Ermittlungen

Wie krumm waren die Geschäfte von König Juan Carlos?

Laut Berichten wird gegen Juan Carlos von Spanien ermittelt. Es geht um Korruption, Geldwäsche und eine „Schenkung“ an eine Geliebte.

Juan Carlos im Juni 2019 in Paris: Vor sechs Jahren dankte er ab.

Juan Carlos im Juni 2019 in Paris: Vor sechs Jahren dankte er ab.

Foto: Rindoff Petroff/Suu / Getty Images

Madrid. Spaniens früheres Staatsoberhaupt, König Juan Carlos, befindet sich seit sechs Jahren im Ruhestand. Doch seine Amtszeit, in der er zuletzt vor allem mit Seitensprüngen, Elefantenjagden und fragwürdigen Geschäften für Schlagzeilen sorgte, holt ihn immer noch ein. Wie mehrere spanische Medien berichten, ermittelt die Staatsanwaltschaft in Madrid gegen den 82-Jährigen wegen des Verdachts, ein millionenschweres Schmiergeld kassiert zu haben.

Auch die Schweizer Behörden wurden demnach eingeschaltet, weil Spuren verdächtiger Geldzahlungen auf Genfer Konten entdeckt worden seien. Die Ermittlungen rollten in beiden Ländern bereits vor zwei Jahren an. Anlass waren brisante Audiobänder von Juan Carlos’ deutscher Ex-Geliebten Corinna zu Sayn-Wittgenstein. Diese Aufzeichnungen, die 2015 heimlich von einem spanischen Polizeioffizier gemacht wurden, enthalten Aussagen, die Juan Carlos schwer belasten und den Ermittlern aufschlussreiche Hinweise lieferten.

Juan Carlos soll Geliebter Millionen „geschenkt“ haben

Auf den Bändern sprach Sayn-Wittgenstein zum Beispiel davon, dass Juan Carlos für die Einfädelung eines Milliardengeschäfts zwischen der spanischen Industrie und Saudi-Arabien auf die Zahlung einer hohen Kommission bestanden habe. Dabei handelte es sich um den Bau der Hochgeschwindigkeitsstrecke von Medina nach Mekka, die zwischen 2006 und 2008 ausgeschrieben worden und 2018 fertiggestellt worden war.

Sayn-Wittgenstein, Kunstsammlerin und Hobby-Jägerin, ist eine der schillerndsten Personen des Jetsets. Ihren Titel verdankt die Unternehmertochter aus Frankfurt/Main einer kurzen Ehe mit dem zwölf Jahre jüngeren Casimir Prinz zu Sayn-Wittgenstein. In ihrer Wahlheimat Monaco ist die 56-Jährige „strategische Beraterin“ des Fürstenhauses.

Auch für sie könnte es nun eng werden: Laut „El País“ liefen Ermittlungen gegen Sayn-Wittgenstein sowie eine beteiligte Bank. Denn die Society-Lady erhielt ein königliches Geschenk, das sie besser nicht angenommen hätte.

Die Zeitung „Tribune de Genève“ berichtete über Einzelheiten: Demnach überwies das saudische Finanzministerium im Jahr 2008 rund 100 Millionen Dollar auf ein Genfer Konto. Inhaber sei eine Stiftung in Panama gewesen, als deren einziger Begünstigter Juan Carlos firmiert habe. Im Jahr 2012 habe Juan Carlos einen Großteil des Geldes auf ein Schweizer Konto seiner damaligen „Amiga“ Corinna zu Sayn-Wittgenstein verschoben – deklariert als Schenkung.

Juan Carlos genießt nur noch beschränkte Immunität

Die Anwälte sowohl von Sayn-Wittgenstein als auch von des Altkönigs bestreiten die Vorwürfe.. Juan Carlos habe sich seiner Freundin und ihrem Sohn verbunden gefühlt und sich mit dieser „Spende“ dafür erkenntlich zeigen wollen, dass sie ihm während einer gesundheitlichen Krise beigestanden habe.

Sollte der Staatsanwalt seinen Verdacht bestätigt sehen, könnte es zu einer Anklage gegen Sayn-Wittgenstein wegen „mutmaßlicher schwerer Geldwäsche“ kommen. In ihren Ermittlungen nehmen die Schweizer Behörden auch den ausschweifenden Lebensstil des Königs ins Visier. So soll er beispielsweise in Privatjets zum Großen Preis von Abu Dhabi geflogen sein oder in die Dominikanische Republik, bezahlt von Geldern, die sein Cousin aus dubiosen Geschäften erhalten haben soll. Auch Sayn-Wittgenstein, so die Schweizer, habe die königliche Flugbereitschaft genutzt.

In Spanien könnte derweil Altkönig Juan Carlos vor den Richtern landen. Seit seiner Abdankung in Jahr 2014 genießt er nur noch eine beschränkte Immunität, welche theoretisch von Spaniens Oberstem Gerichtshof aufgehoben werden kann.

Allerdings hat sich in der Vergangenheit schon mehrfach gezeigt, dass Spaniens Justiz immer noch ihre schützende Hand über den Altkönig hält. So wurden in den letzten Jahren zwei Vaterschaftsklagen vom Obersten Gericht abgeschmettert.

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