Gesellschaft

Warum Meghan und Harry raus wollen? „Es ist der Rassismus“

Spekulationen über die Gründe von Harrys und Meghans Rückzug vom Königshaus gibt es massenhaft. Immer mehr sprechen von Rassismus.

"Meghan und Harry hatten den Rassismus der Presse satt"

Die Autorin und Royals-Expertin Leslie Carroll macht den Rassismus der britischen Presse für die Krise in der Königsfamilie verantwortlich. Mitschuld trage auch die Familie, weil sie sich nicht entschieden genug auf die Seite des Paares gestellt habe.

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Berlin. Warum nur? Warum wollen Prinz Harry und Herzogin Meghan nicht mehr zum britischen Königshaus gehören? Die Spekulationen über den spektakulären Schritt des glamourösen Paares nehmen kein Ende. Für Afua Hirsch, britische Journalistin und Buchautorin, ist der Fall klar: „Es ist der Rassismus.“ Und sie ist nicht die einzige mit dieser Einschätzung.

„Schwarze Briten wissen, warum Meghan Markle raus will“, ist ihr in der „New York Times“ veröffentlichte Beitrag überschrieben: Darin seziert Afua Hirsch das Verhalten der britischen Presse gegenüber der 38-jährigen Amerikanerin mit scharfen Beobachtungen. Von Beginn an, schreibt Hirsch, sei die Tochter einer schwarzen Mutter und eines weißen Vaters offen rassistisch behandelt worden.

Meghan Markle: Rassismus gegenüber der Schauspielerin

So führt die Autorin an, wie Markle, geboren in Crenshaw, einem überwiegend von Schwarzen bewohnten Stadtteil von Los Angeles, gleich in einem der ersten Artikel in die Nähe von kriminellen Gangs gerückt wurde: „(Fast) Straight Outta Compton“ hieß eine Überschrift, die auf den gleichnamigen Film über Gangsta-Rapper aus einem sozialen Brennpunkt anspielte.

In einer Kolumne der „Mail on Sunday“ war sich eine Autorin nicht zu schade, Prinz Harrys damalige Freundin und heutige Frau unter Zucht-Gesichtspunkten zu betrachten. Sie meinte, Meghan Markles „exotische DNA“ würde das „wässrige blaue Blut“ der Royals andicken; ähnlich haben Sklavenhalter über die Menschen nachgedacht, die sie als ihr Eigentum betrachteten.

Und ein Moderator der BBC stellte in einem Tweet Archie Harrison, das im Mai 2019 geborene Baby von Prinz Harry und Herzogin Meghan, als Schimpanse dar – ein häufig von Rassisten benutztes Bild für Schwarze. Der Mann wurde dafür gefeuert.

Harry und Meghan litten unter der britischen Presse

Dass das Paar unter der Berichterstattung litt, war spätestens seit Oktober 2019 klar: Prinz Harry ließ mitteilen, dass seine Frau eines der jüngsten Opfer der britischen Boulevard-Presse geworden sei, die Feldzüge gegen Menschen führe, „ohne einen Gedanken an die Konsequenzen zu verschwenden“; Meghan sei Opfer einer solchen Behandlung geworden, und das während der Schwangerschaft und als junge Mutter. Über den großen Druck während ihrer Schwangerschaft hatte Herzogin Meghan selbst auch in einem emotionalen Interview gesprochen.

Die Journalistin Afua Hirsch führt ein Beispiel für die Unerbittlichkeit der Presse an: Als Herzogin Meghan als Gast-Chefredakteurin eine Ausgabe der britischen „Vogue“ plante – sie war Frauen gewidmet, die die Welt verändern – sei diese Tätigkeit von den britischen Medien durchweg verurteilt worden. Ganz anders, als Thronfolger Charles das Magazin „Country Life“ plante, als Prinz Harry eine Sendung für die BBC gestaltete oder Herzogin Kate einen Tag Chefin der „Huffington Post“ spielte: Diese Einsätze seien einhellig von den Medien gepriesen worden.

Noch heftiger ist eine Auflistung des Portals „Buzzfeed“, das den Umgang der britischen Medien mit Herzogin Meghan und Herzogin Kate kontrastiert. Die Frauen sind gleich alt, schön, beide bürgerlicher Herkunft: Doch Eigenschaften oder Verhaltensweisen, die bei Kate gelobt werden, werden bei Meghan verdammt – Modebewusstsein, Geschäftstüchtigkeit, Weihnachtsfeiern abseits der der Queen, sogar das Berühren des eigenen Babybauchs: Bei Kate ist es „zärtlich“, bei Meghan „Stolz, Eitelkeit, Schauspielerei“ oder esoterisches Gehabe.

Autorin Afua Hirsch prangert Rassismus in britischer Gesellschaft an

Hirsch umreißt in ihrem überzeugenden Text den Hintergrund dieser Behandlung: die Geschichte des Vereinigten Königreichs als Kolonialmacht, das auf der Überzeugung der Überlegenheit der weißen Rasse fußte und im Sklavenandel mündete – und die fest zementierten, fast unmöglich zu durchbrechenden Grenzen zwischen den Klassen in der britischen Gesellschaft.

„Wie mit ihr umgegangen wurde, beweist, was viele von uns immer wussten“, schreibt die Autorin, selbst Tochter eines weißen Vaters und einer schwarzen Mutter: „Egal, wie schön du bist, oder wen du heiratest, oder in welchen Palästen du lebst, welche Wohltätigkeitsorganisationen du unterstützt, wie ehrlich du bist, wie viel Geld du anhäufst oder welche guten Taten du vollbringst – in dieser Gesellschaft ist dir der Rassismus immer auf den Fersen.“

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Harrys und Meghans Abschied vom Königshaus – mehr zum Thema:

Prinz Harry und Herzogin Meghan wollen sich zurückziehen: So reagierte die Queen nach einem Krisengespräch. Sie beabsichtigen „finanziell unabhängig“ zu werden: Wie Harry und Meghan künftig Geld verdienen wollen, fragen sich viele. Und auch, ob ihr Rücktritt ein lukrativer Egotrip ist. Der Schock kam zu Beginn des neuen Jahres – schon 2019 war ein Jahr, das die Queen gern vergessen würde.

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