Lungenkrankheit

Coronavirus: Spahn warnt vor Panikmache durch Fake-Videos

Im Internet werden offenbar gezielt Fehlinformationen zum Coronavirus verbreitet. Nun warnt auch Jens Spahn. Die wichtigsten Tipps.

Coronavirus: "In Deutschland muss man keine Angst haben"

In China wächst die Angst vor dem neuartigen Coronavirus. In Deutschland sind die Risiken bisher überschaubar, erklärt der Leiter des Instituts für Virologie an der Berliner Charité, Christian Drosten.

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Berlin. Sobald ein gesamtgesellschaftliches Thema aufkommt, dauert es in der Regel nicht lange, bis Menschen versuchen, es für sich zu vereinnahmen – nicht immer mit guten Absichten. Auch zum Coronavirus werden in den sozialen Medien bereits Falschmeldungen und Videos verbreitet, die offensichtlich verunsichern sollen.

Für Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erreichen die Fake News rund um Corona derartige Ausmaße, dass er nun davor warnt. „Gerade in sozialen Medien sind viele mit ganz eigenen Interessen unterwegs, die Bürgerinnen und Bürger verunsichern wollen“, sagte Spahn den Fernsehsendern RTL und n-tv.

Spahn befürchtet, dass Falschmeldungen und Verschwörungstheorien „uns in unserer Debatte, in der Gesellschaft zersetzen wollen“. Er empfiehlt, etwa bei Videos nicht nur über soziale Medien zu informieren, sondern vor allem auf den offiziellen Seien.

Besonders häufig geteilt wird derzeit ein Video von einer Person, die sich als „Odysseus“ bezeichnet und auch einen YouTube-Kanal betreibt – in dem es bisher vorrangig um Verschwörungstheorien zu den Themen 5G und Klimaschutz ging.

Nun widmet sich Odysseus also dem Coronavirus. Und verbreitet aktiv Falschinformationen zum Thema. Die Internetseite Mimikama, die ihre Aufgabe darin sieht, Online-Falschmeldungen zu korrigieren, hat das Video einen Faktencheck unterzogen – fast nichts daran ist richtig.

Mimikama schreibt dazu: „Auch wenn in dem Video behauptet wird, es sei keine Panikmache, sondern man wolle nur informieren: Es ist Panikmache!“

Coronavirus-Video schürt Panik – um diese Behauptungen geht es

  • „Flüssigkeiten verlängern und verstärken die Lebenskraft des Virus“ – dazu heißt es, Viren vermehren sich nachweislich nicht allein durch Flüssigkeiten – und schon gar nicht werden sie stärker.
  • „Der Coronavirus ist eine mutierte Art der SARS-Krankheit von 2003 und ist weitaus gefährlicher“: Tatsächlich sind beides Coronaviren, allerdings bezieht sich das ausschließlich darauf, dass die Viren eine an Kronen erinnernde Form haben – Corona ist Spanisch für Krone. Es gebe grundsätzliche Gemeinsamkeiten, insgesamt sei es aber ein Vergleich wie der von Hunde und Katzen.
  • „Es gibt kein Medikament und die Krankheit ist nicht heilbar“: Zumindest in diesem Punkt liegt der Macher nicht ganz falsch, allerdings ist es nicht gesagt, dass das Virus irgendwann bekämpft werden kann. So galt auch HIV als unbesiegbar, nun gibt es zumindest Mittel, die die Virenzahl in den Bereich des nicht nachweisbaren drücken und die Träger den Virus nicht einmal übertragen können. Ein Medikament kann in der Kürze der Zeit seit dem Ausbruch ebenfalls noch gar nicht entwickelt sein.
  • „Bereits am 12. Januar haben Ärzte empfohlen, die Stadt abzuriegeln, weil die Situation völlig außer Kontrolle geraten ist“: Auch das ist Humbug, zu dem Zeitpunkt galt es noch als lokale Infektionskrankheit.
  • „Am 23.1. ist Wuhan (…) abgeriegelt worden. (…) Militär hat die Stadt komplett abgeriegelt.“ Zumindest das ist richtig.

Logo von Verschwörungs-Kanal schlicht bei Gastronom gestohlen

Mimikama ist zudem von einem Gastronom aus Wien angeschrieben worden. Dieser bringt den Macher des Videos weiter in Misskredit. Denn das Logo, dass der Youtuber nutzt, wurde schamlos von dessen Restaurant-Homepage gestohlen. Eine Bekannte habe es ihm vor rund zehn Jahren gestaltet – nun sei er auf das Video aufmerksam geworden.

Die Internetseite berichtet über eine weitere Verschwörungstheorie, die mit Patentanmeldungen zu tun hat. Denn tatsächlich gibt es Patente auf Coronavirenformen – allerdings ist das in der Medizin absolut üblich und kein Hinweis darauf, dass irgendeine Firma oder das Militär (es gibt online verschiedene Ausführungen, wer die Weltbevölkerung wahlweise weitestgehend ausrotten oder unter Kontrolle bringen will) die neue Coronaform im Labor gezüchtet und geschützt hat.

Warum sich online Patente auf Coronaviren finden lassen

Die patentierten Formen sind ältere Virenvarianten, zudem abgeschwächte Formen. Das gibt es bei allen Virenfamilien, denn Forscher arbeiten seit jeher Krankheitserregern. Grund dafür ist der Versuch, diese so zu beeinflussen, dass sie als Impfmittel genutzt werden können.

Beispiel: Krankheit XY bricht aus und ist tödlich. Forscher suchen nun nach einem Weg, das Virus so abzuschwächen, dass der Mensch es ohne Folgen vertragen kann, der Körper aber Antikörper bildet. Wenn dann eine Infektion erfolgt, ist das Opfer in der Lage, das Virus zu bekämpfen.

Das wird sogar in den Patenteinträgen aufgegriffen – aber natürlich in den hysterischen Posts bei Facebook und Co. nicht ausgeführt. Oder, wie Mimikama schlussfolgert: Die Behauptung, der neue Coronavirus sei im Labor entwickelt und patentiert worden, „beruht auf reiner Unwissenheit und falschen Schlussfolgerungen.“

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Derzeit gibt es einen wahren Run auf Atemschutzmasken – aber bringen sie wirklich etwas? Unsere Kommentatorin zum Coronavirus: Er wird gefährlicher geredet, als er ist.

Mimimaka erklärt auch das Phänomen der Panikmache zu solchen Thema. (ses)

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