Corona-Impfung

Corona: Impfstoff-Typ könnte Ursache für Thrombosen sein

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Johnson & Johnson verschiebt Auslieferung von Impfstoff in Europa

Johnson & Johnson verschiebt Auslieferung von Impfstoff in Europa

Wegen möglicher schwerer Nebenwirkungen verschiebt der US-Pharmakonzern Johnson & Johnson die Auslieferung seines Corona-Impfstoffs in Europa. Zuvor hatten die Behörden in den USA eine Aussetzung der Impfungen mit dem J&J-Vakzin empfohlen, nachdem vereinzelte Fälle von seltenen Blutgerinnseln gemeldet worden waren.

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Erst wurden Astrazeneca-Impfungen wegen seltener Thrombosen ausgesetzt. Nun trifft es auch Johnson & Johnson. Gibt es Gemeinsamkeiten?

Berlin. Nach der Impfdebatte um den Corona-Impfstoff von Astrazeneca rückt nun das Vakzin von Johnson & Johnson in den Fokus. Auch hier soll es sechs schwere Fälle von Thrombosen gegeben haben. In drei Fällen kam es zusätzlich zu einer Thrombozytopenie, also einem Mangel an Blutplättchen. Bei den betroffenen Personen handelt es sich um Frauen im Alter zwischen 18 und 48 Jahren. US-Behörden empfehlen eine Aussetzung der Impfungen. Seit der Zulassung Ende Februar wurden in den USA mehr als 6,8 Millionen Dosen des Impfstoffes eingesetzt.

Die Fälle erinnern an die Probleme mit dem Impfstoff des britisch-schwedischen Unternehmens Astrazeneca. Bei diesem Vakzin handelt es sich wie beim Impfstoff von Johnson & Johnson um einen Vektorviren-Impfstoff. Die seltenen schweren Nebenwirkungen nach der Impfung mit den Präparaten hängen deutschen Experten zufolge möglicherweise mit dem speziellen Typ dieser Impfstoffe zusammen.

Astrazeneca und Johnson & Johnson: Gleicher Impfstoff-Typ

„Die Tatsache, dass beide Impfstoffe auf dem gleichen Prinzip beruhen und die gleichen Probleme verursachen, spricht meines Erachtens eher dafür, dass der Vektor selbst die Ursache ist“, sagte Johannes Oldenburg vom Universitätsklinikum Bonn der Deutschen Presse-Agentur. Allerdings sei das zum gegenwärtigen Zeitpunkt spekulativ.

In beiden Präparaten wird ein an sich harmloses Adenovirus als sogenannter Vektor genutzt, um Erbinformationen des Coronavirus in den Körper zu schleusen. Es sei theoretisch auch denkbar, dass das Spike-Protein des Virus, das in allen verfügbaren Impfstoffen dem Immunsystem zur Bildung von Abwehrstoffen präsentiert wird, die Nebenwirkungen verursacht, erklärte Oldenburg. Ebenso sei es grundsätzlich möglich, dass die Nebenwirkungen unspezifisch im Rahmen der allgemeinen Immunantwort ausgelöst würden.

Forscher der Universitäten Frankfurt und Ulm scheinen nun genauer erklären zu können, welche Ursache die seltenen Nebenwirkungen haben: Nach Ansicht der Wissenschaftler liegt das Problem der Vektor-Impfstoffe wohl tatsächlich beim Transport der Spike-Proteine in die Zelle. Dabei würden Mutationen der Oberflächenproteine entstehen, die später an bestimmte Enzyme in den Blutgefäßen binden könnten. Mehr dazu: Thrombosen nach Corona-Impfung – Forscher entdecken Ursache

Einige Experten wie Andreas Greinacher von der Universitätsmedizin Greifswald (UMG) vermuten aber auch, dass die Betroffenen im Verlauf der durch die Impfung asugelösten Immunreaktion bestimmte Antikörper bilden. Diese aktivieren dann die Blutplättchen, was wiederum zu Blutgerinnseln führt.

Astrazeneca nur für Menschen ab 60 empfohlen

Der US-Pharmakonzern Johnson & Johnson hatte am Dienstag wegen Berichten über sogenannte Sinusvenenthrombosen nach der Impfung den Marktstart seines Präparats in Europa aufgeschoben - nur einen Tag nachdem mit der Auslieferung begonnen worden war.

Erst im März hatte Deutschland Impfungen mit dem Produkt des Herstellers Astrazeneca vorübergehend ausgesetzt. Auch andere europäische Länder stoppten die Impfungen zeitweise. Hintergrund war ebenfalls eine auffällige Häufung der speziellen Thrombosen in Verbindung mit einem Mangel an Blutplättchen nach Impfungen mit dem Präparat. Inzwischen wird der Einsatz von Astrazeneca hierzulande nur für Menschen ab 60 Jahren empfohlen. Ob auch das Vakzin von Johnson & Johnson künftig nur für über 60-Jährige zugelassen wird, ist noch nicht entschieden.

Sinusvenenthrombose: Blutgerinnsel im Gehirn

Bei einer Sinusvenenthrombose kommt es zu einem Verschluss bestimmter Venen im Gehirn durch Blutgerinnsel. Dies macht sich vor allem durch Kopfschmerzen bemerkbar, auch epileptische Anfälle, Lähmungen oder Sprachstörungen können auftreten. Ein Mangel an Blutplättchen wiederum führt zu einer erhöhten Blutungsneigung. Als Symptome treten punktförmige Einblutungen in die Haut oder Schleimhäute auf, gelegentlich auch starkes Nasenbluten.

Bis zum 10. Mai wurden dem Paul-Ehrlich-Institut 67 Fälle Thrombose mit Thrombozytopenie gemeldet. Zehn Frauen und vier Männer starben. Mit Ausnahme von 23 Fällen betrafen fast alle Meldungen Frauen im Alter zwischen 20 und 69 Jahren. Die Männer waren 20 bis 69 Jahre alt. (dpa/bef/bml)

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