Tiefsee-Forschung

Forscher tauchen 10.000 Meter tief – und finden Müll

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Tobias Eßer
Videografik: So gefährlich ist Mikroplastik

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Mikroplastik findet sich in vielen Alltagsprodukten von Duschgel bis Farbe. Mittlerweile ist es fast überall auf der Erde zu finden, bis hin zu den Polen und der Tiefsee. Die Auswirkungen auf die Gesundheit sind noch weitgehend unklar.

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Ein Forscher und ein Entdecker fahren in die Tiefen des Meeres. Statt gruseligen Wesen finden sie menschliche Hinterlassenschaften.

Manila. Ihre Expedition in das Emdentief hatten sich der philippinische Forscher Deo Florence Onda und der amerikanische Entdecker Victor Vescovo wohl anders vorgestellt. Als sie auf dem Grund der Tiefsee ankamen, fanden sie dort statt bizarrer Wesen vor allem menschlichen Müll.

Onda und Vescovo sind die ersten Menschen auf dem Grund des Emdentiefs. Benannt ist es nach dem deutschen Kreuzer Emden, der die Tiefe von etwa 10.400 Metern unter dem Meeresspiegel im Jahr 1926 ermittelte.

Plastiktüten, Jeans und Teddybären: Der Müll in der Tiefe

Im März fuhren Onda und Vescovo in einem Spezial-U-Boot in die Tiefe hinab. 12 Stunden dauerte die Expedition - nach vier Stunden konnten beide das erste Mal den Meeresboden sehen. Vor dem Tauchgang hatte Onda hohe Erwartungen an die Expedition: "Als wir kurz davor waren, den Meeresboden zu erreichen, erwartete ich, gruselige, krabbelnde Wesen zu sehen, die in unsere Fenster hinblickten", sagte der Forscher "Channel News Asia".

Anstelle gruseliger Tiefseewesen fand das Duo aus Wissenschaftler und Entdecker allerdings Dinge, die sie von der Oberfläche kannten: "Es gab eine lustige Situation, als wir die Umgebung untersuchten. Etwas Weißes schwebte herum. Ich sagte 'Victor, das ist eine Qualle'. Aber als wir uns dem Ding näherten, war es nur Plastik", erklärte Onda.

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Der Müll sei das ungewöhnlichste an ihrem Tauchgang gewesen, erzählt der Forscher für mikrobielle Ozeanologie. "Da war viel Plastik, eine Hose, ein Shirt, ein Teddybär und viele Plastiktüten", erzählt Onda. Selbst er habe diese Müllmengen nicht erwartet, obwohl das sein Forschungsgebiet sei.

Der Müll am Meeresboden war in nahezu perfektem Zustand

Auch der Zustand des Mülls am Meeresboden sei überraschend gewesen, sagt Onda dem "Philippine Daily Inquirer": "Wegen der Tiefe und dem hohen Druck habe ich erwartet, Plastikfragmente zu sehen". Was sie dort unten gesehen hätte, habe allerdings ausgesehen, "als käme es gerade aus dem Supermarkt."

Ondas Partner, der amerikanische Entdecker Victor Vescovo, hat schon viele Tiefsee-Tauchgänge hinter sich. Er ist der erste Mensch, der sowohl den höchsten, als auch den tiefsten Punkt der Erde erreicht hat. Lesen Sie auch: Ein Müllsammler auf hoher See

Bei seinen Tauchgängen in die Tiefsee hat er schon viel Müll gesehen, wie er dem "Philippine Daily Inquirer" erzählt: "Die größte Verschmutzung habe ich auf dem Boden des Mittelmeers, im Calypsotief, gesehen. Aber im Emdentief ist es am zweitschlimmsten."

Ozeanologe: Tauchgang bringt Verantwortung mit sich

Bei Deo Florence Onda, dem Ozeanologen, hat der Tauchgang in die Tiefe einen bleibenden Eindruck hinterlassen: "Es wird meine Verantwortung, den Menschen zu erzählen, dass ihr Müll nicht dort bleibt, wo sie ihn wegwerfen. Er gelangt an andere Orte und sinkt ins Meer", sagt Onda "Channel News Asia".

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Und obwohl Onda durch die Expedition wenig neues gelernt hat, ist für den Philippino dennoch ein Traum in Erfüllung gegangen. "Als Ozeanologe und Professor sind die meisten Dinge, die ich lehre, von westlichen Wissenschaftlern erforscht worden. Das alles selbst zu sehen, war wie ein Märchen. Jede Seite in meinen Ozeanographie-Büchern wurde Realität."

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