Kolumne

Wie Trump zur Marionette der Weltverschwörung wurde

Es kursieren Verschwörungstheorien. Unser Autor hat ein modernes Märchen geschrieben, auf Fakten beruht. Teil 1 und 2 lesen Sie hier.

Obama: Trump ist "unfähig, den Job ernst zu nehmen"

Der frühere US-Präsident Barack Obama hat bei seiner ersten Wahlkampf-Kundgebung zur Unterstützung des Präsidentschaftskandidaten Joe Biden harte Angriffe gegen Amtsinhaber Donald Trump gefahren. In einer Rede in Philadelphia bezeichnete Obama den Präsidenten als "unfähig, den Job ernst zu nehmen".

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Berlin. Merkwürdige Dinge geschehen in den Wochen vor der US-Wahl. Plötzlich löschen Facebook und seine Tochter Instagram die Konten rechter Märchenvereine. Wie kann das sein? Jahrelang hatte Konzernchef Mark Zuckerberg erklärt, dass das Verbreiten hetzerischer Lügen vom Recht auf Meinungsfreiheit gedeckt sei. Besonders wüst wütete die QAnon-Sekte, die mit ihrem Raunen von einer Verschwörung liberaler Eliten Zulauf gewann, auch von deutschen Kreuz- und Querdenkern. Botschaft: Nur Donald Trump kann die Welt retten.

Die Untergangs-Prophezeiungen im Zeichen des Q erweisen sich als ähnlich unzutreffend wie Nostradamus’ wolkige Prognosen. Warum aber werden die Spinner jetzt entfernt?

Vor vielen Jahren hatten im Silicon Valley ein paar sehr reiche und sehr bizarre Herrschaften einen Plan geschmiedet: im Schatten der Bühnenshow von Marionette Trump mit digitalen Mitteln die US-Demokratie töten. Viele Vertreter der Tech-Branche hängen dem Solutionismus an, sind also überzeugt, dass nur Technik die Menschheit von ihren ökonomischen, sozialen, gesundheitlichen, psychischen Sorgen befreien kann, vor allem aber vom Joch der Demokratie, die im Silicon Valley seit langem als überholtes Betriebssystem gilt.

Peter Thiel: Trump-Unterstützer findet, „Freiheit und Demokratie sind nicht vereinbar“

Ein erklärter Demokratieverächter ist Peter Thiel, ein in Frankfurt am Main geborener Digital-Veteran. Als einer der ersten Facebook-Investoren sitzt Thiel neben Mark Zuckerberg im Aufsichtsrat des Weltkonzerns. PayPal-Mitgründer und Milliardär Thiel unterstützte den ersten Wahlkampf von Donald Trump mit einer Spende von 1,25 Millionen Dollar. Der Börsengang seiner geheimnisvollen Datenkrake Palantir, die von der CIA groß gemacht worden ist und auch für die Landesregierungen von Hessen und NRW arbeitet, brachte jüngst 17 Milliarden Dollar. Thiel ist bekennender Libertärer, nicht zu verwechseln mit „liberal“.

Der Libertarismus pflegt eine darwinistische Weltsicht, die das Prinzip Demokratie wegen ihrer vermeintlichen Political Correctness ebenso ablehnt wie Mainstream-Medien. Sozial orientierte Marktwirtschaften seien beherrscht von der „Kathedrale“, aus der heraus Minderheiten, Frauen, Diskriminierte mit Denk- und Sprechverboten das Entfalten der Marktkräfte verhinderten.

Die „Kathedrale“ heißt bei QAnon „Deep State“. „Freiheit und Demokratie sind nicht vereinbar“ schrieb Thiel 2009. Nur Technologie im Einklang mit quasi-monarchistischem Turbokapitalismus ermögliche es, Grenzen zu verschieben, ob im Cyberspace, im Weltraum oder auf der Erde.

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Peter Thiel – Superhirn einer Weltverschwörung?

Es hieße, Thiels Einfluss zu überschätzen, wenn man ihn zum Superhirn einer Weltverschwörung erklärte. Gleichwohl finden sich Züge des Libertären in Moskau, Polen und Ungarn, bei Trump und Johnson, im Kern in jeder rechtsextremen Gruppierung. Mit seiner mysteriösen BigData-Bude Palantir arbeitet Thiel für Staaten, Verwaltungen und das Militär. Thiel träumt von Staaten auf Schiffen, die nach eigenen Regeln funktionieren. Technologie kann alles, Gott ist kein DJ, sondern ein Stück Code. Und der Mensch entweder Anführer oder Sklave, aber keinesfalls gleich.

Für Trumps zweite Amtszeit war alles vorbereitet: Palantir, CIA, Facebook und rechte Radikale würden erstmals in der Geschichte der Menschheit eine Demokratie von innen auflösen und als Diktatur wiederauferstehen lassen.

