Impfkampagne

Booster-Impfungen starten: Wer die dritte Impfung erhält

| Lesedauer: 5 Minuten
Alessandro Peduto
Start der Booster-Impfungen: Debatte um Impfauffrischung

Start der Booster-Impfungen: Debatte um Impfauffrischung

Die Booster-Impfungen sollen im September starten. In Israel wird bereits die dritte Impfung verabreicht. Die Auffrischungsimpfung löst weltweit Diskussionen aus.

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Die Auffrischungsimpfungen gegen Corona laufen nun an. Wer bekommt sie? Welche Fristen gelten? Wie ist die Wirksamkeit? Ein Überblick.

Berlin. 
  • Um den Schutz vor Corona zu erhöhen, geht es jetzt mit den Booster-Impfungen los
  • Doch wer ist eigentlich dafür vorgesehen?
  • Die Stiko will bald eine Empfehlung für die dritte Impfung aussprechen

Deutschland steht vor dem zweiten Corona-Herbst. Neuinfektionen wie Krankenhauseinlieferungen wegen Covid-19 sind in den zurückliegenden Wochen gestiegen. Zugleich lässt der Schutz gegen den Erreger bei Millionen von Menschen nach. Denn ihre Impfung liegt inzwischen mehr als sechs Monate zurück. Ab dieser Zeitspanne verlieren die Corona-Vakzine an Wirkung. Damit sind viele Zweifachgeimpfte bald schlechter gegen das Virus und vor allem gegen die besonders ansteckende Delta-Variante geschützt.

Betroffen sind derzeit vor allem jene Gruppen, die nach dem Jahreswechsel als Erste die Spritzen gegen Corona erhalten haben: Hochbetagte, Pflegebedürftige, Patienten mit einer starken Immunschwäche. Für sie soll es jetzt eine dritte Dosis geben, um die Impfwirkung aufzufrischen.

Einige Bundesländer wie Schleswig-Holstein und Bayern haben schon damit begonnen. Flächendeckend ist der dritte Piks ab diesem Mittwoch vorgesehen.

Mediziner befürchten jedoch, dass schon bald auch deutlich Jüngere in die Arztpraxen drängen, um sich die sogenannte Booster-Impfung spritzen zu lassen. Um einen möglichen Wettlauf gegen die Älteren zu verhindern, fordern Fachleute daher klare Vorgaben und mehr öffentliche Aufklärung über die Auffrischungen.

Wie viele Menschen bekommen eine Drittimpfung?

„Wenn wir uns an der Größe der Gruppen orientieren, die zu Beginn der Impfkampagne die ersten Dosen erhalten haben, dann wären jetzt etwa bei acht Millionen Menschen Booster-Impfungen fällig“, sagte der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), An­dreas Gassen, unserer Redaktion.

Hinzu kommen diejenigen, die bei der ersten Impfserie einen Vektor-Impfstoff von Astrazeneca (zwei Dosen) oder von Johnson & Johnson (eine Dosis) erhalten haben. Diese vergleichsweise kleine Gruppe kann sich gemäß dem Beschluss der Gesundheitsminister von Bund und Ländern von Anfang August ebenfalls eine Auffrischung abholen. Voraussetzung in allen Fällen ist, das die letzte Covid-19-Impfung mindestens sechs Monate zurückliegt.

Wo und mit welchen Vakzinen wird aufgefrischt?

Der Booster erfolgt mit einem mRNA-Impfstoff. Dies sind die Vakzine der Hersteller Biontech/Pfizer und Moderna – wobei letzterer Stoff nur selten angeboten wird. Die mRNA-Vakzine werden bei der Drittimpfung unabhängig davon verabreicht, welcher Corona-Impfstoff bisher gespritzt wurde.

Die Mehrheit der Booster-Spritzen wird von Haus- und Fachärzten vorgenommen. Wer den dritten Corona-Piks plant, vereinbart einen Termin. Manche Hausärzte kommen auch direkt auf ihre älteren und gefährdeten Patienten zu. Pflegebedürftige können von mobilen Impfteams versorgt werden. Zudem sollen Betriebsärzte verstärkt eingebunden werden.

Warum ist die Gefahr für Ältere und Risikopatienten größer?

Wissenschaftliche Studien zeigen, dass gerade die über 80-Jährigen sowie Menschen mit einem geschwächten Abwehrsystem eine schlechtere Immunantwort im Vergleich zu jüngeren Menschen haben. Das bedeutet, dass ihr Immunschutz, den sie durch die Corona-Impfung gegen das Virus aufgebaut haben, oft weniger stark ist. Zudem nimmt er mit der Zeit ab – und zwar offenbar schneller als bei Jüngeren.

Coronavirus: Impfdurchbrüche in Deutschland
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Experten gehen davon aus, dass gerade für Ältere und Risikogruppen nach weiteren sechs Monaten der Impfschutz erneut nachlässt und eine vierte Dosis erforderlich werden könnte. Auch Gassen betonte, es müsse „klar sein, dass wir bei beiden Gruppen auch nach der dritten Impfung wahrscheinlich keine starke optimale Immunantwort sehen werden“.

Was ist mit Booster für Jüngere?

Da die Corona-Impfung bei den meisten Jüngeren weniger als sechs Monate zurückliegt, kommen für sie Booster bisher nicht in Betracht. Dennoch befürchten Mediziner, dass in den Praxen bald auch vermehrt Jüngere nach einer Auffrischung verlangen. „Mich sprechen im Moment sehr viele Menschen an, die eine dritte Corona-Impfdosis wollen, obwohl sie noch gar nicht an der Reihe sind“, sagte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach unserer Redaktion.

Die Politik müsse daher deutlicher klarstellen, welche Gruppen Vorrang haben und welche noch warten müssen. Sonst würden diejenigen nach hinten gedrängt, die die Auffrischung am dringendsten benötigten.

Die Kassenärzte verlangen medizinische Richtlinien für die Drittimpfungen – ähnlich wie im Frühjahr, als Menschen in konkret benannten Altersstufen sowie mit bestimmten Krankheitsbildern Vorrang beim Impfen eingeräumt wurde. Gassen sieht hier aber nicht die Politik, sondern die Ständige Impfkommission (Stiko) am Zug: „Die Stiko wäre für solche Vorgaben die richtige Institution.“ Bislang hat die Stiko keine Empfehlung für die Auffrischung ausgesprochen.

Stephan Hofmeister, Allgemeinmediziner und Vizechef der Kassenärzte, kritisierte mit Blick auf die Jüngeren das Vorgehen der Politik. Sie schüre „Ängste und Verunsicherung“. Stattdessen müsse deren Botschaft an gesunde Erwachsene zwischen 18 und 60 sein: „Ihr seid zweimal geimpft, das reicht, ihr seid geschützt.“ Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte dagegen unlängst öffentlich darüber nachgedacht, allen Bürgerinnen und Bürgern Auffrischungsimpfungen anzubieten.