Missbrauch

Vertrauter von Epstein: Ex-Model-Agent Brunel in Haft

| Lesedauer: 4 Minuten
Oliver Stöwing
Missbrauchsvorwürfe: Das hat Prinz Andrew mit dem Fall Epstein zu tun

Missbrauchsvorwürfe- Das hat Prinz Andrew mit dem Fall Epstein zu tun

Prinz Andrew soll eine 17-Jährige missbraucht haben. Vermittelt hatte den Kontakt sein Freund, Millionär und Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Der Royal bestreitet die Vorwürfe.

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Jean-Luc Brunel entdeckte Models wie Christy Turlington – jetzt sitzt er wegen Sexualverbrechen. Auch Prinz Andrew dürfte zittern.

Paris. Womöglich wurde er gewarnt. Vergangene Woche jedenfalls hatte Jean-Luc Brunel am coronabedingt verwaisten Pariser Flughafen Charles de Gaulle ein ungewöhnliches Reiseziel: Der 74-Jährige wollte in einen Flieger nach Dakar einchecken, die Hauptstadt des Senegal.

Doch die Polizisten waren schneller: Sie nahmen den einstigen Model-Agenten in Gewahrsam. „Ich fliege doch nur in die Ferien“, soll er den Beamten noch erklärt haben. Aus den „Ferien“ in Afrika wurde nichts: Dem Franzosen werden „Vergewaltigungen von Minderjährigen über 15 Jahren“ sowie „sexuelle Belästigung“ vorgeworfen, teilte am Samstag Staatsanwalt Rémy Heitz in Paris mit. Brunel kam in Untersuchungshaft.

Es ist ein tiefer Fall für den früheren Partylöwen. 1978 wurde er Chef der renommierten Agentur Karin Models. Er baute Sharon Stone, Milla Jovovich, Jerry Hall, Angie Everhart und Christy Turlington zu Stars auf. 1999 wurde er nach Missbrauchsanschuldigungen verbannt, gründete aber in den USA eine neue Modelagentur namens MC2 – mit dem Geld eines guten Kumpels, des Investmentbankers Jeffrey Epstein. Mehr zum Thema:Jeffrey Epsteins Opfer erhalten zweite Chance vor Gericht

Brunels Freund Epstein besaß auch ein Penthouse in Paris

Der US-Multimillionär ist die zentrale Figur eines verzweigten Missbrauchskandals. Im August 2019 erhängte er sich in seiner New Yorker Gefängniszelle. Epstein besaß ein 800-Quadratmeter-Penthouse in einem Belle-Époque-Gebäude in der teuersten Straße von Paris, der Avenue Foch am Triumphbogen.

Die Wohnung wurde bereits 2019 von französischen Ermittlern durchsucht – zeitgleich mit Brunels Modelagentur im exklusiven 8. Arrondissement.

Die Staatsanwaltschaft verdächtigt Brunel jetzt auch, „den Transport und die Unterkunft von jungen Frauen für Jeffrey Epstein organisiert zu haben“. Sprich: Brunel soll Nachwuchsmodels aus seiner Agentur direkt in das Penthouse des Amerikaners geschleust haben. Lesen Sie hier:Jeffrey Epstein: FBI untersucht Tod des US-Milliardärs

Dort befand sich laut Aussage ­seines Butlers ein „Massageraum“, in dem eine Vielzahl junger Frauen ein- und ausgegangen sein soll. ­Brunel bestritt schon 2019 sämt­liche Vorwürfe und blieb auf freiem Fuß.

2021 wird es eng für Prinz Andrew

Die französischen Ermittler bestätigten nun den britischen Zeitungen „The Times“ und „Daily Mail“, dass sie auch einen Mann befragen wollen, der in Sachen Missbauchskandale inzwischen schon als „üblicher Verdächtiger“ gilt: Prinz Andrew. Auch der Queen-Sohn war eng mit Epstein befreundet und soll auch Gast in dessen Pariser Wohnsitz gewesen sein.

Die heute 37-jährige Virgina ­Giuffre behauptet seit Jahren, als Minderjährige von Epstein zur Prostitution gezwungen worden zu sein. Prinz Andrew habe damals ihre Situation zu seiner sexuellen Befriedigung ausgenutzt. Andrew bestreitet die Anschuldigung.

Auch mehrere mutmaßliche Opfer Brunels gaben an, Prinz Andrew gekannt zu haben, so eine Quelle aus Pariser Ermittlungskreisen zu den britischen Zeitungen. „Er könnte daher als Zeuge vor Gericht geladen werden.“

2021 droht, für Andrew ein denkbar unangenehmes Jahr zu werden: Neben dem erwarteten Prozess gegen Model-Agent Brunel beginnt im Juli in New York auch der Prozess gegen seine Landsfrau Ghis­laine Maxwell. Auch interessant:Missbrauchsskandal: Stürzt Prinz Andrew über Netflix-Serie?

Die ehemalige Society-Lady soll für Epstein als „Zuhälterin“ fungiert und sich auch selbst an Missbräuchen beteiligt haben. Man geht davon aus, dass sie vor Gericht über Prinz Andrews Rolle in dem Prostitutionsring auspackt, um ihre eigene Strafe abzumildern.

Model beschuldigt Brunel

Vom „besten Weihachten aller Zeiten“ spricht dagegen das ehemalige Model Thysia Huisman. „Ich weine Tränen der Freude“, erklärte sie, als ein Reporter ihr von der Festnahme Brunels berichtete. Mit 18 kam sie 1991 aus den Niederlanden nach Paris.

Brunel ließ sie in seiner Wohnung in Agenturnähe wohnen – wie so viele hoffnungsvolle Model-Anwärterinnen aus aller Welt. Er habe die jungen Frauen in den Promi-Nachtclub Les Bains ausgeführt und als Begleitung für wohlhabende Männer vermittelt.

Auf einer Party im September 1991 habe Brunel sie schließlich unter Drogen gesetzt und brutal vergewaltigt, so Huisman.

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