Rosenkrieg

Johnny Depp verliert im Verleumdungsprozess gegen die „Sun“

| Lesedauer: 6 Minuten
Britt-Marie Lakämper
Johnny Depp gegen die "Sun": Schlammschlacht vor Gericht geht zu Ende

Johnny Depp gegen die Sun - Schlammschlacht vor Gericht geht zu Ende

Der Verleumdungsprozess des Hollywoodstars Johnny Depp gegen die britische "Sun" geht zu Ende. Durch die Aussagen seiner Ex-Frau Amber Heard erregte der Prozess viel Aufsehen.

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Johnny Depp muss eine Niederlage gegen die Boulevardpresse einstecken. Vor Gericht ging es um eine Schlammschlacht mit seiner Ex-Frau.

London. Der US-Schauspieler Johnny Depp hat den Prozess gegen das Boulevardblatt „The Sun“ verloren. Der Hollywoodstar hatte gegen die britische Zeitung wegen Verleumdung geklagt. In dem Verfahren ging es um einen Artikel der „Sun“ aus dem Jahr 2018, in dem Chefredakteur Dan Wootton Depp als „Ehefrauen-Schläger“ bezeichnet hatte. Der Artikel sei „im Wesentlichen wahr“ gewesen, befand am Montag Richter Andrew Nicol vom Londoner High Court.

Am Ende kennt dieser Rechtsstreit nur einen Gewinner: das britische Boulevardblatt „The Sun“. Die Zeitung feierte das Londoner Urteil als „atemberaubenden Sieg für die Pressefreiheit“. Für den gefallenen Weltstar Johnny Depp hingegen dürften das Urteil und die vorangegangenen monatelangen Scharmützel mit der Schauspielerin Amber Heard (34) einen weiteren Karriereknick bedeuten. All die schmutzigen Details, die im Prozess zu Tage kamen, lassen ihn dastehen wie ein kaum zurechnungsfähiges Drogenwrack.

Johnny Depp gegen „Sun“: Prozess sezierte die Ehe mit Amber Heard

„Er drohte mehrfach explizit, mich umzubringen“, sagte Heard über ihren Ex-Mann. Sogar vor ihrem Hund habe er nicht haltgemacht und angekündigt, das Tier in die Mikrowelle zu stecken. Doch auch Heard kam nicht gut weg: Depp bezeichnete sie wiederum als „narzisstische Soziopathin“, als „aggressiven Teil“ der Beziehung. Er behauptet, sie habe ihm mit dem Wurf einer Wodkaflasche die Fingerkuppe abgesäbelt.

Der Prozess zwischen Depp und der Verlagsgruppe News Group Newspapers, zu der die „Sun“ gehört, hatte im Juli weltweite Aufmerksamkeit erregt. Vor allem, weil es am Ende nur wenig um den eigentlichen Prozessgegenstand ging – sondern vielmehr um eine Sezierung der Partnerschaft zwischen den beiden Schauspielern.

Johnny Depp und Amber Heard: Toxische Beziehung wie aus dem Lehrbuch

Die Beweislast im Rechtsstreit lag bei der „Sun“. Das Boulevardblatt musste also vor Gericht darlegen, dass die Vorwürfe den Tatsachen entsprechen – und verbündete sich dafür mit Depps Ex-Frau. Beide Parteien warteten mit unappetitlichen Einzelheiten der 15-monatigen, 2017 geschiedenen Ehe auf, inklusive Fotos, Video- und Audioaufnahmen.

Alkoholismus, Drogenmissbrauch, Fäkalien im Bett und weitere Gewaltvorwürfe: Wochenlang zeichneten Depp („Fluch der Karibik“) und seine 23 Jahre jüngere Ex-Ehefrau das Bild einer zutiefst zerstörerischen Ehe. Vielfach wurde romantisierend von einem „Rosenkrieg“ gesprochen. Doch was Aussagen der ehemaligen Partner eher beschrieben, war eine toxische Beziehung wie aus dem Lehrbuch, geprägt von gegenseitigem Missbrauch.

