Schlagerstar

Jürgen Drews: Der König von Mallorca wird 75 Jahre alt

Jürgen Drews feiert seinen 75. Geburtstag in Münsterland-Quarantäne, vermisst Mallorca und ist wie drei Junge verliebt in seine Ramona.

Lange vor langen Ballermann-Nächten: Jürgen Drews Ende der Siebziger in Dieter Thomas Hecks Hitparade im „Z – D – F“.

Lange vor langen Ballermann-Nächten: Jürgen Drews Ende der Siebziger in Dieter Thomas Hecks Hitparade im „Z – D – F“.

Foto: dpa Picture-Alliance / Röhnert / picture alliance / Keystone

Dülmen. Der König von Mallorca sitzt im Corona-Exil im Münsterland. „Gerade habe ich Bilder vom Ballermann im Fernsehen gesehen“, erzählt Jürgen Drews am Telefon aus seinem Haus in Dülmen. „Alles leergefegt, ich fass es nicht.“ Seit dem 7. März ist er daheim, „so lange wie noch nie“, sagt der Schlagerstar.

Es ist das erste Mal seit Ewigkeiten, dass er um diese Zeit nicht unterwegs ist. Die Mallorca-Saison würde bald beginnen, bald hätten die Fans an Orten wie der Freiluft-Disco „Megapark“ seine Hits mitgegrölt, „Ein Bett im Kornfeld“ oder „Ich bau dir ein Schloss“. Nun verbringt er seinen 75. Geburtstag in Dülmen.

Jürgen Drews: Habe schon etwas Angst vor Corona

„Ich gehöre in meinem Alter zur Corona-Risikogruppe, ich habe schon etwas Angst. Ich schlurfe nicht durch die Gegend“, sagt er. Einkäufe übernimmt seine 30 Jahre jüngere Ehefrau Ramona, „immer mit Handschuhen“.

Man merkt ihm an, dass es ihn juckt während dieser Zwangspause, auch wenn er behauptet, dass er „nicht mehr ganz so viele Hummeln in der Buxe“ habe wie einst. Einer wie Drews will hinaus, auf die Bühne. „Ich hoffe, das Ganze ist bald wieder überstanden und ich kann wieder auf nach Mallorca“, sagt er. Die Ferieninsel sei er auch nach all den Jahren nicht leid, im Gegenteil: „Es wird immer besser, die Stimmung, die Begeisterung, die Partys.“

Drews: „Monogamie ist mir bei Ramona nie schwergefallen“

Er könne sich über seine Quarantäne aber nicht beschweren. „Ich weiß, wie hart es für Leute ist, die in engen Wohnungen sitzen. Ich habe ein großes Haus, einen Garten mit Kirschbäumen, drei Hunde, und vor allem habe ich meine Ramona.“ Mit seiner Ehefrau, Tochter eines Dülmener Lebensmittelhändlers, ist er seit 30 Jahren zusammen.

Sie muss gerade in der Nähe sein, denn der 75-Jährige schwärmt wie drei vernarrte 25-Jährige: „Wenn ich sie ansehe, bin ich einfach nur verrückt nach ihr. Verliebtsein ist etwas, was vergeht, sagt man immer. Ich bin jeden Tag verliebter in sie. Sie kennt meine Gedanken, sie weiß, wie ich mich fühle.“ Und auch körperlich sei die Anziehung ungebrochen. „Monogamie ist mir bei Ramona nie schwergefallen“, sagt er.

Seine wichtigste Regel: „Nie ausfallend werden.“ Noch nicht einmal hätten sie sich bei Auseinandersetzungen im Ton vergriffen, geschweige denn „Fäkalsprache“ benutzt. „Ich wünsche jedem, diesen einen Menschen zu finden, es ist einfach geil.“ Er bedauert, dass die Leute offenbar bei ihren Beziehungen zu schnell das Handtuch werden. „Auch wenn die erste Verliebtheit weg ist, heißt es nicht, dass man sich nicht lieben kann.“

75 Jahre sind für Drews ein „Opa-Alter“

Eigentlich wollte er mit Ramona am Wilden Kaiser wandern, nun feiern sie den Geburtstag zu zweit daheim, die Tochter wird sich über Skype dazuschalten. Ramona wird ihm einen Schokoladenkuchen backen, und sie machen sich schick für einander. „Das ist der Respekt, den wir für einander haben.“

Unfassbar findet er es, dass er schon 75 wird. Für ihn sei das immer ein Opa-Alter gewesen. „Ich bin topfit“, sagt er. Seinetwegen könne das noch ewig so weitergehen, die Auftritte, die Begeisterung des Publikums spüren, das ihn als „Onkel Jürgen“ feiert, immerhin nicht als „Opa Jürgen“. Auch wenn ihm die berühmte Jürgen-Pirouette zunehmend schwerer falle. „Die habe ich mir einfallen lassen, weil ich noch nie tanzen konnte“, erinnert er sich.

Drews fällt gerne singend ins Wort

„Unfassbar“ ist auch einer seiner neuen Titel, den er zum Geburtstag veröffentlich hat, und Drews schmettert den Partysong gleich mal am Telefon. Wer mit dem Showstar telefoniert, muss bereit sein, den Gesprächsfaden immer wieder für die aus ihm herausplatzenden Gesangseinlagen zu opfern. Auch den zweiten Titel stimmt er an: „Was einmal war das kommt nie wieder“.

Melancholisch sei der nicht gemeint. Eher als eine Botschaft an alle, jeden Moment des Lebens zu genießen. Drews erinnert sich gerne an die wilden 60er- und 70er-Jahre, als er als Musiker bei den Les Humphries um die Welt zog – ohne ihnen hinterherzutrauern. „Es war alles genial, ich würde nichts ändern, aber es ist vorbei.“

Sobald die Corona-Krise vorbei ist, will er sich an die Straße stellen und im Megaphon „Was einmal war, das kommt nie wieder“ singen. „Ich werde das Münsterland aufwecken.“ Wo man jetzt am besten ein Megaphon herbekomme, will er wissen. Er meint es ernst.

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