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Hermès braucht Krokodilhaut – und will Tiere züchten

Die französische Luxusmarke Hermès benötigt Krokodilhaut für Handtaschen – und will dafür Zehntausende Tiere in Australien züchten lassen.

Ein Salzwasser-Krokodil in Australien. Die Luxusmarke Hermès will 50.000 Tiere züchten, um sie zu Taschen zu verarbeiten.

Ein Salzwasser-Krokodil in Australien. Die Luxusmarke Hermès will 50.000 Tiere züchten, um sie zu Taschen zu verarbeiten.

Foto: imago stock&people / imago/Danita Delimont

Sydney.  Die französische Luxusmarke Hermès ist für ihre edlen Artikel weltberühmt: Hüte, Tücher, Gürtel – und natürlich Taschen. Eine der berühmten Hermès-Handtaschen ist so hochpreisig, dass sie als unbezahlbar gilt – aber genau deshalb bei Prominenten extrem begehrt ist: Für manche Krokotasche müssen Kunden mehr als als 10.000 Euro hinblättern. So gefürchtet die Krokodile in der Wildnis des tropischen Nordens Australiens auch bei der normalen Bevölkerung sind, so begehrt ist ihr Leder bei der High Society.

Hermès will bis zu 50.000 Salzwasserkrokodile züchten

Weil das Leder knapp wird, lässt das Unternehmen nun eine der größten Krokodilfarmen Australiens entstehen. Bis zu 50.000 Salzwasserkrokodile sollen dort gezüchtet werden, um später als Handtaschen zu enden. Tierschützer sind empört.

Hermès kontrolliert laut einem Bericht des australischen Senders ABC schon heute den Großteil der Krokodilfarmen im Norden des Landes. Die Luxushersteller bevorzugen die australischen Salzwasserkrokodile vor allem aus einem Grund: Sie tragen mehr Schuppen auf dem Bauch als andere Arten. In der neuen Anlage sollen unter anderem ein Brutlabor für Krokodileier, Ställe, offene Farmbereiche, aber auch Bereiche für die Verarbeitung und Lagerung von Futter aufgebaut werden.

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Auch das Modehaus Louis Vuitton hat sich eingekauft

Laut Geoff McClure, einem Berater der Krokodilzucht, der seit den 1980er-Jahren in der Branche tätig ist, hat der erste Kauf einer Krokodilfarm durch Hermès vor etwa zehn Jahren einen Dominoeffekt ausgelöst. Danach habe sich auch das Modehaus Louis Vuitton eingekauft, aus „Sorge, dass Hermès den gesamten australischen Markt besitzt“, sagte der Experte dem australischen Sender. Die Modehersteller würden Krokodileier aus der Wildnis „ernten“ und die Krokodile dann in ihren eigenen Farmen nach ihrem eigenen Standard züchten. Dieser sei „unglaublich hoch“, denn die Haut dürfe nicht beschädigt werden.

Viele andere Marken jedoch wollen mit der Krokozucht nichts zu tun haben: Chanel, Mulberry, Calvin Klein und Tommy Hilfiger zum Beispiel finden, das sei nicht mit dem Tierschutz vereinbar.

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Brutale Schlachtmethoden, enge Ställe – so die Kritik der Tierschützer

Jed Goodfellow vom australischen Tierschutzverband RSPCA Australia kritisiert die viel zu engen Ställe, die häufig so gebaut sind, dass sich die Tiere verletzen. Auch seien die Schlachtmethoden äußerst brutal.

Hermès hingegen betont, dass es sehr strenge Standards im Tierschutz verfolge und auch seine Partner dazu verpflichte. Außerdem arbeite man „systematisch an Verbesserungen, wo immer möglich“.

Krokozucht finanziert Umweltmaßnahmen

Grahame Webb, der die Krokodil-Spezialeinheit der Weltnaturschutzunion IUCN leitet, sieht die Krokodilzucht positiv. So finanziere diese etwa Umweltschutzmaßnahmen in der Region mit. Webb sagte, Modehäuser würden oft „gnadenlos angegriffen“, dabei würden sie so aber viel bessere Kontrolle über ihre Lieferkette erlangen, um höchste Standards garantieren zu können.

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