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Biontech-Gründer: Dieses Ehepaar macht der Welt Hoffnung

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Biontech-Impfstoff weckt Hoffnungen auf Ende der Pandemie

Biontech-Impfstoff weckt Hoffnungen auf Ende der Pandemie

Weltweit forschen Pharmafirmen und wissenschaftliche Institutionen an Impfstoffen gegen das Coronavirus. Dem Mainzer Pharmaunternehmen Biontech und seinem US-Partner Pfizer ist jetzt offenbar ein Durchbruch gelungen. of BioNTech headquarters in Mainz, Germany

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Uğur Şahin und Özlem Türeci kamen als Migrantenkinder nach Deutschland. Innovative Forschung machte sie reich und zu Hoffnungsträgern.

Berlin. An ihrem Hochzeitstag, erzählte Özlem Türeci einmal, standen sie und ihr Ehemann Uğur Şahin morgens noch im Labor. Von dort aus machten sie sich auf den Weg zur Trauung – und gingen dann zurück an die Arbeit. Eine Episode, die beispielhaft ist für das Forscherpaar. Großer Fleiß und Leidenschaft für ihren Beruf machte die beiden Einwandererkinder reich – und zu Hoffnungsträgern.

Türeci hat die Geschichte ihrer Hochzeit einmal der „Süddeutschen Zeitung“ erzählt, 2009 war das, für einen Artikel über ihre Arbeit in der Krebsforschung. Damals waren die beiden mit ihrer ersten Firma Ganymed Pharmaceuticals vor allem in Fachkreisen bekannt als Hoffnungsträger im Kampf gegen den Krebs. Biontech, das Unternehmen, für das sie jetzt in der halben Welt bekannt sind, war gerade ein Jahr alt.

Corona-Impfstoff soll hohen Schutz bieten

Elf Jahre später haben Türeci und Şahin einen neuen Gegner: Seit dem Ausbruch des Corona-Virus Sars-CoV-2 haben sie es sich zur Mission gemacht, einen Impfstoff zu entwickeln. Nun sieht es so aus, als seien er und seine Frau kurz vor dem Ziel. Biontech erklärte am Montag, der in Kooperation mit dem US-Unternehmen Pfizer entwickelte Impfstoff biete einen mehr als 90-prozentigen Schutz vor Covid-19. Eine Zulassung für die USA soll schon in den nächsten Wochen beantragt werden. Lesen Sie dazu: Impfstrategie: Wer wird zuerst gegen Corona geimpft?

Biontech-Gründer Uğur Şahin und Özlem Türeci kamen aus der Türkei nach Deutschland

Es ist der vorläufige Höhepunkt von zwei Leben für die Forschung. Türeci und Şahin kamen beide im Alter von vier Jahren nach Deutschland. Türeci ist Tochter eines türkischen Arztes, der sich im Raum Oldenburg in Niedersachsen niederließ. Die Haltung des Vaters, die Fürsorge für die Patienten in den Mittelpunkt zu stellen, präge sie bis heute, sagt sie. Mit einem Medizinstudium im Saarland tritt sie in seine Fußstapfen.

Uğur Şahin wuchs in Köln auf, als Sohn eines Fabrikarbeiters, der im Rahmen des Anwerbeabkommens mit der Türkei zu Ford gekommen war. Neben Fußball interessieren Şahin als Kind vor allem populärwissenschaftliche Bücher – und wecken ein Forschungsinteresse, das ein Leben lang anhält. Nach dem Abitur in Köln geht Şahin zum Medizinstudium an die Universität der Domstadt. Jahre später erinnert er sich, wie seine Mitstudierenden nach Ende der Vorlesung nach Hause gegangen seien, und er zurück ins Labor, manchmal bis 4 Uhr nachts.

Özlem Türeci lernt er als junger Arzt kennen, am Universitätsklinikum in Homburg im Saarland. Beide bewegt die Frage, wie man Krebs heilen kann. Um daran zu forschen, gehen sie an die Universität Mainz, wo Şahin bis heute Professor und Türeci Privatdozentin ist. Doch vom Rahmen universitärer Forschung fühlen sie sich bald eingeengt.

Uğur Şahin und Özlem Türeci arbeiten an „Revolution“ der Krebstherapie

Weil ihnen wissenschaftliche Ergebnisse nicht schnell genug in der Versorgung der Patienten ankommen, gründen Şahin und Türeci 2001 ihr erstes Unternehmen, Ganymed Pharmaceuticals, das 2016 für mehr als 400 Millionen Euro an die japanische Pharmafirma Astellas verkauft wird.

2008 folgt die Gründung von BioNTech, spezialisiert auf individuelle Immuntherapien gegen Krebs, mit Türeci als Leiterin der Forschungsabteilung und Şahin als CEO. Das Ziel sei nicht weniger als eine „Revolution“ der Krebstherapie, sagt Şahin. Lesen Sie hier: So funktioniert der Corona-Impfstoff von Biontech.

So startete die Entwicklung des Corona-Impfstoffes

Doch als die Nachricht von der Verbreitung des Corona-Virus die Runde macht, ist klar: Krebs muss warten. Şahin hatte eines Morgens im Januar eine Publikation über den Corona-Ausbruch in Wuhan gelesen.

Von jetzt auf gleich rückte die Krebsforschung in den Hintergrund – und der Kampf gegen die Corona-Pandemie in den Fokus. Ein Schritt, der Biontech um mehrere Milliarden wertvoller und ihre Gründer zu großen Hoffnungsträgern gemacht hat.

In wenigen Monaten könnte dank ihrer Arbeit Millionen Menschen weltweit geimpft werden. Uğur Şahin und Özlem Türeci hätten ihre Revolution.

(tma/ba)

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