Lockdown-Leben

Studie zeigt: So hat Corona das Familienleben verändert

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Miriam Hollstein
Corona: Das ist über die Gamma-Variante bekannt

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Es gibt verschiedene Mutationen des Coronavirus. Seit Juni 2021 erfolgt deren Bezeichnung nach den Buchstaben des griechischen Alphabets. Hier erfahren Sie, was es mit der Gamma-Variante auf sich hat.

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Die Pandemie hat Familien besonders getroffen. Wie sich ihr Leben verändert hat, zeigt eine Studie – mit überraschenden Erkenntnissen.

Berlin. Für Familien war die Pandemie besonders hart. Denn insbesondere während der Lockdowns fielen Strukturen weg, die sonst helfen, den Alltag zu organisieren. Kitas blieben geschlossen, Schulen ersetzten Präsenz durch digitalen Unterricht. Erste Untersuchungen zeigen: Dadurch haben sich traditionelle Rollenbilder in den Familien verfestigt.

Zu diesem Ergebnis kommt auch eine neue Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung, die dieser Redaktion exklusiv vorliegt. Dreimal wurden für sie Bürger und Bürgerinnen repräsentativ telefonisch befragt – zum ersten Mal vor der Pandemie von Oktober bis Dezember 2019, dann von August bis September 2020 und schließlich von März bis April 2021. Zentraler Befund: Die Auswirkungen der Pandemie wurden in ihrem Verlauf immer negativer wahrgenommen. Gaben 2020 noch 19 Prozent der Befragten an, der Zeitdruck sei durch die Corona-Krise gewachsen, waren es 2021 bereits 31 Prozent.

Partnerschaft hat sich in der Pandemie verschlechtert

Am stärksten litten Eltern mit minderjährigen Kindern unter der Situation: 43 Prozent sagten bei der dritten Befragung, mehr Zeitdruck zu spüren. 63 Prozent erwarten, dass die Pandemie auch langfristig ihr Leben verändern wird und zwar eher negativ; 2020 waren es noch 50 Prozent gewesen. Vor allem Frauen (70 Prozent) rechnen damit, dass die Folgen noch lange zu spüren sein werden, Männer, Ostdeutsche und Nichterziehungsberechtigte sind insgesamt etwas optimistischer.

Insgesamt gab fast jeder und jede Zweite 2021 an, durch die Pandemie starken privaten und familiären Belastungen ausgesetzt zu sein. Auch hier waren es häufiger Frauen und Erziehungsberechtigte, die sich starken privaten, familiären und beruflichen Belastungen ausgesetzt sahen. Männer sprachen hingegen häufiger von finanziellen Belastungen. Einen Einfluss hatte bei Erziehungsberechtigten auch das Alter der Kinder. Eltern mit kleineren Kindern gaben bei der Befragung häufiger privaten und familiären Belastungen an, Eltern mit größeren Kindern machten sich mehr finanzielle Sorgen.

Menschen ohne Kinder erlebten hingegen häufiger eine Verschlechterung der Partnerschaft in der Corona-Krise. Während 2020 nur neun Prozent sagten, die Pandemie habe sich negativ auf die Beziehung ausgewirkt, waren es 2021 fast viermal so viel. Bei Familien mit Kindern stieg die Unzufriedenheit in der Partnerschaft hingegen „nur“ von zehn auf 24 Prozent.

Männer mit Familiensituation zufriedener

Nicht alles wurde negativ erlebt. So wuchs die die Zufriedenheit mit der Familiensituation bei den Befragten 2020 im Vergleich zu der Zeit vor der Pandemie Ende 2019. Vor allem Männer und Kinderlose gaben häufiger an, mit ihrer familiären Situation zufrieden zu sein als 2019.

Insgesamt war die Partnerschaft der Bereich, in dem die Befragten während der Pandemie die wenigsten schwerwiegenden Veränderungen erlebten. Am stärksten wurden – wenig überraschend – die Einschränkungen des Freizeitlebens empfunden: 58 Prozent der Befragten gaben 2021 an, hier große oder sehr große Veränderungen erlebt zu haben. Auf Platz 2 folgte bei Eltern die Förderung der Kinder und die Kinderbetreuung. Aber auch Freundschaften haben sich für mehr als jeden Dritten in der Pandemie verändert.

Frauen werden in traditionelle Rollen zurückgedrängt

Verändert hat sich auch die Arbeitsteilung in den Familien. Fast alle Tätigkeiten werden – so die Befragten – seltener partnerschaftlich übernommen. Besonders um die Kinderbetreuung, das Waschen der Wäsche, das Besorgen und Zubereiten der Mahlzeiten mussten sich Frauen ihrer Einschätzung nach deutlich häufiger kümmern als vor der Pandemie. Nur elf Prozent der Männer gaben an, sie hätten stets oder meistens die Kinder betreut. Am zufriedensten mit der Aufgabenteilung bei der Kinderbetreuung waren jene Befragte, deren Partner oder Partnerin zum Zeitpunkt der Befragung komplett von zuhause arbeiteten.

Allerdings ergab die Studie auch, dass bereits vor Beginn der Corona-Krise traditionelle Rollenbilder in vielen Familien immer noch stark verbreitet war. Von Vätern wurde eher erwartet, Vollzeit berufstätig zu sein, von Müttern hingegen, dass sie sich um die Kinder kümmern und eine warme Mahlzeit zubereiten.

Einschätzungen von Männern und Frauen unterschiedlich

Eine kleine Einschränkung der Ergebnisse macht die Autorin der Studie, die Soziologin Sabine Pokorny mit Blick auf die Rollenverteilung allerdings: Die Selbstauskunft der Befragten zur Aufteilung der Hausarbeit weise „gewisse Unstimmigkeiten“ auf. So würden Frauen häufiger angeben, sie würden sich mehr als der Partner um die Kinderbetreuung, die Hausarbeit und die Mahlzeiten kümmern, als Männer glauben, dass ihre Partnerinnen diese Aufgaben tatsächlich übernehmen.

„Stattdessen geben Männer fast durchgehend häufiger als Frauen an, beide Partner würden sich die Arbeit gleichmäßig aufteilen“, schreibt Pokorny. Allerdings gilt dieses Muster auch umgekehrt. „Offenbar gibt es unterschiedliche Wahrnehmungen, wie partnerschaftlich die Hausarbeit aufgeteilt wird“, so das Fazit der Studienleiterin Pokorny: „Welche Sichtweise näher an der Realität ist, kann mithilfe von Umfragen nicht geklärt werden.“