Verbrechen

USA: Vater tötet Kinder, weil er sie für „Monster” hielt

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Dirk Hautkapp
Ein Vater in den USA hat seine Kinder getötet, die er für "Monster" hielt. Verschwörungsmythen wie "QAnon" prägten sein Weltbild.

Ein Vater in den USA hat seine Kinder getötet, die er für "Monster" hielt. Verschwörungsmythen wie "QAnon" prägten sein Weltbild.

Foto: Kyle Grillot / AFP

Ein Vater aus Kalifornien seine Kinder in Mexiko ermordet. Der Täter glaubte an Verschwörungsmythen wie QAnon und die Illuminaten.

Washington. Als Abby Coleman die Polizei in kalifornischen Santa Barbara anrief, weil ihr Mann Matthew anders als geplant mit Sohn Kaleo Skye und Tochter Roxy Rain plötzlich allein im familieneigenen Mercedes Sprinter davon gefahren war, schloss die junge Mutter noch rigoros aus, dass ihre Kinder in Gefahr sein könnten.

Zwei Tage später fand ein Landarbeiter den zweijährigen Jungen und das zehn Monate alte Mädchen 400 Kilometer südlich in der Nähe der mexikanischen Grenzstadt Tijuana in einem Gebüsch. Tot. Erstochen. Der Junge mit 17 Einstich-Wunden, das Mädchen mit zwölf. Mitten ins Herz. Mit einer Speerfischer-Harpurne. Der Täter: Vater Matthew.

Vater erklärt, von Verschwörungsmythen "erleuchtet" zu sein

Bei seiner Festnahme lieferte der 40-Jährige ein komplettes Geständnis ab, das die ermittelnde FBI-Agentin Jennifer Bannon so bald nicht vergessen wird. Coleman, in Santa Barbara Betreiber der bekannten „Lovewater”-Surfschule, gab nach Gerichtsunterlagen an, die dieser Zeitung vorliegen, seine Kinder seien auf dem Weg gewesen, sich zu „Monstern” zu entwickeln. Abby, seine Frau, habe ihre „Schlangen-DNA” an die Kinder weitergegeben.

Coleman sagte aus, durch Verschwörungstheorien wie „QAnon”, eng mit dem amerikanischen Ex-Präsidenten Donald Trump verbunden, und „Illuminati”, ein mystischer Geheimbund aus dem 18. Jahrhundert, entsprechend „erleuchtet” worden zu sein und „Zeichen” erhalten zu haben. Wie genau? Von wem? Unbekannt. Lesen Sie auch: Islamistische Taliban erobern Kandahar

Vater wollte durch Ermordung seiner Kinder "die Welt retten"

Ihm sei bewusst, dass er etwas Falsches getan habe, sagte er den Vernehmungsbeamten. Die Ermordung seiner Kinder, die Coleman bei der Geburt jeweils hymnisch in sozialen Medien feierte, sei aber die einzige Option gewesen, um - Zitat - „die Welt zu retten”.

Als Indiz für seine tödliche Entschlusskraft nimmt das FBI die Aussage Colemans, dass eines der Kinder nach dem Schuss aus der Harpunen-Waffe nicht sofort tot war. Der Vater benutzte die Speerspitze als Dolch und stach zigfach zu. Dabei verletzte er sich selbst an der Hand.

USA: Kindermörder sitzt in Untersuchungshaft

Seit wann Coleman in die Nische des Okkulten abgedriftet war, in der Zigtausende glauben, mächtige Politiker-Cliquen wollten die Welt unterjochen und Donald Trump sei ihr goldener Retter, oder ob seine Frau etwas davon wusste, ist bisher nicht bekannt.

Colemans Auftritte in sozialen Medien legen laut Polizei bisher nicht nahe, dass er besagte Verschwörungstheorien propagiert hätte. In seiner Community war er als betont christlich-gläubiger Mensch bekannt. Weitere News aus den USA: Corona in San Francisco: Ungeimpfte müssen draußen bleiben

Wie Ciaran McEvoy, der Sprecher der zuständigen Staatsanwaltschaft in Los Angeles dieser Zeitung sagte, wird der des Mordes Beschuldigte am 31. August erneut dem Haftrichter vorgeführt und offiziell angeklagt. Er sitzt seit der Festnahme in Haft, ohne Kautions-Möglichkeit.

Bluttat konnte durch Technik schnell aufgeklärt werden

Dass die Bluttat, die im wohlhabenden Santa Barbara nördlich von Los Angeles Schockwellen ausgelöst hat, so schnell aufgeklärt werden konnte, liegt auch an moderner Technik. Über die „Finde mein Iphone”-App konnte Abby Coleman auf Bitten der Polizei ihren Mann lokalisieren:

Rosarito, ein Badeort am Pazifik kurz hinter der mexikanischen Grenze, war sein Ziel. Das FBI schaltete sich ein, förderte Aufnahmen von Coleman im Hotel (erst mit, dann ohne seine Kinder) zutage und setzt ihn bei der Wiedereinreise in die USA sofort fest.

QAnon: Morde mit Bezug auf Verschwörungsmythen

Der explizite Bezug des mutmaßlichen Mörders, der im Falle einer Verurteilung mit lebenslänglicher Freiheitsstrafe rechnen muss, auf die QAnon-Theorie hat in den USA sofort Erinnerungen an Seattle und New York 2019 geweckt.

In der Westküsten-Stadt tötete der QAnon-Anhänger Buckey Wolfe seinen Bruder mit einem Schwert. Weil er überzeugt davon war, dass der sich in ein gefährliches Reptil verwandelt habe. In New York brachte Anthony Comello einen Mafia-Boss um. Im Gericht erschien er mit einer Referenz zu QAnon auf seiner Hand. Auch interessant: Asteroid könnte Erde treffen - droht Einschlag?

QAnon verbreitete „Pizza-Gate”-Verschwörungsmythos

Im Fall Coleman wirkt die Tat umso bizarrer. Zu den Klassikern des QAnon-Kults in den USA gehört die „Pizza-Gate”-Legende: Hochrangige Demokraten wie Hillary Clinton würden in unterirdischen Verließen Säuglinge gefangen halten und sexuell ausbeuten. Mit diesem kruden Gedanken im Kopf fuhr im Winter 2016 ein Sonderling namens Edgar Maddison Welch mit einem Sturmgewehr 600 Kilometer von North Carolina zum „Comet Ping Pong” nach Washington DC.

Er wollte in der US-Hauptstadt die in einem Keller unter dem beliebten Familien-Pizza-Restaurant vermuteten Kinder „befreien”. Es fielen Schüsse. Dann gab Welch vor der Polizei-Armada klein bei. „Comet Ping Pong” hatte nie einen Keller.