Frauengold-Kolumne

Warum gerade kluge Frauen mehr Alkohol trinken

Alkohol gehört für Frauen längst zum Alltag. Trinken können wir wie Männer. Spaß hin oder her, wir sitzen in der Emanzipationsfalle.

Rotwein unter Freundinnen ist herrlich. Doch der Alkoholkonsum der Frauen ist auch Ergebnis der Emanzipation.

Rotwein unter Freundinnen ist herrlich. Doch der Alkoholkonsum der Frauen ist auch Ergebnis der Emanzipation.

Foto: Javier Pardina / imago/Westend61

Berlin. Eine der schönsten Errungenschaften der Emanzipation ist, dass wir Frauen uns nicht mehr mit Tee im Salon begnügen müssen, während unsere Männer beim Whiskey das Herrenzimmer vollqualmen. Anders gesagt: Wir Frauen sind beim Alkohol voll dabei. Und wir kennen uns aus – mit dem Trendwein Gewürztraminer, mit den Craft-Biersorten aus der Kreativ-Brauerei, mit Gin-Rezepten.

Wir können mit Kennermine schlürfen und werden vom Sommelier für voll genommen. Kurz: Wir müssen längst kein hochprozentiges Glückselixier namens Frauengold heimlich in den Tagesablauf integrieren, sondern können lässig im Restaurant die Weinkarte oder einfach ein paar Drinks an der Bar ordern und auch sonst bei jeder Gelegenheit zum Glas greifen, ohne uns zu rechtfertigen müssen.

Alkohol: Gründe zu trinken gibt es schließlich genug:

  • a) War einfach ein klasse/furchtbarer/stressiger Tag heute
  • b) Das Kind konnte die Mathearbeit/konnte sie nicht
  • d) Wir sitzen hier so schön zusammen
  • e) der Partner/die Freundin trinkt doch auch
  • f) g) h)…

Tatsache ist: Alkohol ist Alltag. Wir trinken mit Kollegen, um Stress abzubauen. Wir kuscheln uns mit dem guten Rotwein ins Sofa. Wir trinken beim Telefonat mit der Schwiegermutter, das geht dann leichter. Und wir trinken im Urlaub.

Erst mal einen Rosé aufs Haus

Zum Beispiel neulich beim Skilaufen. Die Hotelterrasse lag in der Sonne. Es war kurz nach Mittag und damit Après-Ski-Zeit. Jeder Neuankömmling wurde mit einem im Gegenlicht funkelnden Gläschen Rosé „aufs Haus“ begrüßt. Ich hatte einen Schnupfen, ließ mir die Sonne ins Gesicht scheinen und den Rosé schmecken.

Später gab es Abendessen mit Aperitif, Blauem Zweigelt zum Fondue und dann noch einen Absacker an der Bar. Bisschen viel, oder? Na ja, ist doch Urlaub.

Und dann die Williamsbirne

Am nächsten Tag winke ich bei der hochprozentigen Williamsbirne ab, die gerade wieder „aufs Haus“ verteilt wird. Der Kellner zieht die Augenbrauen hoch. „Es gibt nichts Besseres“, sagt er. Jemand ruft: Den musst du einfach probieren, den macht der Hubi selbst. „Ich muss gar nichts“, sage ich und fühle mich als Stimmungskiller stigmatisiert.

Gruppenzwang Alkohol. Tatsächlich rechtfertigen sich inzwischen Frauen, wenn sie abstinent sind oder vorsichtig im Umgang mit Bier, Wein & Co.

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Alkohol verträgt der weibliche Körper leider schlechter

Grund genug haben sie: Der weibliche Körper verträgt nichts, und das ist das Gemeine. Er hat einen höheren Fett- und einen geringeren Wasseranteil als der Männerkörper. Dadurch werden Frauen nicht nur schneller betrunken, sondern können Alkohol auch nicht so schnell abbauen wie Männer. Das Risiko für Herz- und Gehirnschäden und Brustkrebs steigt.

Wir können die Gefahren längst runterbeten. Und wir kennen die Grenze – 100 Milliliter Wein am Tag. Ein halbes Gläschen, und das noch nicht mal jeden Tag. Mit den Trinkgewohnheiten hat diese Menge wenig zu tun. Tatsache ist: Je emanzipierter und gebildeter Frauen in einer Gesellschaft leben, desto mehr trinken sie, haben Wissenschaftler herausgefunden.

Ausgleich zum Alkohol: Pilates vor dem Fernseher

Weil wir so gebildet sind, kompensieren wir dann unser schlechtes Gewissen mit der morgendlichen Laufrunde und den Pilates-Übungen vor dem Fernseher, essen kaum noch Fleisch und wenn, dann Bio. Wahrscheinlich ist das der Grund, warum im Supermarkt in der Prenzlauer-Berg-Blase (könnte auch in Essen-Rüttenscheid sein) neben dem Bio-Huhn so oft der Grüne Veltliner aus ist.

Alkohol und das Wissen darüber gilt eben als Kulturgut, so wie gutes Essen. Blöd ist nur, wenn das Kulturgut missbraucht wird. Dann macht es einfach keinen Spaß mehr.

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