Verbrechen

Missbrauchsfall Münster: Zwei weitere mögliche Opfer

Bisher waren den Ermittlern drei Opfer im Missbrauchsfall von Münster bekannt – nun sollen zwei weitere Jungen belästigt worden sein.

Kriminalität: Polizei findet immer mehr Kinderpornografie

Ein trauriger Wert aus der Kriminalitätsstatistik: Die Zahl der Verstöße wegen Kinderpornografie stieg 2019 stark an. Auch die Fälle des sexuellen Missbrauchs von Kindern nahmen zu.

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Berlin/Münster. Der Missbrauchsfall Münster weitet sich aus: Nun sind zwei weitere mögliche Opfer bekannt geworden. Zwei Väter haben Anzeigen erstattet. Ihre Söhne sollen von in dem Fall bereits Beschuldigten belästigt worden sein. Das sagte ein Sprecher der Polizei Münster am Dienstagmorgen.

Die Anzeigen richteten sich nicht gegen den 27-jährigen Hauptverdächtigen aus Münster.

Missbrauchsfall Münster: Kein dringender Tatverdacht gegen Mutter

Die beiden Jungen seien im „gleichen Altersrahmen“ wie die bisher bekannten drei Opfer – also zwischen fünf und zwölf Jahren, teilte der Polizeisprecher mit. Weitere Einzelheiten nannte er zunächst nicht.

Bisher sind in dem am Wochenende bekannt gewordenen Fall elf Tatverdächtige aus mehreren Bundesländern festgenommen worden, sieben sitzen in Untersuchungshaft. Die Gartenlaube der Mutter des Hauptbeschuldigten in Münster gilt als Haupttatort.

Gegen die frühere Kita-Erzieherin bestehe aber kein dringender Tatverdacht und die Frau sitze demnach nicht in Untersuchungshaft, sagte Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur.

Wurde ein Junge vom eigenen Vater missbraucht?

Am Wochenende hatte die Polizei in Nordrhein-Westfalen über das Pädophilen-Netz berichtet. Die bisherigen drei Opfer, Jungen im Alter von fünf, zehn und zwölf Jahren, sollen teilweise stundenlang von mehreren Männern sexuell missbraucht worden sein – in einem Fall vom eigenen Vater, in einem anderem vom Lebensgefährten der Mutter. Die Männer sollen die Taten teilweise gefilmt haben.

Der Hauptbeschuldigte ist IT-Techniker. Er hat auch das WLAN für den Kleingartenverein eingerichtet, in dem einer der beiden bislang bekannten Tatorte liegt. „Er hatte auch Administratorrechte“, sagte eine Polizeisprecherin am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Inwieweit der Münsteraner damit auch Zugriff auf die Video-Überwachung des Kleingartenvereins gehabt habe, sei jetzt Teil der Ermittlungen.

Ermittler fanden hochprofessionelle technische Ausstattung zur Videoaufzeichnung. Sie stellten mehr als 500 Terabyte versiert verschlüsselten Materials sicher. Handelsübliche Computer für den Heimgebrauch haben Speicherplatten mit einer Größe von 1 bis 3 Terabyte.

Videos der Taten kursierten im Darknet

Der 27-jährige Hauptverdächtige soll den anderen Männern für den Missbrauch den zehnjährigen Sohn seiner Lebensgefährtin überlassen haben. Die Kinder sollen vor den Taten betäubt worden sein. Bilder und Videos der Taten bot der Hauptverdächtige im Darknet an.

Nach der Auswertung der ersten Daten gehen Polizei und Staatsanwaltschaft davon aus, dass bislang nur ein kleiner Teil der mutmaßlichen Verbrechen bekannt geworden ist. Viele der Daten müssen noch entschlüsselt werden.

Die Mutter des Hauptverdächtigen arbeitete in einer Kita

Die Mutter des Verdächtigen soll bis zu ihrer Festnahme als Erzieherin gearbeitet haben. „Die Leitung der Kita wurde von uns informiert“, sagte Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt. Derzeit gebe es aber keine Hinweise auf Taten der 45-Jährigen im Kindergarten. Sie soll ihrem Sohn die Schlüssel für die Gartenlaube überlassen und den sexuellen Missbrauch der Kinder in Kauf genommen haben.

Die Ermittler hätten „unfassbare“ Bilder sehen müssen, sagte der Leiter der Ermittlungen, Joachim Poll. Münsters Polizeipräsident Rainer Furth sagte: „Selbst die erfahrensten Kriminalbeamten sind an die Grenzen des menschlich Erträglichen gestoßen und weit darüber hinaus.“ Lesen Sie dazu: Missbrauch in Münster: Kramp-Karrenbauer will harte Strafen

Lügde, Bergisch Gladbach – jetzt Münster

In Nordrhein-Westfalen sind in den zurückliegenden Jahren mehrmals schwere Fälle von sexuellem Missbrauch von Kindern entdeckt worden. Zuerst Ende 2018 der Fall Lügde, bei dem mehrere Männer auf einem Campingplatz an der Landesgrenze zu Niedersachsen über 30 Kinder jahrelang vergewaltigt und die Bilder zum Teil über das Internet angeboten hatten.

Seit Monaten ermitteln Beamte unter Federführung der Kölner Polizei zudem in einem bundesweiten Missbrauchskomplex, der in Bergisch Gladbach seinen Anfang nahm. Dort hatten Ermittler im Oktober die Wohnung eines 42-Jährigen durchsucht und riesige Mengen kinderpornografischen Materials gefunden. Spezialisten sind bis heute mit der Auswertung beschäftigt. Lesen Sie dazu: Kindesmissbrauch Bergisch Gladbach: Ein Angeklagter gesteht. (dpa/max)

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