Kriminalfall

Rätselhafter Mord an Polizeihelferin – Hund wird Zeuge

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Oliver Stöwing
Wetterjacke, Jeans, Gummistiefel im Wellington-Stil: Genau diese Kleidung trug Julia James bei ihrem Tod.

Wetterjacke, Jeans, Gummistiefel im Wellington-Stil: Genau diese Kleidung trug Julia James bei ihrem Tod.

Foto: KENT POLICE / Kent Police

Dieser Mord bestürzt Großbritannien: Ein Unbekannter erschlägt auf dem Land eine Polizeihelferin. Der Fall wird immer rätselhafter.

Maidstone. Julia James lebt in dem idyllischen Dörfchen Snowdown in der Grafschaft Kent. Als Helferin unterstützt die engagierte und überaus beliebte Frau die Beamten in Fällen häuslicher Gewalt. In ihrer Mittagspause vom Homeoffice am 27. April führt die 53-Jährige ihren Jack-Russell-Terrier Toby über die sattgrünen Wiesen. Eine Stunde, nachdem sie das Haus verlassen hat, ist sie tot.

Später am Tag finden Spaziergänger ihre Leiche. Sie weist schwere Kopfverletzungen auf. Neben der Toten harrt der verstörte Toby aus – ein Hund als einziger Zeuge. James hinterlässt einen Ehemann, zwei erwachsene Kinder, einen Enkel.

Ganz Großbritannien ist bestürzt, der Mordfall beherrscht seitdem täglich die Schlagzeilen. Am Dienstag stellten die Briten Kerzen vor ihre Türen. „Heute Abend gedenken wir der Gemeindepolizistin Julia James“, twitterte Premier Boris Johnson.

Frauenmorde bewegen Großbritannien

Erst im März wurde die 33 Jahre alte PR-Fachfrau Sarah Everard auf ihrem Nachhauseweg in London entführt und getötet. Ein ihr unbekannter Elitepolizist wurde festgenommen. Der Fall hatte zu einem landesweiten Aufschrei geführt. Als zu selbstverständlich werde hingenommen, dass Frauen im öffentlichen Raum nicht sicher seien.

Auf Demonstrationen kam es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Selbst Herzogin Kate legte Blumen für Everard nieder. Das Land sei „geschockt und entsetzt“ und „in Trauer vereint“, sagte Premier Johnson: „Keine Frau sollte auf unseren Straßen Angst haben müssen.“

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Nun also der Mord auf dem Land, der mit jedem Ermittlungstag nur noch rätselhafter wird. Die Polizei versucht, der beunruhigten Landbevölkerung durch verstärkte Präsenz ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln. Tom Richards, Polizeichef in Kent, sagt aber auch: „Wir bitten jeden, wachsam zu sein und seine Umgebung genau zu beobachten.“

500 Fahrzeuge haben die Ermittler bislang überprüft, sie klingelten an jedem Haus, suchten jeden Quadratzentimeter rund um den Tatort ab. Auch der Hund wurde nach DNA-Spuren untersucht. Ergebnis: null.

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„Ich weiß nicht, was das Motiv für den Angriff war, ich weiß nicht, ob es jemand war, den sie kannte, ich weiß nicht, ob es ein Fremder war. Die letzte Möglichkeit beunruhigt die Anwohner natürlich besonders. Es ist eine große Herausforderung“, erklärt Richards. Er bat nun die besten Ermittler des Landes um Unterstützung.

Zusammenhang mit Hunde-Entführungen?

Die Wege rund um den Tatort werden hauptsächlich von Hundebesitzern genutzt. Bewohner der Region wie der Rentner Bob Hales berichten in der „Times“: „Wir hatten in den letzten Wochen eine Häufung an versuchten Hundeentführungen hier, teils waren sie gewaltsam.“

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Ein Van mit dem Logo der Tierschutzorganisation RSPCA sei mehrfach durch die Gegend gefahren. Die Behörden warnen landesweit seit Monaten vor solchen Vans, mit denen sich die Gangster tarnen würden.

Doch würden Hundeentführer auch töten? Und warum ließen sie den Jack-Russell-Terrier zurück? Ist er entwischt? Wurden sie gestört? Die Ermittler prüfen derzeit jedenfalls einen Zusammenhang und setzen nun verstärkt auf Hinweise aus der Öffentlichkeit. Die fordert mit de Hashtag #justiceforjulia nun „Gerechtigkeit für Julia“.

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