Thüringen

Kinder sterben bei Unfall – Sind Schulbusse sicher genug?

Bei einem Unfall in Thüringen mit einem Schulbus sind zwei Kinder ums Leben gekommen. Die Überlebenden bekommen professionelle Hilfe.

Kinder sterben bei Schulbusunglück in Thüringen

Ein Schulbus ist in der Nähe von Eisenach in Thüringen von der Fahrbahn abgekommen und einen Hang hinunter gerutscht. Zwei Kinder sind dabei ums Leben gekommen.

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Eisenach. 
  • Ein Schulbus verunglückt wegen Glätte bei Eisenach – zwei Kinder sterben
  • In Dorf und Schule sitzt der Schock tief, der Bürgermeister sagt: „Hier kennt jeder jeden“
  • Die Polizei warnt vor Spekulationen, die Unfallforschung ist noch nicht abgeschlossen
  • Eltern, Schülern und Lehrern werden betreut und unterstützt, Schulpsychologen nehmen Arbeit auf
  • 21 weitere Kinder werden verletzt – fünf von ihnen schwer
  • Forderungen nach Gurtpflicht in Bussen werden laut

Nachdem am Donnerstag bei Eisenach ein Schulbus mit 23 Kindern verunglückt ist, haben tags drauf sieben Psychologen damit begonnen, die Grundschüler zu betreuen. Das Angebot solle solange aufrecht erhalten bleiben, wie es die Fachleute für nötig halten, erklärte ein Sprecher des thüringischen Bildungsministeriums.

Im Ort Berka vor dem Hainich war der Bus am Donnerstag von der Straße abgekommen und in einen Wassergraben gerutscht. Zwei achtjährige Kinder, ein Junge und ein Mädchen, kamen bei dem Unfall ums Leben. 21 weitere Kinder zwischen acht und elf Jahren wurden nach Polizeiangaben verletzt, zwei von ihnen schwer. Der Busfahrer erlitt einen Schock. Ob die Kinder bei der Fahrt angeschnallt waren, ist unklar.

Bunsunfall in Thüringen: Schulranzen aus Unfallbus sichergestellt

Den Eltern war es anschließend freigestellt worden, ob sie ihre Kinder am Freitag in die Schule schicken. Aber: „Aus allen Klassen sind Kinder da“, sagte der Ministeriumssprecher. Der Unfall solle in der Grundschule angemessen verarbeitet werden. Unterdessen barg die Polizei am Freitag persönliche Gegenstände der Schülerinnen und Schüler aus dem Unglücksbus. So seien etwa Schulranzen sichergestellt und an die Eltern gegeben worden, sagte eine Polizeisprecherin.

Landeselternsprecher Roul Rommeiß eine Diskussion über Sicherheit in Schulbussen angemahnt. Es müsse immer wieder überprüft werden, wie die Sicherheit der Kinder erhöht werden könne, sagte er am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Dazu gehöre grundsätzlich auch das Anlegen von Gurten. Dadurch verringere sich nachweislich die Verletzungsgefahr bei Unfällen. Zudem müsse jeder Schüler im Bus einen Sitzplatz haben. Dazu brauche es aus seiner Sicht ein echtes Schulbussystem statt Linienbusse, erklärte Rommeiß.

Der Schülerverkehr erfolgt nach Auskunft des Verkehrsministeriums in Thüringen überwiegend über Omnibusse des öffentlichen Linienverkehrs. Diese sind von der Gurtpflicht ausgenommen. Nach Angaben der Polizei vom Freitag gab es in dem Unglücksbus Sicherheitsgurte - ob die Kinder angeschnallt waren, konnte eine Sprecherin aber weiterhin nicht sagen.

Elternverbände fordern Sitz- und Anschnallpflicht in Schulbussen

Auch nach Informationen des Verbands Mitteldeutscher Omnibusunternehmer handelte es sich bei dem Unglücksbus um eine Linienfahrt. „Im Linienverkehr gilt keine Anschnallpflicht, egal ob es Gurte in dem Bus gibt oder nicht“, sagte Verbandschef Tilman Wagenknecht der dpa. Daher müssten die Fahrer in solchen Fällen auch nicht zum Anlegen der Gurte auffordern.

