Partnerschaft

Was der Dating-Burnout mit Hollywoods Single-Frauen macht

Immer mehr Promis sind von der Partnersuche erschöpft. Drew Barrymore oder Charlize Theron etwa leben alleine – als glückliche Singles.

So erkennt man eine toxische Beziehung
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Berlin. Etwa zwischen 1998 bis 2008 war Drew Barrymore die Königin der Romantikkomödien. Filme wie „Ungeküsst“ oder „Eine Hochzeit zum Verlieben“ kamen mit Happyend-Garantie. Denn so richtig rund ist das Leben einer Frau – so die Botschaft derartiger Kino-Phantasien – nur mit Mann.

Barrymores Privatleben folgte jedoch einer anderen Dramaturgie. Dreimal ist sie geschieden. Jetzt ist sie Galionsfigur jener Frauen und Männer, die sich entschieden haben: Schluss mit der Partnersuche.

Seit ihrer letzten Scheidung vor fünf Jahren habe sie keine Verabredung mehr gehabt, sagte die 45-Jährige in ihrer eigenen Talkshow – und wirkte dabei alles andere als resigniert oder verbittert: „Ich habe zwar nicht komplett zugemacht, aber ich weiß auch nicht, ob ich bereit bin, mich wieder zu öffnen.“ Lesen Sie hier: Warum gilt die Single-Frau immer noch als Mängelexemplar?

Charlize Theron ist glücklicher Single

Auch ihre Gäste überraschen mit ähnlichen Aussagen. Charlize Theron (45) erklärte, ebenfalls seit fünf Jahren niemanden mehr zu treffen: „Ich bin aber glücklich und fühle mich nicht einsam.“

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Sharon Stone (62) wiederum, die zuvor die Dating-App Tinder ausprobiert hatte, erklärte Barrymore: „Ich bin fertig mit Dates.“ Sie genieße ihre Zeit allein, mit ihren Kindern und Freunden mehr. „Ich will keine Unaufrichtigkeit, keinen Quatsch und keine Spielchen.“

Psychologen kennen das Phänomen und sprechen vom Dating-Burnout

Die Psychologin Tatiana Koch aus Uelzen hat sich auf Singles spezialisiert. Ihre Diagnose lautet immer öfter: Dating-Burnout. „Mein Gott, was habe ich mir nur all die Jahre angetan?“, habe eine Patientin gestöhnt.

Angetan hatte sie sich Dates – die sie meist bei Tinder vereinbart hatte. „Statt lustvoll und spielerisch einen Partner zu suchen, hatte sie sich dazu gezwungen“, so Koch.

Der Druck ist groß. Fast jeder Single kennt gönnerhafte Sprüche wie „Wie kommt es eigentlich, dass eine tolle Frau wie du keinen Mann hat?“. Die unterschwellige Botschaft: Was nutzen dir Job, Freunde und Hobbys, wenn du im Grunde allein bist?

Tinder verändert das Dating

Die Erwartungen treiben viele in eine Art Dating-Marathon – beflügelt durch Apps, die verheißen, der Traumpartner sei nur einen Klick entfernt. Die scheinbar unendlichen Möglichkeiten überfordern und erschöpfen – zumal auf die Hoffnung oft eine Enttäuschung folgt.

Tinder & Co würden Begegnungen in eine Ware verwandeln, „die man erwerben und auch wieder loswerden kann“, sagt die Soziologin Eva Illouz. Unsere Shoppingmentalität übertragen wir somit auf die Partnerwahl. Die vielen Begegnungen machen vielleicht kompetent in Sachen Sex, aber nicht kompetent in Sachen Kommunikation und Gefühl. Mehr zum Thema: Single und trotzdem glücklich – oder gerade deshalb

Jede Trennung sei zudem eine „gravierende seelische Erfahrung“: „Sie erschüttert das Urvertrauen in soziale Bindungen“, schreibt sie in ihrem Buch „Warum Liebe endet“.

Dates wie ein Vorstellungsgespräch

An die Stelle ritualisierter Kennenlern-Abläufe sind variantenreiche und oft unverbindliche Modelle getreten, von „Freunden mit gewissen Vorzügen“ bis zur offenen Beziehung. Das führt zu Missverständnissen.

„Ich war nach einigen meinem Empfinden nach romantischen Treffen mit Johanna überrascht, als sie mir mitteilte, sie treffe sich noch mit anderen“, sagt Architekt Philipp. Auch der 40-Jährige bezeichnet sich als Dating-Aussteiger. „Frauen wünschen sich Zuneigung, und wenn man sie gibt, gilt man als bedürftig und schwach. Ich hatte das Gefühl, man wird bei Dates nur noch ausgefragt und abgecheckt und die Ergebnisse werden dann mit der Geht-gar-nicht-Liste abgeglichen.“

Die Fragerei nerve ihn: „Wohin reist du? Was ist dein nächster Karriereschritt? Was ist dein Lieblingsrestaurant? Es geht zunehmend zu wie im Vorstellungsgespräch. Hast du die falschen Turnschuhe an, fliegst du raus.“

Ein Jahr ohne Verabredungen kann helfen

Koch empfiehlt, sich nicht gegen innere Widerstände auf Dates einzulassen und lieber bewusst ein Sabbatical bei der Partnersuche einzulegen. Die zweite Maßnahme greift dann bei Wiederaufnahme: „Es gilt, die eigenen Reaktionen auf das Date achtsam zu beobachten und sich nicht zu verabreden, um den Traumpartner zu finden, sondern um sich selbst besser kennenzulernen.“

Denn eine besondere Beziehung bleibt, auch nachdem das Date sich verflüchtigt: die zu sich selbst.

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