Auktion

Nach Clan-Razzia in NRW: Nobelkarossen unterm Hammer

Die Luxus-Karossen gehörten einem Clan aus Hagen. Nun brachten ein goldener und ein giftgrüner Mercedes dem Land NRW viel Geld ein.

Die Oberfinanzdirektion Nordrhein-Westfalen versteigert zwei Luxus-Autos aus einer Beschlagnahmung.

Die Oberfinanzdirektion Nordrhein-Westfalen versteigert zwei Luxus-Autos aus einer Beschlagnahmung.

Foto: Olaf Fuhrmann / FUNKE Foto Services

Düsseldorf. „Das tut mir im Herzen weh, was die dem Auto angetan haben“, sagt der 18-jährige Sportwagen-Sammler aus München. Er ist am Mittwoch extra mit seiner Freundin nach Düsseldorf eingeflogen, um einen mit Goldfolie beklebten Mercedes SLS AMG zu ersteigern. Mindestgebot 72.000.

Was man eben so fährt als Clanmitglied, das was auf sich hält. Insgesamt sieben Wagen hat das Finanzamt Hagen vor etwa einem Jahr beschlagnahmt, die damaligen kurdischen Besitzer sollen im Bandenstil Geldautomatensoftware manipuliert und rund 48 Millionen Euro Steuern hinterzogen haben.

Luxuskarossen nach Clan-Razzia versteigert: „Schickimicki ist drinnen“

Daneben hat die Oberfinanzdirektion NRW noch einen giftgrünen Mercedes AMG GT R für 66.800 Euro ausgestellt, mit Absperrkette und Bewacher klar abgegrenzt von all den Clios und Fokus und Zafiras, die sonst in der Halle und davor stehen.

„Draußen ist nur arme Autos“, sagt ein Ordner in gebrochenem Deutsch. „Schickimicki ist drinnen.“ Es sind die letzten beiden Angeberkarossen aus der Razzia, die in dem Düsseldorfer Gewerbegebiet versteigert werden. Zuvor gingen zum Beispiel ein orangefarbener Lamborghini Aventador für 218.000 Euro weg und ein Lamborghini Huracan, violett, für 172.000 Euro.

Wackeln mit den goldenen Flügeltüren

“So viele Klischees, das gibt’s ja gar nicht“, sagt ein Betrachter. „Die waren schon mutig, die Brüder, so offensichtlich damit rumzufahren“, mutmaßt ein anderer, denn die Goldfolie ist wegen der Blendwirkung verboten. „Das wirkt schon, kann man nicht anders sagen“, erklärt ein dritter, während hinter der Absperrung die ernsteren Interessenten mit den goldenen Flügeltüren wackeln. „In Dubai, da fahren die ja ganz oft mit sowas rum ... die Bekloppten.“

Der jugendliche Münchener Sammler im Anzug, das MCM-Aktenköfferchen fest im Griff, hat da einen nüchterneren Blick: Der goldene Mercedes sei „in diesem Zustand etwa 115.000 wert, 141, wenn man alles wieder umbaut. Der ist ganz schön verbastelt. Die Schürze, die Heckstoßstange, die Lufteinlässe aus Carbon sind Teile der Black Series, offenbar selbst montiert“ Das ist eine limitierte Sonderedition, Preisschild ungefähr eine halbe Million. Der Wagen selbst ist nur ein „normaler“ Mercedes AMG, die Clan-Jungens wollten ihn noch exklusiver erscheinen lassen. „Nur den Spoiler haben sie weggelassen.“

“Trotzdem noch ein schönes Auto“, findet der Sammler. An den Kanten der Flügeltüren hat er den originalen Lack entdeckt. „Silber, wie es sich gehört für eine Hommage an den legendären Mercedes 300 SL.“ Als er im Internet von den beschlagnahmten Wagen las, hat er sich die erzielten Preise angeschaut und gibt sich zuversichtlich. Bis 95.000 wolle er mitgehen, sagt er, alles darüber hinaus, sei Risiko, denn den Motor kann man nicht testen. Immerhin aber sehen. Alle anderen Wagen versteigert das Land nur verschlossen, es wurden zu viele Teile geklaut bei den Auktionen.

Der Giftgrüne erzielt den höheren Preis

Doch der junge Motorsportfreund wird nicht zum Zuge kommen. Etwa 300 haben sich in der lichten Halle versammelt, die Profis auf Klappstühlen, doch für die beiden Luxuskarossen bieten schließlich jeweils nur etwa acht Parteien. Als zehntes Los kommt das grüne, zwei Jahre alte AMG-Coupé an die Reihe, vier Liter Hubraum, 430 KW und 2657 Kilometer auf dem Tacho. Ach ja, und Automatik. „66.800“, ruft der Auktionator auf dem Podium. Sein geübte Blick erkennt im Publikum auch Gebote mit dem Wink eines Kugelschreibers. 71 -72 -75 -80 -90 - und so geht es nun weiter bis ... 124.000. Ein Herr mit Schirm und Wildlederjacke tritt nach vorn zur Kartenzahlung, der Sohn trägt eine fast identische.

Nach einem VW Fox schließlich ist das goldene Sportbonbon von 2011 dran, 47.000 Kilometer, ansonsten ähnliche Werte wie sein giftiger Bruder. „72.000 – inklusive schöner Folierung“, ruft der Auktionator. Ist dieses Bieten etwas grimmiger als das vorhergehende? Der Sammler bleibt bei seinem Maximalgebot und scheidet früh aus. Vier Männer, dann drei, dann zwei bieten weiter. Schließlich macht ein vielleicht Dreißigjähriger das Rennen für 116.000 Euro. Er trägt Schuhe, darauf steht „Motorsport“. Das nächste Los wirft uns unverzüglich wieder zurück in der Welt der Normalverdiener, ein weiterer VW Fox.

Prozess gegen Spielhallen-Besitzer läuft noch

Gegen die früheren Besitzer der Fahrzeuge läuft seit Wochen vor dem Hagener Landgericht der sogenannte „Spielhallen-Prozess“. In Untersuchungshaft genommen wurden bei der Razzia vor einem Jahr das 43-jährige Familien-Oberhaupt und dessen jüngerer Bruder (39) sowie ein Freund der Familie (50), der ebenfalls Spielhallen betreibt. Alle drei sind angeklagt – doch Bruder und Freund kamen gegen Kaution frei (450.000 und 150.000 Euro) frei. Lediglich der Casino-Boss schmort noch hinter Gittern, obwohl zwei Millionen Euro Kaution angeboten worden waren.

Dieser Artikel erschien zuerst bei „waz.de“.