Corona

Draußen Masken tragen: Wie sinnvoll ist das wirklich?

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Party wie vor der Pandemie: Leipziger Club "Distillery" öffnet testweise

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Eine Partynacht fast wie vor Corona-Zeiten: In Leipzig können im Club Distillery 200 Besucher ohne Masken und Abstand feiern - allerdings nur nach einem doppelten Test im Rahmen eines wissenschaftlich begleiteten Modellprojekts.

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Weil die Coronazahlen sinken, werden Rufe nach einer generellen Aufhebung der Maskenpflicht im Freien laut. Gute Idee oder Leichtsinn?

Berlin. 
  • In Deutschland gilt noch immer vielerorts die Pflicht zum Tragen medizinischer Masken
  • Viele fragen sich angesichts niedriger Coronazahlen, ob der Mund-Nasen-Schutz im Freien überhaupt noch einen Sinn hat
  • Ist die Maske unter freiem Himmel jetzt trotzdem noch wichtig? Wir beantworten die wichtigsten Fragen

Der Mund-Nasen-Schutz gilt als eines der wichtigsten Mittel im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie. In Deutschland herrscht vielerorts eine Maskenpflicht. Während manche Menschen ihre Masken auch dort tragen, wo es nicht verpflichtend ist, wünschen sich andere ein Ende der Bedeckung herbei. Die Infektionszahlen sinken in ganz Deutschland - muss jetzt wirklich draußen noch Maske getragen werden?

Mittlerweile haben mehrere Bundesländer die Aufhebung der Maskenpflicht im Freien beschlossen oder die Pflicht deutlich gelockert. Auch an Schulen darf nun mancherorts auf den Mund-Nasen-Schutz verzichtet werden. Die Expertinnen und Experten mahnen zwar vor Leichtsinn, haben zur Maske unter freiem Himmel aber meist eine klare Meinung.

Corona: Die Ansteckungsgefahr im Freien ist gering

Schon lange ist sich die Wissenschaften einig: In Innenräumen ist die Gefahr einer Corona-Infektion wesentlich höher als an der frischen Luft. Nach Ansicht des Bonner Infektiologen Peter Walger könnte die Pflicht nun im Freien überall entfallen. Die Maske sei dennoch eine der effektivsten Maßnahmen zum Schutz vor Infektionen, sagte der Experte von der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene am Dienstag im ZDF-"Morgenmagazin". Deshalb sei die Diskussionen in Bezug auf Innenräume eine andere.

Auch die Braunschweiger Helmholtz-Virologin Melanie Brinkmann kann sich aus medizinischer Sicht Lockerungen im Freien vorstellen. "Da die Verbreitung der Erreger über Aerosole draußen kaum ein Thema ist, könnten wir im Freien gut auf Masken verzichten", sagte sie der "Braunschweiger Zeitung" (Dienstag).

Wann sollte man auch draußen eine Maske tragen?

Trotzdem gibt es auch unter freiem Himmel Orte, an denen der Mund-Nasen-Schutz weiter Sinn macht: Dies ist bei Menschenansammlungen der Fall, wo der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann. Beim Schlangestehen oder an Bushaltestellen sollte man trotzdem die Maske tragen, sagte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Gernot Marx, der Düsseldorfer "Rheinischen Post" (Dienstag).

Weshalb die Ansteckungsgefahr in Innenräumen größer ist

In Innenräumen besteht eine deutlich größere Gefahr, in eine sogenannte Aerosol-Wolke zu geraten. Diese bildet sich bei jedem Menschen durch das Ausatmen vor dem Mund und kann bei Infizierten Coronaviren enthalten. Reden Menschen miteinander, dann werden diese Aerosole dem Gesprächspartner quasi ins Gesicht gepustet.

Während sich in ungelüfteten Zimmern die Viren sammeln können, wird die ausgeatmete Luft im Freien aber schnell verdünnt und abtransportiert, wie die Gesellschaft für Aerosolforschung (GAeF) in Köln mitteilt. In ihrem Positionspapier gibt die GAeF deshalb ebenfalls Entwarnung: "Im Freien finden so gut wie keine Infektionen durch Aerosolpartikel statt."

Corona: Alte Masken können Ansteckungsgefahr erhöhen

Zu lange eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen, kann sogar kontraproduktiv sein, weil die feuchte Ausatemluft die Wirksamkeit der FFP2-Masken vermindert. Die GAeF warnt, mit der Zeit verliere das Material seine elektrische Ladung. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) schreibt: "Eine durchfeuchtete Maske sollte abgenommen und gewechselt werden."

Nach Angaben des Fraunhofer-Instituts für Techno- und Wirtschaftsmathematik in Kaiserslautern besteht zudem die Gefahr einer sogenannten Infektionsbrücke zwischen Träger und Umgebung: Bei feuchtem Material könnten auch bei FFP-Modellen etwa durch Husten oder Niesen Tröpfchen von der Außenfläche der Maske in die Umgebung geschleudert werden.

Grundsätzlich sind FFP2-Masken aus Sicht der Hersteller nicht zur Wiederverwendung vorgesehen. Experten der Fachhochschule Münster zufolge lassen sich aber auch durch Atemluft durchfeuchtete Masken bis zu fünf Mal aufbereiten - indem man sie etwa mindestens eine Woche lang an der Luft trocknet.

(dpa/amw/raer)

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