Corona-Pandemie

Corona-Flucht: Wie Zweitwohnungs-Besitzer die Regeln umgehen

Viele Bundesländer verbieten Besitzern von Zweitwohnungen einzureisen. Wie manche es doch schaffen und wie die Bürgermeister reagieren.

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Berlin. Der Hamburger Unternehmer (67) verabschiedet sich auch in den Corona-Wochen jeden Freitagmorgen von seiner Familie. Drei erwachsene Kinder, einige Enkel. Er teilt ihnen per Whatsapp mit, dass er sehr früh losfährt, immer schon gegen fünf Uhr morgens. Richtung Plöner See, dort hat er ein Haus, einen Steg, ein Boot. Das hat man oder man hat es nicht.

In Plön parkt er sein Auto mit Hamburger Kennzeichen „HH“ ein paar Straßen vorher, die restlichen Meter geht er zu Fuß. Der Unternehmer, der nicht namentlich genannt werden will, weiß, dass es zur Zeit verboten ist, seinen Zweitwohnsitz oder seine Ferienwohnung zu besuchen. Er macht es aber trotzdem. Und will natürlich wegen eines falschen Kennzeichens nicht auffliegen.

Der Hamburger hat bisher Glück gehabt. Denn Plöns Bürgermeister Lars Winter weiß auf Nachfrage dieser Redaktion von keinerlei Anzeigen zu berichten. „In Plön hat es einfach keine Probleme mit Zweitwohnungen gegeben.“ Natürlich wäre eine umfassende Kontrolle auch zu aufwendig, sagt er. Und man merkt: Das ist auch nicht der Plöner Stil. Das Land Schleswig Holstein will das Zutrittsverbot von Zweitwohnungen auf dem Festland, den Inseln und Halligen erst am 4. Mai wieder erlauben.

Zweitwohnung: Wie eine Kölnerin sich in ihr Haus auf Husum flüchtete

Die Kölner Lektorin Lena Wolters (40) ist noch vor dem Shutdown mit ihrem Mann, mit dem sie ein PR-Büro hat, von Köln nach Husum geflüchtet, wo sie seit drei Jahren ein Haus besitzen. „Ich habe Vorerkrankungen und wollte einfach nur weg aus der Großstadt“, schildert sie ihre Gründe unserer Redaktion am Telefon. Auch sie möchte ihren wirklichen Namen nicht öffentlich nennen: „Es ist besser, unter dem Radar zu bleiben. Die Rechtslage ist ja noch ungeklärt. Wir fühlen uns hier wie in der Illegalität.“ Sie verlassen das Haus wenig und hatten auch schon skeptische Nachfragen von Einheimischen. Wolters hat dann darauf verwiesen, dass sie ja praktisch dazugehöre – ihre Eltern sind beide in Husum geboren, aber noch vor Wolters‘ Geburt nach Nordrhein-Westfalen gezogen.

In Deutschland haben 1,039 Millionen Haushalte einen Zweitwohnsitz, 80 Prozent davon in Eigentum. Rund 733.000 Haushalte haben bei den Finanzämtern angegeben eine Freizeitwohnung zu haben, die Zahlen lieferte das Statistische Bundesamt.

Zweitwohnung in Zingst, Schönberg, Laboe und Wildau: Einreise schwierig

Viele dieser Zweitwohnungsbesitzer besuchen trotz Corona-Verboten in einigen Bundesländern ihre Häuser. Eine Umfrage bei Bürgermeistern und Bürgermeisterinnen in deutschen Urlaubsregionen ergab ein sehr unterschiedliches Bild.

Christian Zornow, Bürgermeister der Gemeinde Zingst in Mecklenburg-Vorpommern berichtet, dass er zwar viele Anrufe von den Zweitwohnungsbesitzern erhalten habe, die teils auch hartnäckig darauf bestanden hätten, trotz Corona anreisen zu wollen: „Doch am Ende haben sich alle an das Verbot gehalten“, so Zornow.

Ähnlich hat es auch Frank Kracht, Bürgermeister von Sassnitz erlebt. Zwar habe er darauf geachtet, dass sich an das Einreiseverbot gehalten würde, weil es auf der Insel Rügen nur 20 Intensivbetten gibt – aber kontrollieren, habe man nicht können. Mecklenburg-Vorpommern ist ab 1. Mai wieder für Zweitwohnungsbesitzer offen.

Aufgepasst: Anwohner meldeten fremde Kennzeichen

Amtsdirektor Sönke Körber vom Amt Probstei in Schleswig-Holstein erlebte die vergangenen Wochen ein bisschen anders. Oft riefen nervöse Anwohner an, die in den Orten Schönberg oder Laboe fremde Kennzeichen gesehen haben. „Ich musste dann erst einmal aufklären, dass das Kennzeichen nichts darüber aussagt, ob man hier mit Erstwohnsitz gemeldet ist.“ Den Meldungen sei man aber nachgegangen, habe aber nie jemanden erwischt.

Rund um den Schönberger Strand wurde dann schließlich ein Zettel hinter die Windschutzscheiben von Autos mit fremden Kennzeichen gesteckt, der aussah, als ob er amtlich sei. War er aber nicht.

Körber antwortete mit einem Text auf der Homepage seines Amtes: „Auf gar keinen Fall lässt sich aber alleine aus einem Kennzeichen an einem Auto oder Fahrzeug ein Missbrauch auf diese Regelungen schließen. Wir stellen mit einigermaßen Schrecken fest, dass es offensichtlich Menschen gibt, die dies glauben und Hinweise an Fahrzeugen anbringen. Das ist weder klug noch richtig und erst Recht nicht angemessen im Umgang mit der Krise.“

In Brandenburg erfuhr der Ort Ostprignitz-Ruppin ziemlich viel Aufmerksamkeit. Der Landkreis hatte als einziger in Brandenburg eine Verfügung erlassen, nach der touristische Einreisen in das Gebiet von Ostprignitz-Ruppin aus privatem Anlass untersagt sind. Zwei Berliner hatten geklagt, das Potsdamer Verwaltungsgericht kassierte die Verfügung des Landkreis ein.

In Brandenburg hat man keine Angst mehr vor den Berlinern, nur vor dem Feuer

Im Brandenburger Ort Wildau ist es laut Bürgermeisterin Angela Homuth „total ruhig“, in ihrer Gemeinde gibt es zirka 100 Zweitwohnungen bei 10.000 Einwohnern. „Mir macht zur Zeit eher die Dürre sorgen“, sagt sie. In Brandenburg gelte Waldbrandstufe 5, da dürfe man zur Zeit nicht einmal im Garten ein Feuer machen.

Im Bundesland Bayern gibt es zwar noch bis zum 3. Mai eine strenge Ausgangsbeschränkung, aber seine Zweitwohnung durfte man immer besuchen. Dementsprechend viel ist in den Gemeinden rund um den Ammersee, gut 50 Kilometer von München entfernt, los. „Wenn einem eine Wohnung gehört, dann gehört die dem auch. Dann ist das seine Sache, ob er hierherfährt oder nicht“, sagt Siegfried Luge, Bürgermeister von der Gemeinde Eching am Ammersee. Ihm liege es absolut fern, irgendwelche Wohnungen zu kontrollieren. Allerdings sei im Moment wegen der Kite-Surfer so viel los am See, dass er darauf aufpassen müsse. Die dürften zwar surfen, weil sie dabei allein sind und mit viel Abstand. „Wenn jetzt aber die Tagesausflügler wieder verstärkt anreisen, wird es dramatisch.“ Dann wolle der Bürgermeister einschreiten.

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