Auszeichnung

Grimme-Preis 2020 für den Moderator Kurt Krömer

Das Grimme-Institut ehrt zum 65. Mal die besten Sendungen eines TV-Jahres. Immer mehr Preise gibt es dieses Mal für Streaming-Dienste.

Der Moderator Kurt Krömer.

Der Moderator Kurt Krömer.

Foto: Henning Kaiser / dpa

Essen/Marl. Es geht nicht um Geld, es geht ums Renommee. Es geht nicht um Quote, es geht um Qualität. Es geht um den Grimme-Preis. Am Dienstag wurden die Gewinner der 56. Auflage bekannt gegeben.

Zu Beginn, das ist so Tradition, zieht Grimme-Institut Direktorin Frauke Gerlach Bilanz. Zufrieden ist sie dabei mit der Zahl der eingereichten Beiträge. 850 sind es gewesen, und für Gerlach ist das der Beweis, dass der Grimme-Preis „konstant als Wettbewerb attraktiv ist“. Leider aber war unter der Masse nur wenig Klasse. In der Breite, räumt die Direktorin ein, sei sie „nicht sehr zufrieden“.

Grimme-Preis: Auch „Prince Charming“ wird von der Jury geehrt

In der Spitze allerdings ist sie das sehr wohl. „Da war es wieder ein guter Jahrgang.“ Gerade die Preisträger im Wettbewerb „Information & Kultur“ seien eingegangen auf die politische und gesellschaftliche Unruhe im Land. Auswirkungen des Klimawandels, die Demonstrationen der Fridays for Future-Bewegung, der wachsende Rechtspopulismus sowie die Debatten um die Seenotrettung, all dies sei thematisiert worden.

Manchmal gelingt es sogar in der Abteilung „Unterhaltung“ gesellschaftlich relevant zu sein. Bei „Chez Krömer“ etwa, einer Talkshow im RBB-Fernsehen, in der Gastgeber Kurt Krömer Prominente und weniger Prominente in einer Art Verhörzimmer mit ihrer Biografie konfrontiert. Stets frech, oft hart, zuweilen gar übergriffig.

30 Minuten, in denen man sich als Gast unter Krömers Fragefeuer schnell mal um Kopf- und Kragen reden kann. Er wolle „Journalismus mit Comedy mischen“, sagt Krömer, wolle „Unterhaltung, die in die Tiefe gehe“. Viele potenzielle Gäste wollten das anfangs anscheinend nicht. „Ich habe bestimmt 200 Absagen bekommen“, erinnert sich der Wahl-Berliner. Mittlerweile aber drängten sich Bewerber fast schon auf. „Man hat gemerkt, dass das ein faires Spiel ist, was wir spielen.“ Und für das es nun einen Grimme-Preis gibt.

Heinrich Breloer ausgezeichnet

Den gibt es immer öfter auch für Produktionen, die gar nicht mehr im klassischen TV, sondern im Bezahlfernsehen oder einem der großen Streaming-Dienste laufen. Neben den Netflix-Produktionen „Skylines“ über das Hip-Hop-, Finanz- und Drogengeschäft in Frankfurt am Main und der Serie „How to sell Drugs online (fast)“ erhält auch der Sky-Krimi „Der Pass“ mit Nicholas Ofczarek und Julia Jentsch in den Hauptrollen einen Grimme Preis.

Die laut Gerlach vielleicht größte Überraschung aber ist der Grimme-Preis für „Prince Charming“ , eine Art Bachelor für schwule Männer, das bisher nur auf dem Streaming-Dienst TVNow zu sehen war. „Der glänzend ausgewählte Cast vermittelt echte Vielfalt. Dazu kommt, dass den Protagonisten der nötige Raum gegeben wird, um Botschaften für mehr Toleranz in die Welt zu schicken; ernsthaft und unterhaltsam zugleich“, erklärt die Grimme-Jury ihre Auswahl

Und dann ist da noch die „Besondere Ehrung des Deutschen Volkshochschul-Verbands (DVV)“, die in diesem Jahr an Heinrich Breloer (Buddenbrooks, Brecht, Die Manns, Speer und er) geht. Der gebürtige Gelsenkirchener, lobt DVV-Direktor Ulrich Aengenvoort den Ausgezeichneten, sei „Mitbegründer und profiliertester Autor und Regisseur des Doku-Dramas“. Einer, der immer neugierig ist, der alles wissen will. Und der kaum etwas vergisst. Zumindest nicht, wie viele Grimme-Preise er schon hat. „Das ist der achte.“

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