Bayerische Elternverbände forderten am Freitag eine generelle Sitz- und Anschnallpflicht in Schulbussen. „Es ist genau das eingetreten, wovor wir gewarnt haben“, sagte Susanne Arndt, Vorsitzende der Landeselternvereinigung der bayerischen Gymnasien. In Oberbayern war am Donnerstag ebenfalls ein Bus verunglückt und dabei neun Kinder leicht bis mittelschwer verletzt worden.

Landrat nach tödlichem Schulbus-Unfall: „Seit heute morgen ist die Welt eine andere“

Die Ermittler hatten zuvor am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Eisenach Details zum Unfall mitgeteilt. „Seit heute morgen ist die Welt eine andere“, begann Landrat Reinhard Krebs die Konferenz.

Der ganze Ort sei im Schockzustand, sagte der Innenminister Georg Maier. Es sei eine dörfliche Umgebung, die Menschen würden sich untereinander kennen. Heute sei nicht der Tag zu spekulieren, es werde alles getan, um den Unfall aufzuklären und den Betroffenen zu helfen. Der Bus war auf dem Weg von Eisenach nach Berka. „Wenn zwei Kinder ums Leben kommen, dann bleibt die Welt einen Moment stehen“, fasste Landrat Reinhard Krebs (CDU) seine Trauer in Worte.

Busunfall in Thüringen: Bus rutschte über Kopfsteinpflaster

Polizei-Einsatzleiter Günther Lierhammer sagte zum Unfallhergang: „Wir können nur erste grobe Details bekanntgeben. Der Bus ist über das Kopfsteinpflaster rückwärts geschlittert, ist dann von der Straße abgekommen und hat sich mehrfach überschlagen.“

Auch für die Polizei sei der Unfallhergang nicht alltäglich. Die Unfallursachenforschung sei noch im vollen Gange. Bis jetzt würde es noch keine Erkenntnisse über technische Probleme oder ein Fehlverhalten des Fahrers geben.

„Die Situation vor Ort war bedrückend“, berichtete der diensthabende Einsatzleiter am Unfallort, Christian Grebe. Auch die Einsatzkräfte stammten aus dem Umfeld der Kinder. Sie wurden in umliegende Krankenhäuser gebracht und hatten schon die Unfallstelle verlassen, als am späten Vormittag der Leichenwagen vorfuhr. Das Buswrack selbst war da noch nicht geborgen.

Bürgermeister: Im Dorf kennt jeder jeden – Schule mit Psychologen verstärkt

Eisenachs Oberbürgermeisterin Katja Wolf (Linke) verwies darauf, dass auch für die Feuerwehr Unfälle mit Kindern das Schlimmste sei, was passieren könne. Es handle sich um ein dörfliches Umfeld, erklärte Innenminister Maier. „Jeder kennt jeden.“ Laut Karola Hunstock, der Vorsitzenden der Verwaltungsgemeinschaft, zu der Berka vor dem Hainich gehört, besuchen etwa 85 Kinder die Grundschule dort.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) sprach den Angehörigen auf Twitter sein Mitgefühl aus.

Er trauere mit den Eltern und Angehörigen, schrieb er. „Den Verletzten wünsche ich eine schnelle Genesung und den Eltern wollen wir beistehen.“ Wie der „Mitteldeutsche Rundfunk“ berichtet, sei in der Schule ein Kriseninterventionszentrum eingerichtet worden. Auch ein Notfallseelsorger sei vor Ort.

Eine Google-Karte zeigt, wo sich der tragische Unfall ereignete:

Weiterer Unfall mit Schulbus im Kreis Traunstein:

Am Donnerstagmorgen kam es auch in Oberbayern zu einem Unfall mit einem Schulbus, bei dem neun Kinder leicht bis mittelschwer verletzt wurden. Der Busfahrer sei schwer verletzt worden, sagte ein Polizeisprecher. Der Bus war aus ungeklärter Ursache zwischen Schnaitsee und Obing (Landkreis Traunstein) von der Fahrbahn abgekommen und gegen einen Baum geprallt.

Immer wieder kommt es auf Landstraßen und Autobahnen zu Unfällen mit Schul- und Reisebussen. In Garbsen hatte es im vergangenen Jahr 16 Verletzte gegeben, nach dem ein Auto einen Bus mit Schülern gerammt hatte. (ac/msb)

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