Schwangerschaft

Totgeburten: Wie gefährlich ist Corona für ungeborene Babys?

| Lesedauer: 5 Minuten
Britt-Marie Lakämper
Corona-Spätfolge: Kinder zeigen PIMS-Symptome

Corona-Spätfolge: Kinder zeigen PIMS-Symptome

Bislang nahm man an, Kinder wären vor Corona sicher. Nun stellt sich jedoch heraus, dass auffallend viele Kinder und Jugendliche seit April 2020 an PIMS leiden. Die Zusammenfassung. Erfahren Sie hier, was dazu bis jetzt bekannt ist.

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Bei zwei Totgeburten in Israel wurde eine Corona-Infektion der Babys nachgewiesen. Es besteht der Verdacht, dass diese zum Tod führte.

Berlin/Tel Aviv. 
  • In Israel sorgen zwei Fälle für Aufsehen, bei denen corona-infizierte Föten tot geboren wurden
  • Die Mütter steckten die ungeborenen Kinder wohl über die Plazenta mit dem Coronavirus an
  • Inwiefern ein Zusammenhang zwischen der Corona-Infektion und der Totgeburt besteht, ist noch unklar
  • Immer mehr schwangere Frauen in Israel müssen aber bei einer Corona-Infektion im Krankenhaus behandelt werden

Seit mehr als einem Jahr beschäftigt die Corona-Pandemie die Welt und Wissenschaft. Doch noch immer sind die Folgen einer Corona-Infektion bei schwangeren Frauen nicht hinlänglich untersucht. Zwei dramatische Fälle aus Israel zeigen nun, dass eine Covid-19-Erkrankung den Fötus erheblich beeinträchtigen, womöglich sogar zur Totgeburt führen kann.

Totgeburten nach Corona-Infektion: Kind war schon im Mutterleib infiziert

Eine 26-jährige Frau, die in der in der 36. Woche schwanger war, spürte plötzlich keine Bewegungen ihres Kindes mehr. Zuvor hatte die nicht geimpfte Frau milde Covid-19-Symptome verspürt, wie die „Jerusalem Post“ unter Berufung auf das behandelnde Krankenhaus, das Meir Medical Center, berichtet.

Bisher könne noch keine Aussage darüber gemacht werden, ob die Infektion zur folgenden Totgeburt des Babys führte. Ein nachträglicher Corona-Test zeigte aber, dass er infiziert war.

Schon vor zwei Wochen berichteten israelische Medien von einem ähnlichen Fall: Eine 29-Jährige verlor ihr Kind in der 25. Schwangerschaftswoche. Auch bei diesem Baby konnte eine Corona-Infektion nachgewiesen werden. In diesem Fall gehen die Ärzte mittlerweile fest davon aus, dass ein Zusammenhang zwischen der Infektion und der Totgeburt besteht.

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Corona-Risiko bei Schwangeren: Fötus kann sich durch Plazenta infizieren

„Der Fötus wurde durch die Plazenta infiziert und wir können heute mit hoher Wahrscheinlichkeit sagen, dass dies zum Tod führte“, erklärte Dr. Tal Brosh, der die Abteilung für Infektionskrankheiten in dem Krankenhaus leitet, in dem sich der Fall ereignete.

Dr. Yossi Tobin, der Direkter der zum Krankenhaus gehörenden Schwangerschafts-Station, bekräftigte Broshs Aussage und erklärte, dass die Corona-Infektion wohl zum Tod des Fötus führte, weil dieser in der Gebärmutter infiziert wurde und nicht erst durch Kontakt mit der Mutter nach der Geburt. Mehr dazu: Coronavirus für Schwangere und Ungeborene wohl doch gefährlicher

Corona in Israel: Immer mehr werdende Mütter im Krankenhaus

Die zwei Fälle machen eines klar: Eine Corona-Infektion während der Schwangerschaft kann fatale Folgen für den Fötus haben. Die Übertragung über die Plazenta sei allerdings sehr selten und passiere nur in ein bis drei Prozent der Fälle, so der Geburtshelfer und Gynäkologe Arnon Wiznitzer gegenüber der „Jerusalem Post“.

Wie diese Zeitung und die „Times of Israel“ berichten, häufen sich in Israel aber die Fälle, in denen schwangere Frauen wegen einer Corona-Erkrankung stationär im Krankenhaus behandelt werden müssen. Auch fünf Neugeborene werden wegen Corona-Infektionen in israelischen Krankenhäusern behandelt.

Corona in der Schwangerschaft: Israel rät zur Impfung

Das Gesundheitsministerium des Landes hat deshalb Konsequenzen gezogen. Auch wenn die Corona-Impfstoffe noch nicht ausreichend an Schwangeren getestet und daher nicht für sie empfohlen sind, rät das Ministerium nun allen Schwangeren zur Immunisierung.

Diese Empfehlung werde auch gegeben, da in Israel immer mehr werdende Mütter schwer am Coronavirus erkranken und deshalb ihre Kinder zu früh gebären oder einen Kaiserschnitt vornehmen lassen müssen, hieß es in einer Mitteilung. Unklar ist, inwiefern die britische Virus-Mutation diese Entwicklung beeinflusst hat.

Impfstoff-Forschung: Biontech testet Vakzin an Schwangeren

Die Hersteller Biontech und Pfizer haben erst vor wenigen Tagen mit einer großen Studie zum Einsatz ihres Corona-Impfstoffs bei Schwangeren begonnen. Damit solle die Sicherheit, Verträglichkeit und Wirksamkeit des Impfstoffs für werdende Mütter geklärt werden, teilten die beiden Unternehmen am Donnerstag mit. Der Impfstoff wird nun im Rahmen einer klinischen Studie der Phase 2/3 bei rund 4000 gesunden schwangeren Frauen ab 18 Jahren erprobt werden.

Inwiefern die Corona-Totgeburten in Israel bisherige Erkenntnisse zum Corona-Risiko von Schwangeren umstoßen, ist noch nicht geklärt. Erst kürzlich ergab eine Studie des Imperial College London, dass eine Corona-Infektion bei werdenden Müttern nicht die Gefahr für einen Tod des Babys im Mutterleib oder nach der Geburt erhöht. Die Ergebnisse sind im Fachmagazin „Ultrasound in Obstetrics and Gynecology“ veröffentlicht worden.

Studie aus Großbritannien: Mehr Frühgeburten bei Corona-Infektion

Bei der Analyse von Daten 4000 schwangerer Frauen aus Großbritannien und den USA, die entweder nachweislich mit dem Coronavirus infiziert waren oder bei denen eine Infektion vermutet wurde, wurden allerdings überdurchschnittlich viele Frühgeburten registriert. Demnach brachten 12 Prozent der Frauen in Großbritannien ihr Kind vor der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt. Der landesweite Durchschnitt liegt bei 7,5 Prozent.

Ähnlich sah es in den USA aus. Zumindest zum Teil könne sich der Anstieg damit erklären lassen, dass sich Ärzte aus Sorge um die Gesundheit von Mutter und Baby verstärkt für einen vorzeitigen Kaiserschnitt entschieden, erläutern die Forscher. Die Zahl der spontanen Frühgeburten sei niedriger gewesen als erwartet.

(mit dpa)

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