Gewaltvorwürfe gegen Johnny Depp: Ex-Partnerinnen verteidigen ihn

Amber Heard, bekannt aus Filmen wie „Zombieland“ oder „Aquaman“, sagte vor Gericht aus, sie habe Todesangst vor Depp gehabt. Sie berichtete von verbalen Wutausbrüchen, Tritten, Würgegriffen. Der Beschuldigte behauptete wiederum, seine Ex-Frau sei selbst gewalttätig gewesen. Völlig unstrittig war dabei: Depp litt immer wieder unter seiner Drogen- und Alkoholsucht. Auch er selbst räumte das ein.

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Heard sei dagegen nach etwas Anderem süchtig: Depps Anwalt bezeichnete sie zum Abschluss des Prozesses als „zwanghafte Lügnerin“. Nie in seinem Leben habe ihr Ex-Ehemann eine Frau geschlagen. Vor Gericht wurde dies auch durch Aussagen von Depps ehemaligen Partnerinnen untermauert. So verteidigte die US-Schauspielerin Winona Ryder (48, „Stranger Things“) ihren früheren Partner Depp in einem schriftlichen Statement.

Wynona Ryder „absolut geschockt“ von Vorwürfen gegen Depp

„Ich war absolut geschockt, verwirrt und ärgerlich, als ich von den Vorwürfen gegen ihn erfahren habe“, so Ryder. Sie habe ihn während der vierjährigen Beziehung nur als „wirklich guten Mann“ kennengelernt. Niemals sei er gewalttätig oder ausfällig gegenüber irgendjemandem gewesen.

Depp und Ryder waren von 1989 bis 1993 liiert. Bereits 2016 hatte Ryder gegenüber dem Magazin „Time“ zu Heards Vorwürfen gegen Depp gesagt: „Ich kann nur aus meiner eigenen Erfahrung sprechen, die vollkommen anders war. Er hat sich mir gegenüber nie, niemals so benommen. Er hat mich in keiner Weise misshandelt.“

Amber Heard: Rechtsstreit mit Johnny Depp „unglaublich schmerzhaft“

Auch die französische Sängerin Vanessa Paradis (47), mit der der Schauspieler zwei erwachsene Kinder hat, äußerte sich in einer schriftlichen Aussage positiv über Depp. Sie habe ihn als „freundlich, aufmerksam, großzügig und nicht gewalttätig“ erlebt. Depp und Paradis waren 14 Jahre lang liiert.

Amber Heard sagte in ihrem letzten Statement vor Gericht, dass es unglaublich schmerzhaft gewesen sei, die Trennung ihrer Beziehung noch einmal zu durchleben und die „traumatischsten und intimsten Details“ ihrer Beziehung vor Gericht zu teilen.

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Johnny Depp klagt auch in den USA – und will in London Einspruch einlegen

Mit diesem Urteil ist der Fall jedoch nicht ad acta gelegt: In den USA hat Depp wegen der Gewaltvorwürfe eine Verleumdungsklage direkt gegen Heard eingereicht. Sie hatte in der „Washington Post“ über ihre Gewalterfahrungen berichtet – nannte Depp aber nicht namentlich. Die Streitsumme: 50 Millionen Dollar.

Gegen das Londoner Urteil vom Montag will Depp nun Einspruch einlegen. „Das Urteil ist so fehlerhaft, dass es lächerlich wäre, wenn Herr Depp keinen Einspruch einlegen würde“, teilte Depps Anwältin, Jenny Afia, am Montag mit. Die Scharmützel werden also weitergehen.

Johnny Depp zählt zu den bestbezahlten Schauspielern Hollywoods. Er und Heard hatten sich bei den Dreharbeiten zum Film „The Rum Diary“ kennengelernt. Das Paar trennte sich 2016 nach 15 Monaten Ehe.

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