Vormundschaft

Vor Gericht: So kämpft Britney Spears um ihre Freiheit

So sehr sie sich müht – US-Popstar und Sängerin Britney Spears wird ihren Vater als Vormund nicht los. Bürgerrechtler sind besorgt.

Popstar Britney Spears darf nicht über sich selbst bestimmen.

Popstar Britney Spears darf nicht über sich selbst bestimmen.

Foto: Matt Baron/Shutterstock

Berlin. 
  • Seit einem Nervenzusammenbruch im Jahr 2008 agiert Jamie Spears als Vormund seiner Tochter
  • Nun kämpft Britney Spears vor Gericht dagegen an
  • Denn mit ihrem Vater wechselt sie seit langem kaum noch ein Wort – die beiden sind zerstritten

Zunächst wirkt Britney Spears nicht wie eine Person, um deren Menschenrechte man sich akut Sorgen machen müsste. Auf Insta­gram zeigt sie, wie sie – Corona hin, Corona her – im Privatjet nach Hawaii fliegt. „Ein kleiner Trip ins Paradies als vorgezogene Geburtstagsfeier“, schreibt sie dazu. An ihrer Seite: ihr Freund, der hauptsächlich aus Muskelmasse bestehende Fitness-Influencer Sam Asghari (26).

Doch man soll sich ja vom schillernden Schein nicht blenden lassen. Denn die 38-Jährige genießt zwar Freizeit, aber sie ist nicht frei. Das Geld für ihren Luxus hat sie selbst verdient, aber sie muss ihren Vater darum bitten. Lesen Sie auch: Britney Spears: Warum ihre Fans #freebritney fordern

Britney Spears: Gericht lehnte Antrag ab

Der frühere Bauunternehmer Jamie Spears ist seit 2008 ihr Vormund, verfügt über ihre Finanzen, ihre Karriereschritte, ihre Lebensentscheidungen. Ihr Versuch, sich von dieser Fessel zu befreien, missglückte: Eine Richterin in Los Angeles lehnte ihren entsprechenden Antrag ab. Der Vater bleibt Vormund.

Der Weltstar, der bei seiner „ Piece of me “-Konzertreihe vor einer Million Menschen auftrat, besitzt damit weiterhin einen Status, wie er nur für schwer behinderte oder sehr alte Menschen üblich ist.

Vormundschaft nach Nervenzusammenbruch

Als der Vater die Vormundschaft übernahm, schien es wie eine lebensrettende Maßnahme. Gerade waren Bilder um die Welt gegangen, auf denen Britney Spears nach einem Nervenzusammenbruch auf einer Liege aus ihrer Villa abtransportiert wurde. Hubschrauber der Paparazzi kreisten wie metallene Geier über der Szenerie. Lesen Sie auch: Britney Spears auf Instagram: Comeback der Pop-Prinzessin

Doch das ist lange her. Spears blieb danach skandalfrei, lieferte brav Hits und Shows. Das Sorgerecht für ihre beiden Söhne (15 und 14), das damals Ex-Mann Kevin Federline bekam, gewann sie zu 30 Prozent zurück.

Jamie Spears: Verprasst ihr Vater das Vermögen?

Ihr Anwalt Samuel Ingham führte vor Gericht seine Argumente an: Seine Mandantin und ihr Vater würden seit geraumer Zeit kein Wort mehr wechseln. Jamie Spears verprasse das Vermögen seiner Tochter. Und er kündigte einen Streik an: Solange ihr Vater ihr Vormund bleibe, werde Spears nicht mehr auftreten.

Die Gegenseite hielt dagegen, dass allein der Anwalt für die Funkstille zwischen Vater und Tochter verantwortlich sei. Außerdem habe Jamie Spears das Vermögen der Sängerin vermehrt: 2008 habe sie Schulden gehabt, inzwischen sei sie 60 Millionen Dollar reich. Lesen Sie auch: Warum Britney Spears vor Gericht gegen ihren Vater kämpft

#FreeBritney: Fans glauben an versteckte Hilfeschreie

Die Fans wollen den Gerichtsbeschluss nicht hinnehmen. #FreeBritney nennen sie ihre Bewegung. 110.000 Menschen unterzeichneten eine entsprechende Petition.

Der Eifer führt zu bizarren Verschwörungstheorien. Ist bei Insta­gram etwa nur eine Doppelgängerin zu sehen? Oder gleicht das Henna-Tattoo, das sie zeigt, nicht einer 911, also der US-Notfallnummer? Sie bieten ihre Hilfe an: „Britney, wenn du in Not bist, trage auf deinem nächsten Bild Extensions.“

Bürgerrechtsorganisation bietet Hilfe an

Es wäre leicht, sich lustig zu machen, doch wird das dem komplexen Fall nicht gerecht, in den sich sogar die Bürgerrechtsorganisation ACLU einschaltete. Die bot Britney Spears ihre Hilfe an. „Wir wissen nicht, ob sie sich selbst als behindert identifiziert, und wir kennen ihre Diagnose nicht. Tatsache ist, dass das Gericht sie als behindert betrachtet und ihre Bürgerrechte beschneidet“, teilte ACLU-Anwältin Zoe Brennan-Krohn mit. Lesen Sie auch: Paris Hilton und Co.: Warum die Nullerjahre zurückkommen

Das wirke besonders verstörend, da sich das Bild nicht mit der öffentlichen Wahrnehmung decke, in der die Sängerin ein selbstständiges Leben führe. „Unsere generelle Sichtweise ist, Vormundschaften skeptisch und als letzte Lösung zu betrachten.“

Auch Prominente wie Miley Cyrus (27) oder Courtney Love (56) setzen sich für ihre Kollegin ein. Cher (74) etwa bezeichnete die Sängerin als „goldenes Kalb“ und fragte bei Twitter: „Ist es im Interesse von jemandem, der davon profitiert, dass sie krank ist, sie gesund werden zu lassen?“

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