Bankraub

600 Millionen Dollar Schaden: Hacker stehlen Kryptowährungen

| Lesedauer: 3 Minuten
Tobias Eßer
Videografik: So funktioniert der Bitcoin

Videografik: So funktioniert der Bitcoin

Als weltweit erstes Land führt El Salvador den Bitcoin als gesetzliches Zahlungsmittel ein. Im Gegensatz zu traditionellen Währungen hat die Kryptowährung keine Zentralbank und ist von keiner Regierung abhängig. Stattdessen wird der Bitcoin von den Nutzern kontrolliert und reguliert. VIDEOGRAPHIC

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Unbekannte haben eine Firma in den USA gehackt und Kryptowährungen gestohlen. Der Schaden liegt bei gut einer halben Milliarde Dollar.

Bei einem Angriff in den USA hat ein Hacker offenbar Kryptowährungen in großem Stil erbeutet. Dem Unternehmen Poly Network zufolge hätte der Unbekannte Sicherheitsvorkehrungen geknackt und die Einlagen von "zehntausenden" Kunden auf von ihm kontrollierte Konten umgeleitet. Insgesamt belaufe sich der Schaden auf "bis zu 600 Millionen Dollar" - laut Poly Network der größte Diebstahl in der Geschichte der Kryptowährungen.

Am Dienstag gab Poly Network genauere Informationen zu dem Diebstahl und den davon betroffenen Kryptowährungen über Twitter bekannt. Einer Analyse des Portals "cointelegraph.com" zufolge soll der Hacker etwa 273 Millionen US-Dollar von Ethereum, 85 Millionen US-Dollar in USD Coin (USDC) aus dem Polygon-Netzwerk und 253 Millionen US-Dollar aus der Binance Smart Chain gestohlen haben.

Poly Network wendet sich direkt an Hacker

"Liebe Hacker", schrieb Poly Network auf Twitter. "Wir möchten mit euch in Verbindung treten und euch auffordern, die von euch gehackten Vermögenswerte zurückzugeben". Die Firma fuhr fort: "Die Behörden eines jeden Landes werden eure Missetaten als schweres Wirtschaftsverbrechen betrachten und ihr werdet strafrechtlich verfolgt." Die Hacker sollten mit der Firma sprechen, "um eine Lösung zu finden".

Die auf den Transfer der digitalen Geldanlagen spezialisierte Firma rief andere Unternehmen in der Branche auf, sogenannte Token der Währungen Ethereum, BinanceChain und OxPolygon zu meiden.

Sicherheitsfirma: Hack sei "von langer Hand" geplant

Kurz nach Bekanntwerden des Hacks veröffentlichte die chinesische Cybersecurity-Firma SlowMist ein Update. Wie "cointelegraph.com" berichtet, teilt SlowMist mit, die E-Mail-Adresse, die IP-Adresse und den Fingerabruck des Angreifers bereits identifiziert zu haben. "In Kombination mit dem Geldfluss und den Informationen aus mehreren Fingerabdrücken lässt sich feststellen, dass es sich wahrscheinlich um einen von langer Hand geplanten, organisierten und vorbereiteten Angriff handelt", zitiert "contelegraph.com" SlowMist.

Wie es mit den gestohlenen Coins weitergeht, ist noch unklar. Laut "cointelegraph.com" soll der Hacker in mehreren Transaktionsaufzeichnungen auf der Plattform "Etherscan" geschrieben haben, dass er überlegt, einen Teil des Geldes zurückzugeben.

Teile der Community feiert den Hack

Außerdem soll er die Community um Hilfe bei der Geldwäsche der Coins gebeten haben. In den Kommentaren bei "Etherscan" drücken viele User ihren Respekt für den Hacker aus oder bitten ihn, ihre Schulden mit dem gestohlenen Geld zu begleichen.

Kryptowährungen wie Bitcoin basieren auf der Blockchain-Technologie. Durch sie können Transaktionen unmittelbar zwischen zwei Nutzern erfolgen - eine Bank ist nicht mehr nötig. Mittlerweile werden verschiedene Währungen allerdings auch als Spekulationsobjekt und Wertanlage genutzt.

Einem Bericht der Firma CipherTrace zufolge kamen dieses Jahr bis einschließlich April Kryptowährungen im Wert von insgesamt 432 Millionen Dollar durch Diebstähle, Hackerangriffe und Betrügereien abhanden. (mit dpa)