Popmusik

Aufsteigerin Billie Eilish – Teenie-Idol und Eltern-Schreck

Die 18-jährige Billie Eilish gilt als unfassbar talentiert – und singt über dunkle Seite der Seele. So tickt der Popstar des Jahres.

Billie Eilish rockt Grammys 2020

Tolle News für Fans! Billie Eilish wird die Bühne der Grammys 2020 rocken. Sie kann zudem auf sechs Awards hoffen. Weitere Details zur Veranstaltung rund um den begehrten Musikpreis gibt es hier.

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Berlin. Die ersten zwei Monate des neuen Jahres sind um, und wenn die meisten Menschen Bilanz ziehen, stellen sie fest, dass, von ein paar geplatzten Vorsätzen abgesehen, so viel noch nicht passiert ist. Bei Sängerin Billie Eilish aber läuft’s.

Die 18-Jährige durfte als jüngste Künstlerin aller Zeiten den neuen James-Bond-Song singen, „No Time To Die“. Es ist der am erfolgreichsten gestartete Bond-Song aller Zeiten. Die Verkäufe ihres Debütalbums knackten die Drei-Millionen-Marke. Sie gewann den Brit Award und fünf Grammys. Und sie sang bei der Oscarverleihung den Beatles-Klassiker „Yesterday“ für die Toten des Jahres. Nicht schlecht für einen Teenager.

Ob Billie Eilish, der erste große Popstar, der in diesem Jahrtausend geboren wurde, mit verstorbenen Hollywoodgrößen wie Kirk Douglas oder Doris Day etwas anfangen konnte, die während ihrer Hommage über eine Leinwand flimmerten? In einer Talkshow wusste sie nicht, wer Van Halen und Run-DMC sind.

Muss sie in ihrem Alter auch nicht wissen, ihre Oscar-Performance jedenfalls sorgte für Begeisterung. „Das war Müll“, fand Eilish dagegen selbst. „Ich hab den Auftritt vermasselt. Ich war so aufgeregt, es waren einfach nicht meine Leute da.“

Billie Eilish schreibt ihre Songs zusammen mit ihrem Bruder

Selbstzweifel, sprunghaft wechselnde Gefühle, Distanz zum eigenen Erfolg – das liegt in Eilishs DNA. „Ich habe mich in letzter Zeit so gehasst gefühlt“, sagte sie in ihrer Dankesrede bei den Brit Awards und spielte auf die Spottkommentare im Internet an, der Preis für das Leben mit Instagram, Youtube oder Snapchat. Dann habe sie das Lächeln der Leute im Publikum gesehen und weinen wollen.

Ihre Lieder schreibt sie selbst, zusammen mit ihrem Bruder Finneas (22). Ihren ersten Song komponierte sie mit gerade mal elf. Inspiration sei die Zombie-Serie „The Walking Dead“ gewesen, sagt sie. Eilish war eben nie ein Kind, das sich für den Disney-Kanal begeistern ließ.

Die Eltern, wohlhabende Künstler in Los Angeles, ermutigten sie, ihre Lieder ins Netz zu stellen. Sie wurden virale Hits, bald buhlten Plattenfirmen um sie. Die Musik ist eine ungewöhnliche Mischung aus Electro, Hip-Hop und Indiepop, ihr zurückgenommener, abgeklärter Gesang klingt nicht nach Teenager. Herkömmliche Songstrukturen bricht sie auf; Re­frains sind für sie wohl von gestern.

Billie Eilish: Talent und Tourette-Syndrom

All das macht sie zur Antithese von Sängerinnen wie Taylor Swift, Ariana Grande und Selena Gomez mit ihrem Sexy-Pop-Schnuckelchen-Image und ihrem kalten Ehrgeiz. Ihre absurde bunte Kleidung löst alle Proportionen auf – sie sei ihr Schutz, erklärt sie. Eilish präsentiert sich als Prototyp des problematischen, aber vorzeitig lebensklug gewordenen Teenagers, als geniales Mängelexemplar.

Sie spricht und singt über Ängste, Selbstverletzungen, Depression oder das Tourette-Syndrom, das bei ihr Bewegungsticks auslöse. „Ich bin eine von der schlimmen Sorte, die deine Mama traurig macht. Die deine Freundin richtig sauer macht. Die Sorte, die deinen Papa verführen könnte. Ich bin die Böse“, heißt es in ihrem Hit „Bad Guy“.

„Meine zwölfjährige Tochter liebt die todessehnsüchtige Musik von Billie Eilish, muss ich mir jetzt Sorgen machen?“, fragte der Feuilletonist der „Süddeutschen Zeitung“.

Die Frage zeigt die Ratlosigkeit, die alte Menschen, also alle über 30, angesichts von Billie Eilish empfinden. Ihre Mischung aus Verweigerung und Leistungsstärke, aus eingestandener Angst und nassforschem Mut, aus Frühreife und kindlichem Trotz irritiert. Sie wirkt, als würde sie gleich genervt mit den Augen rollen. „Ich hasse es zu lächeln“, sagt sie und lächelt dann doch – manchmal. „Ich habe so viele Fragen“, sagt sie auch. Oder: „Die Leute unterschätzen die Kraft des jungen Geistes. Wir werden ignoriert, das ist blöde. Wir wissen allles.“

Man mag es sich nicht ausmalen, wie sie reagierte, wenn man ihr mit einem „Ja, aber“ käme. Keine Frage, Billie Eilish, Veganerin, ist der erste Popstar der Generation Greta.

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