Karrieren

Wolfgang Petry heißt jetzt Pete Wolf – und kehrt zurück

Schlager-Ikone Wolfgang Petry spricht über sein englisch singendes Alter Ego Pete Wolf, seine frühere Lockenmatte – und nörgelnde Fans.

Wolfgang Petry oder, wie er sich jetzt nennt: Pete Wolf, bei seinem Auftritt während der Benefizgala „Ein Herz für Kinder“ am 7. Dezember in Berlin.

Wolfgang Petry oder, wie er sich jetzt nennt: Pete Wolf, bei seinem Auftritt während der Benefizgala „Ein Herz für Kinder“ am 7. Dezember in Berlin.

Foto: JENS MEYER / dpa

Köln. Der Mann weiß, wie man sich zum Mythos macht. Vor 13 Jahren verkündete Wolfgang Petry sein Karriereende. Gut, dass „Abschied“ bei Stars ein vager Begriff ist und manchmal einen jahrzehntelangen Zeitraum benennt, das stellten schon Cher, Tina Turner oder Howard Carpendale klar.

Der Kölner veröffentlichte weiter gelegentlich Alben, trat aber so gut wie nie in der Öffentlichkeit auf und mied die Bühne. Seinem Phantom-Status zugute kommt auch, dass er nur gewillt ist, Fragen per E-Mail zu beantworten. Das sei grundsätzlich bei ihm so, versichert seine PR-Frau.

Die Antworten sind knapp und wirken oft ein wenig knurrig. Er scheint nicht gerne über sich zu reden, aber auch ein Mythos muss eben auf sein neues Album aufmerksam machen. „2084“ heißt es kryptisch, Inspiration für den Titel war George Orwells zukunftspessimistischer Roman „1984“.

Für das Album hat der Kölner die Identität gewechselt. „Pete Wolf“ heißt er jetzt – wieder, denn so nannte er sich schon für sein Album „Happy Man“ von 2017, das grandios floppte.

Wolfgang Petry spricht über sich in der dritten Person

Das war ein Rückschlag nach 13 Top-Ten-Alben. Unbeirrbar tischt der gelernte Feinmechaniker nun aber erneut Rock und Blues auf Englisch auf statt Schlager-Knaller wie „Wahnsinn“, dank denen in Bierzelten von Flensburg bis Mallorca augenblicklich die Hölle los ist.

Will der 68-Jährige zu Wolfgang Petry, von dem er in der dritten Person spricht, auf Distanz gehen? Schließlich war auch „Wolle“ eine Kunstfigur des Mannes, der als Franz Hubert Wolfgang Remling zur Welt kam.

„Überhaupt nicht“, teilt er mit. „Wolfgang Petry ist und bleibt mein Leben! Aber stellen Sie sich mal vor, in Schweden oder wo auch immer auf der Welt beschäftigt sich jemand mit Wolfgang Petry, da passt Pete Wolf Band doch viel besser.“

Petrys Sohn Achim beschimpft ehemalige Fans auf Facebook

Seinen Fans, so viel ist klar, ist es egal wie Smörrebröd, was Leute in Schweden denken. Sie wollen ihren Wolle zurück, mit Schlager, deutschem Schlager. „Seine Botschaft soll von jedem verstanden werden“, begründete Johannes B. Kerner den Sprachenwechsel, als er Petry bei seinem ersten Auftritt nach 13 Jahren auf der „Ein Herz für Kinder“-Gala ankündigt.

„Von jedem? Hat Wolfgang Petry nicht eher Fans in Deutschland, die ihn besser auf Deutsch verstehen?“, moniert Schlager-Blogger Stephan Imming und erhebt den Vorwurf, dass Donald-Trump-Kritiker Petry abschätzige Fan-Kommentare von seinen sozialen Netzwerken entfernen lasse.

Petrys Sohn Achim beschimpfte die ehemaligen Fans bei Facebook sogar als „Nörgelmuschis und Quengelspacken“. Wie der Vater das findet? „Achim ist ein erwachsener Mann und er macht, was er für richtig hält“, sagt Petry senior, der seit 1972 mit derselben Frau verheiratet ist. „Ich finde es gut, wenn die Familie zusammenhält und sich gegenseitig schützt und stützt.“ Er hoffe nicht, dass er seine Fans als Pete Wolf überfordere. „Dass es allen gefällt, kann ich nicht erwarten, und das ist auch okay so.“

Der Mann mit der Doppel-Identität verspricht aber: Neben Pete Wolf wird es auch in Zukunft weiter Wolfgang Petry geben. Nur der Wolle aus den späten 90ern, der aussah, wie er hieß und der mit Schnäuzer, Lockenmatte, Holzfällerhemd und Freundschaftsbändern einen volksnahen und dennoch ikonischen Look schuf, den wird es wohl nie wieder geben.

„Mein Look war absolut auf den Punkt“

Wobei er auf seine Mode von damals durchaus stolz ist: „Das war für die Zeit absolut auf den Punkt, ein Markenzeichen mit einer engen Verbundenheit zu meinen Leuten.“ Stolz ist er auch darauf, dass er sich nie habe verbiegen lassen. „Ich mache überhaupt nichts nach Trends“, sagt er.

„Als Wolfgang Petry Ende der 80er Schlager gesungen hat, war Schlager so tot wie schon lange nicht mehr. Wolfgang Petry hat weitergemacht und siehe da, der Schlager war überhaupt nicht tot.“

Im neuen Jahr gibt es dann eine Tournee, bei der er nicht einmal selbst dabei sein muss. Das Musical „Das ist Wahnsinn!“ mit seinen Hits geht in die dritte Runde, am 30. April etwa gastiert es in Oberhausen. Ja, es stimme schon, im Ruhrgebiet habe er besonders viele Fans. „Aber wenn Sie sich mal anschauen, wo das Musical überall zu Gast ist, dann wird Ihnen einiges klar.“ Denn auch das ist… einfach der Wahnsinn.