Rock-Legende

Tina Turner: So fühlt sich die „Queen of Rock“ mit 80 Jahren

Tina Turner hatte zuletzt immer wieder mit Krankheiten zu kämpfen. Nun wird sie 80 Jahre alt – und sagt, sie sei glücklicher denn je.

Tina Turner im September 2011 bei der Vorstellung ihres Albums "Children Beyond“.

Tina Turner im September 2011 bei der Vorstellung ihres Albums "Children Beyond“.

Foto: imago stock&people

Essen. Vor knapp zwei Wochen ist Tina Turner mal wieder in der Öffentlichkeit aufgetaucht. Überraschend. In einem schwarzen Range Rover ist sie vorgefahren vor dem Lunt-Fontanne-Theater am Broadway in New York. Dort wo ihr Leben als Musical zu sehen ist. Und nach der Show ist sie mit den Darstellern auf die Bühne gegangen und hat dem begeisterten Publikum mitgeteilt, wie sie sich fühlt, so kurz vor ihrem 80. Geburtstag am 26. November. „Great“, hat sie gesagt. „Großartig“, also. Auch das ist überraschend.

Denn die letzten Jahre, sie waren vielleicht nicht die schlimmsten auf der Achterbahnfahrt ihres Lebens, sie waren aber auch nicht die besten. Sie habe, hat sie selbst in ihrer Biografie geschrieben, „gesundheitlich ein derartiges Auf und Ab“ erlebt, „dass nicht einmal ich selbst mich noch an die richtige Reihenfolge meiner medizinischen Katastrophen erinnere“.

Tina Turner: Ihre große Liebe spendete ihr eine Niere

Schlaganfall, Gleichgewichtsstörungen, dann Darmkrebs. Und am Ende versagen die Nieren. Sie habe gespürt, wie ihr der Tod auf die Schulter klopfe, erinnert sie sich. Verscheucht hat ihn Erwin Bach, einst Manager ihrer Plattenfirma in Köln und seit den frühen 1990er-Jahren ihre große Liebe. Er will ihre eine seiner Nieren spenden.

Turner lehnt zunächst ab, dann lässt sie sich überzeugen, kommt wieder auf die Beine. Aber schon wartet der nächste Schicksalsschlag. Ausgerechnet am fünften Hochzeitstag des Paares, das 2013 geheiratet hat, bringt sich ihr Stiefsohn Craig um.

Aber Tina Turner hat sich anscheinend auch davon erholt, hat sich – zumindest nach außen – ins Leben zurückgekämpft. Und das nicht zum ersten Mal. Mitte der 1970er-Jahre stürzt die im Südstaatennest Nutbush als Anna Mae Bullock geborene Sängerin erstmals vom Gipfel, den sie mit Show-Partner und späterem Ehemann Ike Turner erklommen hat.

Zusammen sind sie Mitte der 60er-Jahre mit Songs wie „River Deep Mountain High“ und „Nutbush City Limits“ zu Stars geworden. Beruflich hat der drogenabhängige Ike sie groß gemacht, privat zerstört er sie beinahe.

Immer wieder verprügelt er seine Frau, sperrt sie ein. 1968 unternimmt Tina einen Selbstmordversuch, schluckt 50 Schlaftabletten, wird aber gerettet. Als sie im Krankenhaus aufgewacht sei und Ike neben sich gesehen habe, hat sie mal erzählt, sei ihr erster Gedanke gewesen: „Na gut – im Himmel bin ich dann schon mal nicht.“

Erst 1976 aber, nach einem hässlichen Handgemenge auf einem Flug von Los Angeles nach Dallas, hat sie die Kraft, ihn zu verlassen und auf eigenen Beinen zu stehen. Alles lässt sie ihm, nur den Namen Tina Turner, den will sie behalten.

Ike Turner ließ ihr einen Berg von Schulden

Mit einem Berg voller Schulden muss die alleinerziehende Mutter von zwei Söhnen neu anfangen. Ganz unten, ganz allein. Aber das Kind eines schwarzen Plantagen-Vorarbeiters und einer Mutter mit indianischem Blut ist zäh. Sie tingelt, spielt manchmal nur vor 100 Zuschauern, bis endlich wieder eine Plattenfirma auf sie aufmerksam wird.

Die ersten Alben floppen, dann rät Manager-Legende John Carter ihr, den R&B erst einmal hinter sich zu lassen, es mit elektronisch angehauchter Musik zu versuchen. Skeptisch stimmt sie zu, nimmt mit den angesagtesten Produzenten jener Tage ein Album auf, das „Private Dancer“ heißt. 20 Millionen verkaufte Exemplare und vier Grammys später ist Tinas Skepsis verflogen.

Die bekennende Buddhistin ist wieder oben, wird zu „Simply The Best“ – einfach zur Besten. Überall auf der Welt, aber vor allem in Deutschland. Wie eine Urgewalt fegt sie bei ihren Konzerten mit Reibeisenstimme und lasziver Erotik über die Bühne, Löwenmähne und Netzstrümpfe, High Heels, kurze Jeans-Jacke und Mini-Lederrock.

Mit „Megatonnen Energie“ und „Oberschenkeln, die ein Autochassis zermalmen könnten“, wie Kritiker damals schwärmen. Kein Püppchen, keine Diva, keine Prinzessin. Eine „Queen Of Rock“. Aber eine, die weiß, wann es Zeit ist abzudanken. 2009 geht sie das letzte Mal auf Tour – 70 Jahre alt, aber immer noch weit weg von der Pop-Oma, zu der sie alle schon lange machen wollen.

Seit 1994 lebt sie nun schon in der Schweiz

1994 schon ist sie mit Erwin Bach in die Schweiz gezogen. Turner hat dort fleißig deutsch gelernt, sich mittlerweile einbürgern lassen und ihre US-Staatsbürgerschaft aufgegeben. In Küsnacht am Zürichsee pflegt sie, was sie in einem Interview mal „Lazy Lifestyle“ nennt – einen „entspannten Lebensstil“.

Dass sich daran etwas ändert, ist unwahrscheinlich. Auch mit ihrem Musical ist sie offenbar zufrieden. Bei einem Besuch der Show sagte sie, „ihr Leben, es sei wie Gift, das sich in Medizin verwandelt“ habe. Ein Rückblick ohne Reue also. „Ich könnte“, hat sie in New York behauptet, „niemals glücklicher sein, als ich jetzt bin.“