Corona-Pandemie

Corona-Mutationen in Tirol - Droht ein zweites Ischgl?

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Stefan Schocher
Trotz Corona zieht es viele Menschen nach Tirol. Droht ein zweites Ischgl?

Trotz Corona zieht es viele Menschen nach Tirol. Droht ein zweites Ischgl?

Foto: Hauke-Christian Dittrich / dpa

In Tirol sind die Skipisten offen. Dabei wurden viele Infektionen mit Corona-Mutationen entdeckt. Droht Österreich ein zweites Ischgl?

Tirol. 
  • Die hochansteckenden Corona-Mutationen breiten sich in Europa aus
  • Auch Österreich bleibt davon nicht verschont – trotzdem sind die Skipisten in Tirol geöffnet
  • Droht ein erneutes "Super-Spreader-Event" wie 2020 in Ischgl?

Was in Südafrika passiert, das bleibt allem Anschein nach nicht in Südafrika. Und weil es sich ebenso mit Tirol verhält, ist die Covid-Krise in Österreich um eine delikate Tirol-Facette reicher: Erst ein bemerkenswerter Ausbruch der südafrikanischen Covid-Mutation in Tirol, jetzt Berichte über zumindest einen Tiroler Sub-Zweig der südafrikanischen Mutation. In Wien ist man alarmiert.

Corona in Österreich: Entscheidungen am Sonntag?

Am Sonntag soll nun die Entscheidung fallen, wie weiter vorgegangen wird. Alle Optionen liegen dabei auf dem Tisch: Von einer sanften Öffnung aus dem Lockdown, wie er ab Montag für ganz Österreich vorgesehen ist (Öffnung der Schulen, des Handels und der körpernahen Dienstleistungen unter strengen Auflagen), über eine Verlängerung des Lockdowns in Tirol bis hin zur Abriegelung des Landes oder einzelner Täler.

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Bis Sonntag soll nun einmal getestet und sequenziert werden was geht, um die Datenlage zu verdichten. Zugleich wurden die Schutzmaßnahmen im Pflege- und Krankenhausbereich verschärft. Auch die Nachverfolgung von Infektionsketten wurde intensiviert. „Es braucht ein schnelles, breites, konsequentes Handeln“, so Gesundheitsminister Rudolf Anschober.

Corona-Mutante: Virologin spricht von "tiroler Subtyp"

Alarm geschlagen hatte die deutsche Medizinerin Dorothee von Laer, Virologin an der Meduni Innsbruck und Beraterin der Bundesregierung. Sie hatte im Zusammenhang mit einem großflächigen Ausbruch der südafrikanischen Variante des Corona-Virus auch von einem „tiroler Subtyp“ gesprochen. „Es ist offenbar ein Virustyp innerhalb der südafrikanischen Variante eingeschleppt worden – mit zusätzlichen Mutationen“, so von Laer. „Das kann reiner Zufall sein, dass dieses Virus diese Mutationen hat, aber es kann auch sein, dass das eine biologische Bedeutung hat.“ Untersuchungen dahingehend würden derzeit laufen. Von Laer warnt jedenfalls bereits vor einem „zweiten Ischgl“.

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Denn Mutation hin oder her, bereits die Verbreitung der südafrikanischen Mutation ist kritisch. Sie gilt als erwiesenermaßen schwerer behandelbar, vor allem dürften Impfungen gegen diese Variante weit weniger Wirkung haben, weil Antikörper schlechter an das Virus andocken können. Von Laer fordert daher eine Verlängerung des Lockdown in Tirol um bis zu ein Monat.

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Trotz Mutationsverbreitung: Keine verschärften Maßnahmen angedacht

Seitens des Landes stoßen solche Vorschläge auf wenig Verständnis. Das Land Tirol spricht von einer Lage, die unter Kontrolle sei. Eine Häufung der Südafrika-Fälle gebe es im Raum Schwaz. 75 Fälle waren da bestätigt. Am Freitag hieß es aber, dass nur mehr ein bekannter Fall mit dieser Variante aktiv sei. Die Landesregierung in Tirol spricht sich entsprechend gegen eine Verlängerung des Lockdown oder gar eine Abriegelung des Landes aus. Rückendeckung hat sie in der Sache durchaus auch von anderen Beratern der Regierung. Etwa dem tiroler Internisten Günter Weiss.



Von Laer hingegen sieht alles andere als einem lokalen Ausbruch. Die Virologin vertritt die Ansicht, dass die Mutation bereits in zahlreiche weitere Täler vorgedrungen sei und sich verbreitet habe. Um das zu verifizieren soll jetzt einmal die Sequenzierung beschleunigt werden. Bisher wurden die allermeisten Sequenzierungen in Wien durchgeführt, dadurch geht Zeit verloren. Jetzt soll die entsprechende Infrastruktur in Tirol rasch und massiv ausgebaut werden. Auch alte positive Tests seit Jahresbeginn sollen nach der Mutation untersucht werden.

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Unklar ist, wie die Mutation nach Tirol gekommen ist. Große Cluster mit der britischen Version lassen sich mit Lockdown-Umgehungen durch Hoteliers erklären. Für die südafrikanische Mutation gibt es bisher aber nur zwei Erklärungen: Dass die Einschleppung der Mutation eben auch durch den eher laschen Umgang mit den seit Dezember geltenden Beherbergungs-Beschränkungen zu tun hat. Die zweite Version: Ein Tiroler Hotelier-Ehepaar könnte sie von einem Golf-Urlaub in Südafrika eingeschleppt haben. Das Paar dementiert aber eisern.