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Streit bei Instagram: Wo endet Satire? Wo beginnt Sexismus?

Frauenfeindlichkeit im Internet: Der Instagram-Streit zwischen Entertainer Udo Bönstrup und Influencerin Louisa Dellert eskaliert.

5 wichtige Fakten über Instagram

Jeder kennt sie, fast jeder benutzt sie - die Fotoapp Instagram. Hier sind 5 witzige und wissenswerte Fakten zu einem Hotspot der sozialen Medien.

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Berlin.  Auf der Social-Media-Plattform Instagram ist ein Streit entbrannt, der polarisiert. Es geht um Frauenfeindlichkeit, Beleidigungen und Feminismus. Es geht um die Frage: Wo endet Satire? Und wo beginnt Sexismus? Die Hauptakteure: Der Comedian Hendrik Nitsch, der im Netz meist als „Udo Bönstrup“ auftritt, und die Influencerin Louisa Dellert .

Was klingt wie ein kindischer, virtueller Streit zwischen jungen Menschen, ist ein anschauliches Beispiel für Frauenfeindlichkeit und Hass im Netz. Die Geschehnisse zeigen auch, wie schnell Konflikte im Internet eskalieren können und welchen Einfluss Influencer auf ihre Follower haben.

Streit im Netz wegen sogenanntem „Camel Toe“

Der Hintergrund: Die Bodybuilderin Franziska Lohberger machte auf ihrem Instagram-Kanal auf sogenanntes „Vulva Shaming“ aufmerksam. User hätten sie als widerlich bezeichnet, weil sie sich auf einem Foto mit einem sogenannten „Camel Toe“ zeigte. Damit ist der Zustand gemeint, wenn sich Schamlippen durch enge Hosen abzeichnen.

„Wisst ihr, was ich widerlich finde?“, schreibt die Bodybuilderin unter dem Foto, „dass Frauen und Mädchen das Gefühl vermittelt bekommen, sich für ihren Körper schämen zu müssen. Sich als Beule abzeichnende Männergenitalien sind doch auch völlig normal.“ Auch wenn manche diesen Post obszön finden könnten, wolle sie ihre Reichweite von fast 200.000 Followern „genau für diese Art von Message nutzen.“

Während sich zahlreiche Frauen für den Mut bedankten, auch „Tabuthemen“ anzusprechen, nutzte Comedian Nitsch den Post, um sich über die Bodybuilderin lustig zu machen.

Udo Bönstrup macht sich über Feministinnen lustig

Der ehemalige Teilnehmer der Sat.1-Show „Promi Big Brother“ reagierte mit einem Foto, auf dem vermeintlich sein Penis durch seine Hose zu erkennen ist. Dazu schrieb er in Anspielung auf den Post der Bodybuilderin: „Keine Scham für die Großschwänzler. Wisst ihr, was ICH widerlich finde? Eure belanglosen, künstlichen Probleme, mit denen ihr in irgendeiner Form versucht, Aufmerksamkeit zu erlangen!“

Daraufhin schaltete sich die bekannte Influencerin Louisa Dellert ein und kommentierte: „Udo = Immer auf Themen aufspringen und über andere lustig machen, damit man selbst im Gespräch bleibt.“ Und dann begann ein tagelanger Schlagabtausch zwischen den Protagonisten und deren Followerschaften.

Der Entertainer machte seine Abonnenten auf Dellerts Anmerkung aufmerksam, die dann in Form von Kommentaren und Privatnachrichten auf die 31-Jährige losgingen. „Zieh Leine, du bemitleidenswertes Stück“ ist dabei noch einer der harmlosesten Kommentare. Sexistische Beleidigungen – häufig auch auf Dellerts Äußeres bezogen – prasselten auf sie ein. Einer nennt sie „Öko-Links-Fotze.“

Instagram: Lena Meyer-Landrut mit Statement gegen Hass im Netz

Es folgte ein öffentlicher Streit, in den sich auch Prominente wie die Politikerin Katharina Schulze (Grüne) oder die Sängerin Lena Meyer-Landrut einschalteten. „Keiner muss sich Gewalt, Drohungen oder Beleidigungen gefallen lassen. Nicht im echten Leben und nicht im Internet“, schrieb Meyer-Landrut in ihrer Instagram-Story. Hendrik Nitsch postete weiter. Louisa Dellert auch. Hunderttausende sahen zu, viele mischten sich ein.

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Die Feministin Kristina Lunz , die sich ebenfalls mit Dellert solidarisierte, erhielt eine Sprachnachricht mit Drohungen von Nitsch. „Frauen, vor allem dann, wenn sie sich für Frauenrechte einsetzen, werden regelmäßig attackiert und von Hass im Netz überzogen“, sagt Lunz. Damit müsse endlich Schluss sein. Sie rief ihre Follower dazu auf, Nitsch bei Instagram zu melden und so zu versuchen, eine Löschung des Profils zu bewirken.

„Die Plattformen müssen sich des Problems des Hatespeechs endlich bewusst werden und dagegen eintreten“, sagt Lunz, die als Mitgründerin der Beratungsorganisation „Center for Feminist Foreign Policy“ unter anderem das Auswärtige Amt berät. „Sexualisierte Beleidigungen im Netz gehören zum Alltag vieler Frauen. Dafür müssen wir ein Problembewusstsein schaffen.“

Social Media: Mädchen und Frauen besonders von Online-Belästigung betroffen

Dass Mädchen und junge Frauen auf sozialen Medien wie Facebook, Instagram, Youtube und Twitter regelmäßig beschimpft, sexuell belästigt oder beleidigt werden, zeigt auch eine aktuelle Umfrage der Kinderrechtsorganisation Plan International.

Demnach erfahren 58 Prozent der befragten Mädchen und jungen Frauen weltweit Bedrohungen, Beleidigungen und Diskriminierungen in den sozialen Medien . In Deutschland sind es sogar 70 Prozent. Für die Umfrage wurden weltweit 14.000 Mädchen und junge Frauen im Alter von 15 bis 24 Jahren befragt.

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Feminismus: Hass im Netz gegen Frauen deutlich stärker ausgeprägt

Hendrik Nitsch alias Udo Bönstrup fühlt sich offenbar nicht korrekt behandelt. „Jetzt melden sich viele Dumme, vermeintlich diskriminierte Frauen und überhaupt das ganze aufmerksamkeitsgeile Empörungsvieh, die nun zum Internetmob wandeln, Morddrohungen schicken und gegen mich hetzen“, schreibt er in seiner Story.

Satire darf natürlich alles, sie darf auch brutal sexistisch sein. Alles und jeder hat ein Anrecht darauf, verarscht zu werden und zwar auch mit maximal stillosen Stilmitteln“, so der YouTuber gegenüber unserer Redaktion. „Wer seinen Arsch aus dem Fenster hängt, muss damit rechnen, dass man ihn küsst, sagt man bei uns im Münsterland. Das gilt auch für Vulven.“

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Es ist nicht das erste Mal, dass sich Bönstrup mit Influencern anlegt. Der 26-Jährige macht sich im Netz regelmäßig über Politiker, Jugendkultur und Promis lustig. Vor allem weibliche Social-Media-Stars wie Laura Müller werden in seinen Videos verunglimpft.

„Udo Bönstrup verteidigt ein Gesellschaftsbild, das ihm das Gefühl gibt, erhaben zu sein“, sagt Feministin Lunz. Die sexistischen Beleidigungen seien für sie von Satire weit entfernt.

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