Prostitutionsgewerbe

Corona-Krise: Kölner Bordell „Pascha“ schließt endgültig

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Sexarbeit: Lebensgrundlage entzogen

Sexarbeit: Lebensgrundlage entzogen

Sexarbeiter*innen können momentan nicht arbeiten und damit ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten.

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Das oft als größte Laufhaus Europas bezeichnete „Pascha“ ist pleite – wegen Corona. Das Insolvenzverfahren wurde offiziell eröffnet.

Köln/Berlin. Die Corona-Pandemie ist auch am Prostitutionsgewerbe nicht spurlos vorbei gegangen: Das berühmte Kölner Bordell „Pascha“ im auffälligen blauen Hochhaus wird auch nach Ende des Lockdowns seine Türen nicht wieder öffnen können.

Das Amtsgericht Köln hat das Insolvenzverfahren gegen die Betreiberfirma „Lobscheid Ltd“ eröffnet, wie die „Kölnische Rundschau“ berichtet. „Corona hat das ‚Pascha‘ geschafft“, sagte Betreiber Armin Lobscheid gegenüber der Zeitung. Man könne das Bordell nicht wirtschaftlich betreiben, „wenn keine Bewegung in der Welt stattfindet.“ Ob er die Einrichtung mit einer neuen Firma weiterbetreibe, sei unklar.

Bordell „Pascha“ meldete im September Insolvenz an

Das oft als größte Bordell Europas bezeichnete Etablissement hatte bereits im September Insolvenz angemeldet. Lobscheid hatte schon vor dem zweiten Lockdown betont, dass die laufenden Kosten für das zehnstöckige Gebäude zu hoch seien und kritisiert, dass die Branche von der Politik hingehalten werde.

Der Betreiber habe sich eine deutlichere Ansage gewünscht: „Wir hätten die Insolvenz mithilfe der Banken vielleicht abwenden können, wenn man uns zugesagt hätte, dass es Anfang nächsten Jahres wieder losgehen kann.“ Im Rotlichtmilieu wisse man, dass Sexarbeit vielerorts auch während der Corona-Pandemie weitergegangen sei – allerdings „in der Anonymität und vorbei am Finanzamt“.

Die Sexarbeitsbranche ist durch die Corona-Pandemie und die damit einhergehenden Beschränkungen besonders hart getroffen. Seit Mitte März kämpfen Prostituierte mit den Auflagen. Seit November müssen bundesweit die Bordelle wegen potentieller Infektionsgefahr geschlossen bleiben. In einigen Bundesländern haben sie sogar bereits seit dem Frühjahr durchgehend geschlossen. Lesen Sie dazu: Corona-Krise: Steuermillionen für Prostitutionsgewerbe

Berufsverband macht auf prekäre Situation von Prostituierten aufmerksam

Der Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen e.V. betont, dass viele Prostituierte derzeit von finanzieller Not und Wohnungslosigkeit bedroht seien. Zudem führe das Arbeitsverbot dazu, dass in der Illegalität weiter praktiziert werde und notgedrungen auch weniger vertrauenswürdige oder aggressive Kunden akzeptiert würden. Wegen geringer Nachfrage seien die Preise stark gesunken. (raer/mit dpa)