Feuerschaden

Notre-Dame: Sanierung könnte bis zu 20 Jahre dauern

Die Aufräumarbeiten in der Kathedrale Notre-Dame dauern an. Eine Wiedereröffnung zu Olympia 2024 halten Experten für unrealistisch.

Die Aufräumarbeiten an der durch den Brand zerstörten Kathedrale Notre-Dame nehmen viel Zeit in Anspruch.

Die Aufräumarbeiten an der durch den Brand zerstörten Kathedrale Notre-Dame nehmen viel Zeit in Anspruch.

Foto: MARTIN BUREAU / AFP

Paris.  Es wurde intensiv gebetet für Notre-Dame : Das Stahlgerüst der legendären Pariser Kathedrale zu entfernen, galt Ingenieuren als heikelste Phase der Restaurierung – man sprach von einem Mikado-Spiel. Trotz aller Computersimulationen war nicht klar, ob das alte Gebäude dem Abbau standhalten würde.

Das Gerüst war angebracht worden, um die Turmspitze zu restaurieren. Bei dem verheerenden Brand am 15. April 2019 hatte es sich komplett verformt. Der Abbau hat fast ein halbes Jahr gedauert.

Olympia 2024: Experten halten Macrons Ziel für unrealistisch

„Wir können endlich sagen, dass Notre-Dame gerettet ist!“, verkündete Frankreichs Kultusministerin Roselyne Bachelot erleichtert. „Wenn man das gepeinigte Kirchenschiff betritt, treten einem die Tränen in die Augen.“ Die Ministerin betonte auch: „Es liegt noch ein langer Weg vor uns.“

Allein die Aufräum- und Sanierungsarbeiten werden wohl noch weitere sechs Monate in Anspruch nehmen. Erst im Sommer dürfte mit dem eigentlichen Wiederaufbau von Notre-Dame begonnen werden. Bis dahin ist vorgesehen, eine Art riesigen Regenschirm aus Tuch über das dachlose Kirchenschiff zu spannen, um das Innere vor weiteren Regenfällen zu schützen und endlich richtig austrocknen zu lassen.

Emmanuel Macrons Versprechen jedenfalls ist sportlich: Der Präsident will die Kathedrale anlässlich der Eröffnung der Olympischen Sommerspiele 2024 wieder in altem Glanz strahlen sehen. Aber glaubt man General Jean-Louis Georgelin, dem Sonderbeauftragten für den Wiederaufbau, dann sind die Arbeiten auf der Großbaustelle „im Zeitplan“.

Keine modernen Elemente: Architekt setzt auf klassische Optik

Tatsächlich konzentriert man sich darauf, den alten Glanz wiederherzustellen. Aufwendige Ideen, die Moderne in den gotischen Sakralbau einfließen zu lassen, wurden verworfen. Besonders für den Wiederaufbau des charakteristischen Vierungsturms, der bei dem Feuer einstürzte, gab es kühne Pläne: eine Spitze aus Glas, eine Flammenskulptur als Mahnmal oder ein begehbares grünes Dach – all das ist vom Tisch.

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Macron hatte zunächst mit diesen Ideen sympathisiert, dann aber den Entwürfen des Chefarchitekten Philippe Villeneuve zugestimmt. Die Innovationen, musste er eingestehen, verkomplizierten die Dinge zusätzlich. „Authentizität, Harmonie und Einheitlichkeit“ sind nun die Ziele des Wiederaufbaus – und „Respekt für die ursprünglichen Materialien für das Tragwerk und das Dach“.

Der Weg zur Wiedereröffnung bleibt mühsam und unberechenbar. So stehen einige Monate Arbeit an der Vierung an, dem Herzstück im Inneren der Kathedrale. „Was mir Sorge macht, ist, dass dieser Gewölbeteil in den anderthalb Jahren einen Wasserschaden genommen hat“, sagt Villeneuve.

Dabei gebe es noch viele Rätsel der rund 850 Jahre alten Kirche zu lösen. Etwa: Welche Hölzer hat man im Mittelalter für die Holzdeckenstruktur verwendet und wie alt waren sie? Immerhin: Von den 850 Millionen Euro, die 134.000 Spender in aller Welt nach dem Feuer versprochen hatten, sind nach letztem Stand rund 184 Millionen bereits eingegangen.

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Besucher sollen Kathedrale vor der Fertigstellung wieder besuchen dürfen

Eine Wiederherstellung bis 2024 halten Experten jedoch für unrealistisch – sie rechnen mit zwei Jahrzehnten . „Es ist die größte und bedeutendste Restaurierung in der Geschichte Frankreichs“, sagte Restaurator Jean-Claude Bellanger der Zeitung „La Croix“. „Und sie ist sehr störungsanfällig.“

Er weist darauf hin, dass viele Fachkräfte mit speziellen Nischenfähigkeiten gebraucht werden: Mörtelexperten, Zimmermänner, Bildhauer, Dachdecker, Steinbrecher, Steinmetze. Da es nicht genügend solcher Experten gebe, müssten, so schätzt Bellanger, etwa 400 Arbeiter neu ausgebildet werden.

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Für Gläubige und Besucher gibt es allerdings Hoffnung: Sobald die Sicherheit garantiert werden kann, könne die Kathedrale auch wieder aufgesucht werden – nur Hämmer- und Sägegeräusche werden dabei noch jahrelang hingenommen werden müssen.

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