Facebooks Hilfe bei Trumps Wahlsieg

Trumps Wahlsieg 2016 wurde als digitales Meisterstück gefeiert. Als hoch effektiv hatte sich Facebooks Microtargeting erwiesen: Wackelwähler werden mit maßgeschneidert manipulativen Inhalten bombardiert: Der Arbeitslose soll mehr Geld bekommen, der Unternehmer niedrigere Steuern, ohne Plausibilitätskontrolle der Öffentlichkeit. Diese Schmutzarbeit erledigte die Firma Cambridge Analytica (CA), die auch beim Brexit-Referendum mitfingerte und in vielen anderen Wahlen. CA ist längst abgewickelt.

Der frühere CA-Mitarbeiter Christopher Wylie verriet, wie eng die geheimnisvolle Datenkrake Palantir mit CA kooperierte. „Es gab Palantir-Angestellte, die hereinkamen und mit den Daten arbeiteten“, verriet Whistleblower Wylie der New York Times. Palantir war mit CIA-Geld zum Milliardenkonzern aufgeblasen worden, Thema: Sicherheit. Das Megathema wird dem staatlichen Monopol entwunden und zum privaten Geschäftsmodell. Gründer von Palantir: der Demokratieverächter Peter Thiel, zugleich Aufsichtsrat bei Facebook und Mitfinanzier von Trumps Wahlkampf.

Trumps Vorbereitungen zur Abschaffung der Demokratie

Der Plan: Donald Trump for President. Showlust und fehlendes Schmerzempfinden machten ihn zur perfekten Marionette. In der ersten Amtszeit sollte Trump Knotenpunkte der US-Demokratie – Wahlrecht, Supreme Court, Vertrauen der Bürger – demolieren, um in der zweiten Amtszeit ein Plebiszit zu organisieren: Die US-Bürger sollten ihre schwach scheinende Demokratie per Verfassungsreform in eine Digtatur verwandeln.

Parallelen zum Brexit? In der Digtatur werden Entscheidungen allein auf Grundlage von Daten getroffen, die undurchsichtigen Kriterien aber bestimmen die Anführer. Bürger hätten etwa nicht mehr gleiche Rechte, sondern auf Datenbasis erworbene Vor- und Nachteile – die US-Variante des beneideten chinesischen Social-Score-Systems. Trumps wichtigste Aufgabe: das Klima vergiften, jegliches Vertrauen ins bestehende System ruinieren.

QAnon schürt Hass und Facebook spitzt zu

Schon 2017, in Trumps erstem Amtsjahr, war QAnon aufgetaucht, eine geheimnisvolle Sekte, die Trump als Retter gegen den angeblich geplanten Umsturz demokratischer Eliten pries. Wer war QAnon? Hatten sich Hacker einen Spaß erlaubt, der sich verselbstständigt hatte und bis in die Hirne deutscher Vegan-Köche wirkte? Oder waren noch ganz andere Profis am Werk?

QAnon schürte Hass, Facebook spitzte zu, verbreitete, das Gift wirkte: Straßenschlachten, Gebrüll, Menschen unfähig zum Diskurs. In dieser Angstlage würde Trump sicher wiedergewählt. Regionen, wo die Gewalt auch in seiner zweiten Amtszeit dem Schein nach unkontrollierbar tobte, sollte Palantir auf Trumps Betreiben hin digital überwachen. Angstlagen sind Geschäftsgrundlage für eine Alles-unter-Kontrolle-Datenbude wie Palantir, die Teile des staatlichen Sicherheitsapparats in die private Wirtschaft manövriert hatte. Tatsächlich, quasi-chinesisch, sorgte Thiels Krake für Ruhe.

Corona bringt Umsturzpläne zu Fall

Digitaler Staatsterrorismus gegen das eigene Volk? Digitale Revolution von innen? Egal: Die Digtatur schien ihre Überlegenheit bewiesen zu haben. Das Referendum besiegelte 2023 den Tod einer alten Demokratie. QAnons Umsturzgeschwurbel erwies sich als schlaue Projektion. Doch der Plan scheiterte. An Corona.

Das Virus kehrte zurück, mutiert. Es ließ sich weder digital beherrschen noch als chinesische Attacke verkaufen. Die Kontrolle der Datenhexer schwand. Um das Komplott zu verschleiern, zog Facebook noch vor Trumps Niederlage die Reißleine und ließ QAnon praktisch verschwinden. Das Entfachen eines Bürgerkriegs schien Trumps Marionettenspielern doch zu heikel. Der Plan wurde gestoppt. Vorerst. Fortsetzung folgt hoffentlich nicht.

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