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Murmeltiertag: Amerikanischer Brauch mit deutschen Wurzeln

| Lesedauer: 5 Minuten
Tobias Eßer
Das Murmeltier Phil am 2. Februar 2020 in Punxsutawney bei seiner Wettervorhersage.

Das Murmeltier Phil am 2. Februar 2020 in Punxsutawney bei seiner Wettervorhersage.

Foto: dpa

Am 2. Februar findet in Nordamerika der Murmeltiertag statt. Worum es geht und was Deutschland damit zu tun hat, zeigt die Übersicht.

Punxsutawney. Alljährlich findet am 2. Februar die vermutlich größte Party zu einer Wettervorhersage in der Kleinstadt Punxsutawney im US-Bundesstaat Pennsylvania statt. Normalerweise versammeln sich am sogenannten Murmeltiertag zehntausende Menschen in Punxsutawney, um zu erleben, wie das Murmeltier Phil aus seinem Bau gehoben wird und das Wetter für die kommenden Wochen vorhersagt.

Wegen der Corona-Pandemie findet der Murmeltiertag in diesem Jahr erstmals in seiner über 130-jährigen Geschichte digital statt. In unserer Übersicht lesen Sie, woher der Brauch kommt und was deutsche Einwanderer damit zu tun haben.

Was passiert am Murmeltiertag?

Am 2. Februar versammelt sich die "Grundsow Lodge" (Deutsch: Loge des Murmeltiers), ein Männerbund, in Gobbler’s Knob in Punxsutawney, Pennsylvania. Dort hat das Murmeltier Punxsutawney Phil seinen (künstlichen) Bau, in dem es Winterschlaf hält. Es spielt eine wichtige Rolle - denn es muss das Wetter für die nächsten Wochen verhersagen.

Die Männer der Murmeltierloge versammeln sich um den Bau und wecken Phil mit drei leichten Stockschlägen auf die Tür seines Baus. Anschließend wird das Tier herausgeholt und auf den Bau gesetzt.

Ist es am Murmeltiertag sonnig, sieht Phil seinen Schatten. Für die Anhänger des Murmeltiers heißt das, dass der Winter noch weitere sechs Wochen dauert. Sieht Phil seinen Schatten nicht, soll der Frühling nicht mehr in weiter Ferne sein - zumindest, wenn man der Vorhersage des Murmeltiers glaubt.

Woher kommt der Brauch?

Der Murmeltiertag fällt immer auf den 2. Februar. Im Kirchenjahr fällt der Tag mit dem Fest der Darstellung des Herrn zusammen, das im Volksmund Mariä Lichtmess genannt wird. Im Bauernjahr ist der Tag außerdem ein sogenannter Lostag - also ein Tag, der nach altem Volksglauben das Wetter für die kommenden Wochen bestimmt. Deshalb gibt es viele Bauernregeln, die sich auf den 2. Februar beziehen.

In Deutschland beziehen sich viele dieser Regeln entweder auf den Dachs oder auf den Bären als Indikator für das kommende Wetter. Unter anderem gibt es eine Bauernregel aus Westfalen aus dem Jahr 1859, in der es heißt: "Wenn der Dachs zu Maria Lichtmeßen, mittags zwischen 11 und 12 Uhr, seinen Schatten sieht, so muss er noch vier Wochen in seinem Baue bleiben."

Ab dem 17. Jahrhundert emigrierten viele Deutsche nach Nordamerika - und nahmen ihr Brauchtum mit in die neue Welt. Da es aber in Pennsylvania keine Dachse gibt, musste ein anderes Tier zur Wetterbestimmung herhalten: Das Waldmurmeltier.

Seit wann gibt es den Murmeltiertag in Pennsylvania?

Den frühesten Beleg für den Murmeltiertag liefert das Tagebuch von James L. Morris aus Morgantown, der am 4. Februar 1841 den Brauch seiner deutschstämmigen Nachbarn kommentierte:

"Letzten Dienstag, den 2. Februar, war Lichtmess, der Tag, an dem den Deutschen zufolge das Waldmurmeltier kurz aus seinem Winterquartier hervorlugt. Wenn es seinen Schatten sieht, verschwindet es für die nächsten sechs Wochen wieder in seiner Höhle, um zu schlafen, doch ist der Tag bewölkt, bleibt es draußen, da das Wetter gemäßigt sein wird."

Zuerst wird der 2. Februar im oben erwähnten Punxsutawney als Murmeltiertag bezeichnet - und zwar von der dortigen Zeitung "Spirit" im Jahr 1886. Deren Redakteur Clymer H. Freas erfand das Konzept der öffentlichen Wettervorhersage durch das Murmeltier und berichtete alljährlich in der Zeitung darüber.

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Warum ist der Murmeltiertag so bekannt?

Die Berühmtheit des Murmeltiertages kommt vom Film "Und täglich grüßt das Murmeltier" aus dem Jahr 1993 mit Bill Murray in der Hauptrolle, in dem der Protagonist in einer Zeitschleife gefangen ist und immer wieder den Murmeltiertag in Punxsutawney erlebt.

Wie findet der Murmeltiertag in diesem Jahr statt?

Wegen der Pandemie findet der Murmeltiertag in diesem Jahr hinter verschlossenen Türen statt - er wird allerdings live auf der Website des Punxsutawney Groundhog Club übertragen. Phil wird (wie alle Menschen im Raum) eine Maske tragen, die Mitglieder des Clubs wollen den vorgeschriebenen Abstand einhalten.

Wie sicher ist das Murmeltier in seinen Vorhersagen?

Nicht sehr sicher. Den Unterlagen des Groundhog Club zufolge lag Phil in der seit 1887 andauernden Geschichte des Groundhog Day in lediglich 39 Prozent der Fälle mit seiner Vorhersage richtig. Seit 1969 vergleicht der Wettersender "Weather Underground" Phils Vorhersagen mit den Wetterdaten in den folgenden Wochen ab - und kommt auf eine Genauigkeit von 36 Prozent, in denen das Murmeltier richtig lag.

Das Murmeltier ist also kein Garant für sichere Wettervorhersagen. Tim Roche, Meteorologe für "Weather Underground", gibt in Sachen Murmeltiervorhersagen gegenüber "livescience.com" zu bedenken: "Phil ist mit seinen Vorhersagen deutlich schlechter als ein Meteorologe. Selbst wenn Sie eine Münze werfen, liegen Sie damit in nahezu 50 Prozent der Fälle richtig. Also würde ich Ihnen das eher empfehlen, als auf die Vorhersage eines Murmeltiers zu vertrauen."

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