird, habe den Zugriff ermöglicht. Zudem habe er über einen längeren Zeitraum dafür gesorgt, dass Hildmann die Verantwortung für seine wichtigsten Websites und Telegram-Kanäle auf ihn übertragen hat.

Hildmann sei suggeriert worden, dass dies notwendig sei, damit die Staatsanwaltschaft darauf im Ernstfall nicht zugreifen könne. Außerdem will Anonymous auch Zugriff auf Kontakt- und Personendaten seiner Follower und Kunden sowie persönliche Notizen Hildmanns erlangt haben. In den kommenden Tagen wollen die Hacker Informationen an Presse und Behörden weiterleiten.

Attila Hildmann rächt sich - Twitter sperrt Whistleblower

Attila Hildmann holte am Dienstagmorgen zum Gegenschlag aus und zeigte sich auf seinem Telegram-Kanal gekränkt. In seiner Gruppe veröffentlichte er Kontaktdaten, die der Mutter seines ehemaligen Mitarbeiters gehören sollen. Dazu schreibt er, die Mutter möge sich "wegspritzen" lassen. Darüber hinaus veröffentlicht er das Social-Media-Profil und private Fotos einer Freundin des ehemaligen Mitarbeiters und äußert sich in vulgärer Sprache über die Frau. Ihr Instagram-Profil wurde daraufhin auf privat gestellt.

Diese Form der Hetzte geht manchen Hildmann-Anhängerinnen und -Anhängern zu weit. Hildmann solle sich an seinem ehemaligen Mitarbeiter und nicht an den Frauen rächen, schreiben einige Nutzer - doch daneben sammeln sich auch Gewalt- und Sexualfantasien im Chat.

Auf der anderen Seite hat Twitter den Account von Anonymus Deutschland auf seiner Plattform gesperrt. Die Sperrung erfolgte am Montagabend. Einen Grund nannte die Twitter nicht. Auf der Seite von @AnonNewsDE steht lediglich: "Twitter sperrt Accounts, die gegen die Twitter Regeln verstoßen". Für einige Nutzerinnen und Nutzer ist der Vorgang unverständlich. Auf der Plattform formiert sich Widerstand unter #FreeAnonNewsDe.

Für weitere Aufregung sorgte die Nennung eines bekannten deutschen Saftherstellers. So heißt es auf der Anonymus-Website, man kenne Hildmanns Lieferanten. "Wir wissen, dass Voelkel als Hersteller von Daisho endgültig raus ist und wir verstehen, warum das für die Firma so ein Angang war: wer ein 6stelliges Darlehen einräumt, Geld, dass Attila längst ausgegeben hat, der muss alles gut überlegen." (sic!) Auf Twitter kursierte anschließend das Gerücht, Hildmann sei durch das Darlehen der Firma Voelkel "über Wasser gehalten" worden.

Zwar hatten die Saftproduzenten in der Vergangenheit Hildmanns eigenen Energy-Drink abgefüllt, die Zusammenarbeit wurde aber im vergangenen Jahr aufgekündigt. In einem Statement vom 7. Mai 2020 heißt es: "Wir distanzieren uns in aller Deutlichkeit von der in den letzten Tagen getätigten Rhetorik Attila Hildmanns. Basis unserer Zusammenarbeit mit der Marke Daisho sind der Umwelt- und Tierschutz sowie der Respekt einer freiheitlich demokratischen Grundordnung. Wir haben die Abfüllung für die Marke Daisho gestoppt."

Auf Nachfrage unserer Redaktion schreibt Voelkel im Bezug auf das Darlehen: "Das Darlehen war natürlich bevor er durchgeknallt ist. In der Zeit, als wir Daisho für ihn abgefüllt haben." Der Darlehensvertrag sei am 8. Mai 2020 als Reaktion auf die Radikalisierung gekündigt und die Rückzahlung gefordert worden. "Dem vorangegangen war der erfolglose Versuch auf Hildmann mäßigend einzuwirken und anschließend eine eingehende rechtliche Prüfung unserer Optionen. Das Darlehen wurde bis zum heutigen Tag nicht beglichen." Die Firma engagiere sich sich seit Jahren in der Flüchtlingshilfe, unterstützt den Verein "Laut gegen Nazis". Die vermeintliche Nähe zu Rassismus: "Ein Horrorthema für uns", so das Unternehmen.

Attila Hildmann ruft Folgschaft auf Beweise zu vernichten

Am Dienstagvormittag richtet sich Hildmann in einer Sprachnachricht auf Telegram direkt an seine Follower. Sie sollen schnellstmöglich alle Beweise vernichten die im Zusammenhang mit dem antisemitischen Portal "wtube" stehen, ein kleines Portal nach dem Vorbild von YouTube, das von Hildmann und seinen Anhängern bespielt wurde.

So appelliert Hildmann an "alle Kameraden, die da etwas hochgeladen haben, das in der BRD die Wahrheit ist, aber strafrechtlich relevant ist. Ihr könnt davon ausgehen, dass Ihr Besuch bekommt." Mit diesen Worten spielt Hildmann auf die Holocaustleugnung mancher Verschwörungserzählungen an. In Deutschland ist es nach § 130 Abs. 3 des Strafgesetzbuches verboten, den nationalsozialistischen Völkermord an den europäischen Juden öffentlich zu billigen, zu verharmlosen oder zu leugnen. Hildmann appelliert mit Nachdruck: " Ihr solltet alle Datenträger löschen, damit sie keine Beweise bekommen. Besorgt euch schnell ein neues Handy. Bereinigt euren normalen Laptop, verstaut ihn bei der Familie oder Kollegen."

Hildmanns Daten könnten strafrechtlich relevant werden

Die Hacker erheben auch schwere Vorwürfe an die Berliner Justiz. Die Staatsanwaltschaft in der Hauptstadt ermittelt seit Monaten gegen Hildmann wegen Volksverhetzung, Bedrohung und Beleidigung in mehreren Fällen. Als die Staatsanwaltschaft im Februar jedoch Haftbefehl gegen ihn beantragte, bekam der ehemalige vegane Koch Wind davon.

Laut Recherchen von WDR und "Süddeutscher Zeitung" wurde er von einem Maulwurf aus Justizkreisen informiert. Hildmann setzte sich ins Ausland ab. Anonymous kündigte nun an, neue Informationen zu den Vorgängen zu veröffentlichen.

Hildmann bestätigt Vorgänge auf Telegram

Gegenüber "anonleaks.net" erhebt Hildmanns ehemaliger IT-Mitarbeiter zudem auch eigene Vorwürfe gegen die Berliner Justiz. So habe er vermeintlich strafrechtlich relevante Videos von Hildmanns Plattform "wtube" an die Behörden weitergereicht. Diese hätten jedoch nicht reagiert. Der ehemalige Mitarbeiter warnte gegenüber "anonleaks.net" eindrücklich vor radikalen Anhängern Hildmanns. Es gäbe Follower, die zu allem bereit seien, wird er vom Portal zitiert.

Hildmann selbst hat sich mittlerweile in einem kleineren Telegram-Kanal per Sprachnachricht zu den Vorwürfen geäußert. Er bestätigt die Vorgänge. "Alle meine Kanäle sind jetzt weg. Alle Domains hat sich die Person mit einer Lüge gekapert", sagt Hildmann. Zudem habe er auch die Kontrolle über seinen Shop verloren und könnte daher seine Produkte aktuell nicht mehr verkaufen. Lesen Sie dazu auch:

(fmg)