Familie

Studie über empfindsame Kinder – die sensible Generation

Kinder von heute sind empfindsam wie nie. Sie benennen Probleme wie Mobbing und Burn-out. Aber sie sind auch solidarisch – und klug.

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Die Kleinsten können sich noch nicht an die Schutzmaßnahmen gegen Corona halten. Kita-Schließungen will Familienministerin Giffey aber verhindern. Ein Studie soll klären, wie riskant der Kita-Alltag ist.

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Berlin. Der Kaufladen ist eröffnet – und Ava (9) beansprucht für sich, die Geschäftsführerin zu sein, und bietet die Kekse hochpreisig an. Doch Teresa (8) will den Kunden nicht schröpfen und setzt sich für niedrigere Preise ein. Als Ava nicht mit sich reden lässt, sagt die Jüngere: „Das belastet mich jetzt.“ Da zeigt Ava sich plötzlich gesprächsbereit.

Eine typische Szene: „Die Kinder von heute können ihr Befinden sehr genau einschätzen und artikulieren“, sagt der Soziologe Sven Stadtmüller vom Forschungszen­trum Demografischer Wandel in Frankfurt.

10.000 Kinder aller Schulformen in fast allen Bundesländern hat sein Team interviewt, jedes Jahr zwischen 2014 und 2019, von der 5. bis zur 10. Klasse. Ziel der Befragung war es eigentlich, Erkenntnisse über Schulsicherheit und Verletzungsrisiko zu gewinnen. Heraus kam ein umfassender Blick auf die Kids von heute.

„Es ist eine sehr kritische und eine sehr sensible Generation“, ist Stadtmüllers Fazit. Präzise kann sie Probleme wie Burn-out, Mobbing, Einsamkeit und Traurigkeit – manche sprechen gar von „Depressionen“ – beim Namen nennen.

Kinder: So reflektiert ist die nächste Generation

Wächst da eine neurotische Generation heran? „Probleme werden heute eher angesprochen, Therapieangebote früher angenommen“, sagt der bekannte Kinderpsychologe Michael Schulte-Markwort (Bücher: „Kindersorgen“, „Familienjahre“). Aber: „Psychische Krankheiten nehmen nicht zu.“

Ansonsten decken sich seine Praxiserfahrungen mit denen der Studie: „Kinder können sich heutzutage bestens selbst reflektieren. Es ist, als spricht man mit Erwachsenen.“

Die Selbstreflexion lernen Kinder in ihren Familien, in denen sich mehr miteinander ausgetauscht wird. Schulte-Markwort räumt dabei mit dem Klischee der Helikoptereltern auf. „Überfürsorgliche Eltern gab es schon immer. Heute aber bringen Eltern ihren Kindern mehr Respekt und Wertschätzung entgegen, erklären ihnen Dinge, statt einfach nur zu verbieten.“

Das zahle sich aus: Die Kinder von heute haben einen besseren Zugang zu sich und zu anderen. Er ist sich sicher: Sie werden dadurch auch immer klüger.

Zwölf Prozent der Sechstklässler haben Mobbing-Erfahrungen

Auch Stadtmüller spricht von einer Generation, in welcher der Solidargedanke eine große Rolle spielt. „Der Zusammenhalt im Klassenverband ist für sie entscheidend fürs psychische Wohlbefinden.“ Mit Mobbing haben in der 6. Klasse 12,2 Prozent Erfahrung. Aber: Drei Viertel der Schüler fühlten sich in der Klasse akzeptiert und unterstützt.

Die Sorgen hätten sich verändert, berichten beide Experten: Angst vor ökologischen Katastrophen spielt eine große Rolle – sowie Stress und Versagensängste. Früher standen Kinder unter dem Druck, es weiterzubringen als ihre Eltern. Heute, so Schulte-Markwort, sorgten sie sich, den Lebensstandard ihrer Eltern nicht halten zu können.

Besonders die Corona-Krise führte bei den Kindern zu einem Gefühl von Ungewissheit. „Corona belastet und löst Ängste aus“, sagt Schulte-Markwort. „Aber: Kinder sind anpassungsfähig. Und sie haben in der Krise auch Positives erlebt. Etwa dass Papa der bessere Lehrer ist.“

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