Impftourismus

Hotel fliegt Angestellte zur Corona-Impfung nach München

| Lesedauer: 4 Minuten
Bettina Funk
WHO: Impfraten in Europa reichen "bei weitem" noch nicht aus

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Obwohl die Impfkampagne in Europa voranschreitet, warnt die WHO vor übereilten Optimismus: Die Impfrate sei bei weitem nicht ausreichend, um die Region vor einem Wiederausbruch zu schützen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zeigt sich zuversichtlicher.

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Rund 100 Beschäftigte eines italienischen Luxus-Ressorts sollen für eine Corona-Impfung nach München geflogen sein. Was bekannt ist.

München/Berlin. 
  • In einem Hotel am Münchner Flughafen sollen Angestellte eines Luxusresorts in Italien gegen Corona geimpft worden sein
  • Dafür wurden die rund 100 Bediensteten extra nach München geflogen
  • Was über den Fall von Impftourismus bisher bekannt ist

Während in Deutschland immernoch viele Menschen sehnsüchtig auf ihre Corona-Impfung warten, ist in München jetzt ein Fall von Impftourismus bekannt geworden. Eine Reisegruppe aus Italien war am 21. Mai für einen Tagestrip in die bayerische Landeshauptstadt gekommen - um sich gegen Covid-19 impfen zu lassen.

Es handelte sich offenbar um mehr als 100 Beschäftigte der sehr luxuriösen Urlaubsanlage "Forte Village" auf Sardinien. Das Ziel des Impftrips nach München: Die gut betuchten Gäste des Luxusresorts sollen möglichst sicher sein vor den Coronaviren, weil sie von geimpften Bediensteten versorgt werden.

Biontech für italienische Luxusresort-Mitarbeiter?

Die Impfungen sollen im Hilton-Hotel am Münchner Flughafen stattgefunden haben, wo die italienischen Hotel-Beschäftigten eigenen Angaben zufolge den Biontech-Impfstoff bekommen haben – um kurz danach wieder in die Heimat zurückzufliegen. Wenige Tage vorher war die Impfpriorisierung in den bayerischen Arztpraxen aufgehoben worden.

Geplant war wohl zunächst nur die Erstimpfung, sagte ein Manager des Luxushotels im Interview mit dem italienischen Sender Rai 3. Eine "schützende Blase" für die Urlauber schaffen, nannte das der Manager. Die Reisegruppe hatte dem Bericht zufolge an jenem 21. Mai, einem Freitag, einen genauen Zeitplan für den Trip: neun Uhr Abflug in Cagliari auf Sardinien, elf Uhr Ankunft in München, danach zum Impfen im Hotel am Münchner Flughafen. Vor dem Rückflug gab es noch bayerisches Bier, dann ging es zurück in die Heimat.

Italienische Medien berichten über die Impfungen

Auch weitere italienische Medien berichten über die Impfungen in Deutschland. So schrieb etwa vor rund zwei Wochen das Nachrichtenmagazin "Panorama": "Am vergangenen Freitag wurden alle Mitarbeiter dank eines Pilotprojekts geimpft, das es aufgrund der Organisation von Sonderflügen ermöglichte, das Team nach München in Bayern zu bringen, wo der Impfstoff von Biontech/Pfizer verabreicht wurde."

"Il Giornale D'Italia" zitiert außerdem eine Pressemeldung zum Thema: "Die Partnerschaft, heißt es in einer Pressenotiz, wurde dadurch ermöglicht, Zugang zu einem speziellen medizinischen Dienst im Ausland zu erhalten, der in keiner Weise die Menge der vorgesehenen und verwendeten Impfstoffe bei der groß angelegten Kampagne beeinflusst, zu der sich alle Mitgliedstaaten der Europäischen Union verpflichtet haben." Genauere Angaben zu diesem Dienst gibt es jedoch bisher nicht.

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Kassenärztliche Vereinigung prüft den Vorgang

Laut einem Bericht der "Süddeutsche Zeitung" ist bisher nicht geklärt, woher die Impfdosen für die Mitarbeiter des sardischen Resorts kamen. Auch unklar ist demnach, wer das Ganze organisiert hat. Das Hotel Hilton will sich laut dem Bericht zu den Details der Buchungen nicht äußern, sagt aber, "dass uns keine zukünftigen Buchungen dieser Art in unseren Managed Hilton Hotels in München oder anderen Destinationen in Deutschland bekannt sind".

Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) teilt mit, dass der Vorgang inzwischen an die Stelle zur Bekämpfung von Fehlverhalten im Gesundheitswesen der KVB weitergeleitet wurde. Diese prüft, ob ein mögliches Fehlverhalten vorliegt und informiert die Staatsanwaltschaft bei Unregelmäßigkeiten.

Impfung in Deutschland nur mit deutscher Krankenversicherung

Das bayerische Gesundheitsministerium hat ebenfalls eine klare Meinung zum Vorgang in München, wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet: Nur wer eine deutsche Krankenversicherung hat oder dauerhaft in Deutschland wohnt, habe Anspruch auf eine Covid-Impfung in Deutschland.

Die FDP-Fraktion im bayerischen Landtag ist empört über die Impfreise der Resort-Mitarbeitenden: "Das muss unbedingt aufgeklärt werden. Es kann nicht sein, dass Deutschland zum Impf-Basar für ausländische Reisegruppen wird, während große Teile unserer Bevölkerung noch auf ihren Impfstoff warten", sagte FDP-Fraktionschef Martin Hagen der "Süddeutschen Zeitung".

"Forte Village" auf Sardinien: Beliebtes Fußballmannschafts-Domizil

Im "Forte Village" auf Sardinien, das sich selbst als "bestes Resort der Welt" bezeichnet, hatte sich Ende Mai übrigens die italienische Mannschaft auf die Fußball-Europameisterschaft vorbereitet. Und 2006 war das deutsche Team dort zu Gast, vor der Weltmeisterschaft im eigenen Lande.

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