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Tiktok in der Kritik: Zehnjährige nach Internet-Mutprobe tot

| Lesedauer: 4 Minuten
Nach dem Tod einer Zehnjährigen bei einer sogenannten "Blackout Challenge" auf Tiktok hat Italien den Zugang zu Tiktok für Nutzer ohne nachweisebare Altersprüfung gesperrt.

Nach dem Tod einer Zehnjährigen bei einer sogenannten "Blackout Challenge" auf Tiktok hat Italien den Zugang zu Tiktok für Nutzer ohne nachweisebare Altersprüfung gesperrt.

Foto: dpa

In Palermo hat sich ein Mädchen für eine Tiktok-Challenge zu Tode stranguliert. Kritiker der App fordern strengere Alterskontrollen.

Rom/Berlin. Wie jung dürfen Tiktok-Nutzer sein? Diese Frage wird nach dem Tod einer Zehnjährigen in Italien heftig diskutiert. Das Mädchen starb offenbar bei einer Internet-Mutprobe, die in der App kursiert – seitdem wächst die Kritik gegen Tiktoks Umgang mit zu jungen Nutzern. Italiens Datenschutz-Aufsicht forderte das Unternehmen am Freitagabend auf, alle Konten sofort zu sperren, bei denen das Alter der Nutzer nicht sicher festgestellt wurde.

Tiktok erklärte, das Schreiben zu prüfen. „Privatsphäre und Sicherheit haben für Tiktok oberste Priorität“, zitierte die Nachrichtenagentur Ansa am Samstag eine Stellungnahme. Man arbeite am Schutz der Nutzer und achte dabei besonders auf die jüngeren.

Tiktok-Challenge: Zehnjährige strangulierte sich bis zur Bewusstlosigkeit

Die zehnjährige Antonella hatte sich diese Woche in der sizilianischen Hauptstadt Palermo zu Hause mit einem Gürtel bewusstlos gewürgt, wie Medien berichteten. Sie sei von ihrer fünfjährigen Schwester im Badezimmer gefunden worden. Im Krankenhaus stellten die Ärzte den Hirntod fest. Justiz und Jugendschutz nahmen Ermittlungen auf.

Das Mädchen wollte offenbar an einer sogenannten „Blackout Challenge“ oder „Hanging Challenge“ im Netzwerk der Video-App teilnehmen. Bei diesen fragwürdigen Spielen strangulieren sich die Teilnehmer selbst so lange wie möglich, filmen sich dabei und laden die Videos anschließend mit dem Smartphone auf Tiktok hoch.

Die Eltern sagten der Zeitung „La Repubblica“, eine weitere Schwester der Zehnjährigen habe ihnen erklärt, dass Antonella das „Erstickungsspiel“ gespielt habe. „Wir hatten davon keine Ahnung“, sagte der Vater. Er sei davon ausgegangen, dass sich das Mädchen mit der App Tanz-Choreographien und andere harmlose Videos anschaue. „Meine Tochter, meine kleine Antonella stirbt wegen eines extremen Spiels auf Tiktok: Wie kann ich damit fertig werden?“, klagte er.

Alterskontrolle könnte bei Tiktok zum Problem werden

Die App soll eigentlich erst ab 13 Jahren genutzt werden. Ähnlich wie andere Netzwerke könnte Tiktok die Kontrolle des Alters aller Nutzer aktuell allerdings kaum leisten. Deshalb lasse sich die Anordnung der Datenschutz-Aufsicht als Komplett-Blockade interpretieren, wie es in der Zeitung „La Repubblica“ unter Berufung auf die Behörde hieß.

Besonders im Corona-Teil-Lockdown boomt in Italien die Nutzung der sozialen Netzwerke. Der Jugend-Psychiater Stefano Vicari aus Rom betonte, dass es gute Gründe gebe, dass Kinder unter zwölf Handys nicht alleine nutzen sollten. Netzwerke alleine seien nicht an Aggressionen gegen den eigenen Körper Schuld.

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Tiktok: Besonders bei Jugendlichen beliebt

Die weltweit erfolgreiche Plattform Tiktok kommt aus China. Ihre Zielgruppe ist besonders ein junges Publikum: Besonders Teenager nutzen die App, mit der kurze Handyvideos selbst produziert und geteilt werden können. Mehrere europäische Datenschutzbehörden beobachten die App mit Skepsis.

Dass Internet-Mutproben ein wachsendes Problem sind, zeigte bereits der Jahresbericht 2019 von jugendschutz.net, dem gemeinsamen Kompetenzzentrum von Bund und Ländern zum Schutz von Kindern und Jugendlichen im Internet. Genannt werden darin etwa die „Fire-Challenge“ und die „Maiskolben-Challenge“: Bei ersterer reiben sich die Teilnehmer brennbare Flüssigkeit auf die Haut und zünden sich selbst an. Letztere sieht vor, einen auf einer Bohrmaschine rotierenden Maiskolben zu essen.

In dem Bericht wird auch die „Momo Challenge“ thematisiert, bei der eine animierte Figur zu Aufgaben auffordert, die von harmlosen Gruselmutproben über Selbstverletzung bis hin zu Suizid reichen sollen.

(raer/dpa)

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