Pandemie

Corona-Impfung ohne Nebenwirkungen – Schützt sie trotzdem?

| Lesedauer: 4 Minuten
Britt-Marie Lakämper
Corona: Weniger Impfschutz bei geringer Reaktion

Corona: Weniger Impfschutz bei geringer Reaktion

Die Impfkampagne läuft auf Hochtouren. Die einen haben Nebenwirkungen, die anderen gar keine. Was es damit auf sich hat und ob dadurch der Impfschutz geringer ist, sehen Sie im Video.

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Nach einer Corona-Impfung treten teilweise Impfreaktionen auf. Doch ist man auch geschützt, wenn die Nebenwirkungen ganz ausbleiben?

Berlin. 
  • Nicht alle Menschen haben nach einer Corona-Impfung Nebenwirkungen
  • Ist man dennoch geschützt?
  • Die Schutzwirkung ist nicht von der Impfreaktion abhängig. Wir zeigen, worauf es ankommt

Wer sich gegen das Coronavirus impfen lässt, hat danach häufig mit Impfreaktionen zu kämpfen. Diese kurz anhaltenden Nebenwirkungen der Impfung sind völlig normal und können bei allen bisher zugelassenen Vakzinen auftreten. Die Symptome, typisch sind Erschöpfung, Kopfschmerzen und erhöhte Temperatur, klingen meist nach einigen Stunden oder maximal wenigen Tagen wieder ab.

Wie stark die Impfreaktion ist, unterscheidet sich von Mensch zu Mensch teilweise sehr. Der Zeitpunkt hängt dabei auch vom Präparat ab: Bei den Vakzinen von Biontech und Moderna treten die Nebenwirkungen meist nach der zweiten Dosis stärker auf, beim Astrazeneca-Vakzin nach der ersten.

Viele denken, dass eine heftige Reaktion nach einer Corona-Impfung darauf hinweist, dass das Immunsystem letztendlich besser geschützt ist. Doch stimmt das überhaupt? Und was ist, wenn man kaum etwas oder gar nichts von der Spritze merkt?

Keine Impfreaktion, kein Schutz? So einfach ist es nicht

Für Geimpfte, auf die eher Letzteres zutrifft, kann Entwarnung gegeben werden: Selbst wenn man keine oder nur eine sehr milde Impfreaktion hat, ist man mit der gleichen Wahrscheinlichkeit vor dem Coronavirus und der Erkrankung an Covid-19 geschützt. Das lässt sich schon an den Zulassungsstudien der Vakzine ablesen, bei denen der Immunschutz bei deutlich mehr Testpersonen bestand, als dass Nebenwirkungen auftraten.

Umgekehrt gilt aber beispielsweise, dass man auch eine starke Impfreaktion haben kann, ohne den nötigen Schutz zu bilden. So können Menschen, die ein unterdrücktes Immunsystem haben – beispielsweise wegen der Einnahme von bestimmten Mediakementen (Immunsuppressiva) oder einer Transplantation – zwar sehr heftig die Nebenwirkungen einer Impfung zu spüren bekommen. Einen ausreichenden Schutz bauen sie nach der Impfdosis aber nicht auf.

Impfreaktion und Immunschutz: Darum gibt es keinen Zusammenhang

Allein dieses Beispiel zeigt, dass kein Zusammenhang zwischen Impfreaktion und Immunschutz besteht. Der Grund dafür liegt im Aufbau des menschlichen Immunsystems.

Für das Ausfallen der Impfreaktion und den Impfschutz selbst sind nämlich zwei unterschiedliche Teile verantwortlich. Auf der einen Seite arbeitet nach einer Impfung der lernfähige Teil des Immunsystems, auf der anderen Seite reagiert auch der angeborene Part.

Während der Impfschutz durch die adaptive, also die lernfähige Immunabwehr entsteht, gehen die Nebenwirkungen, die man meist in den ersten zwei Tagen nach Impfung spürt, auf das angeborene Immunsystem zurück. Dieses reagiert auf das Impfpräparat vorerst wie auf einen Krankheitserreger.

Immunsystem: So reagiert es kurz nach der Corona-Impfung

Die Reaktion der körpereigenen Abwehr fällt dementsprechend ähnlich aus. Fieber, eine der häufigsten Nebenwirkungen der Covid-19-Impfung, ist ein klassischer Mechanismus des Körpers, um Heilungsprozesse zu beschleunigen. Dringen Krankheitserreger in den Körper ein, werden Botenstoffe freigesetzt, die im Gehirn, genauer gesagt am Hypothalamus, das Signal geben, die Körpertemperatur zu erhöhen.

Das hilft nämlich dem Immunsystem, die Krankheitserreger abzuwehren. Eine höhere Körpertemperatur beschleunigt Vorgänge im Körper – so können beispielsweise Abwehrzellen zusätzlich aktiviert und die Vermehrung der Bakterien oder Viren gehemmt werden.

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Immunschutz entwickelt sich erst Wochen nach der Impfung

Die Impfreaktion ist also nicht maßgeblich für den Impfschutz – sondern klassisches Abwehrverhalten des Körpers. Im lernfähigen Teil des Immunsystems dagegen werden nach Verabreichung der Impfung unter anderem die Antikörper gegen den Sars-Cov-2-Erreger gebildet. Von diesem Prozess hängt ab, wie gut man gegen die Erkrankung am Ende geschützt ist. Meist setzt dieser zwei bis drei Wochen nach der Impfung ein. Auch interessant: Schutz vor Delta - So wirksam sind die Corona-Impfstoffe

Impfreaktion und Impfschutz entstehen also in zwei unterschiedlichen Teilsystemen des menschlichen Körpers und entwickeln sich auch zeitlich unabhängig voneinander. Die Vorgänge, die nach der Impfung im Immunsystem ablaufen, hängen nur partiell zusammen. Deshalb können auch die jeweiligen Effekte so unterschiedlich stark sein. Reagiert man besonders stark oder auch gar nicht auf die COVID-19-Impfung, hat dies nichts mit dem Grad des Immunschutzes gegen die Erkrankung zu tun.

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