Waldbrände

Amazonas-Regenwald: Bolsonaro hält Hilfsgelder für Affront

Der Amazonas-Regenwald brennt. Die G7-Staaten bieten Brasilien Unterstützung an. Doch bei Jair Bolsonaro kommt das gar nicht gut an.

Sechs brasilianische Bundesstaaten hatten im Kampf gegen die Feuer um Hilfe gebeten.

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Berlin/São Paulo. Im Amazonas-Regenwald in Brasilien wüten die schlimmsten Waldbrände, die es seit Jahren gegeben hat. Zehntausende Feuer wurden in diesem Jahr schon gezählt. Die reichen Industrieländer haben dem Land deshalb nun Hilfsgelder zugesagt, doch Präsident Jair Bolsonaro versteht die Millionen als Affront.

„Wir können nicht hinnehmen, dass Präsident Macron unangebrachte Angriffe auf das Amazonasgebiet fährt und seine Absichten hinter einer „Allianz“ der G7-Staaten zur „Rettung“ des Amazonasgebiets versteckt, als ob wir eine Kolonie oder Niemandsland wären“, schrieb Brasiliens Staatschef am Montag auf Twitter.

Zuvor hatten die Industriestaaten beim G7-Gipfel in Biarritz eine Soforthilfe von 20 Millionen US-Dollar (rund 17,9 Millionen Euro) für den Kampf gegen die Feuer im Regenwald zugesagt. Die Mittel sind vor allem für die Bereitstellung von Löschflugzeugen bestimmt. Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron hatte die Brände kurzfristig auf die Agenda des Treffens gesetzt.

Amazonas-Regenwald: Jair Bolsonaro empört über Emmanuel Macron

„Das brasilianische Volk und die brasilianische Regierung entscheiden, wie die Mittel eingesetzt werden“, sagte auch Umweltminister Ricardo Salles am Montag in São Paulo, fügte aber hinzu: „Auf jeden Fall ist Hilfe immer willkommen.“

Macron bezeichnete das Amazonasgebiet in Biarritz als „Gemeingut“ und beschwor die Verantwortung der internationalen Gemeinschaft für die Region. Weil der Amazonasregenwald große Mengen an CO2 binden kann, ist er für das globale Klima von entscheidender Bedeutung.

„Der Respekt vor der Souveränität eines Landes ist das Mindeste, was man in einer zivilisierten Welt erwarten kann“, schrieb Bolsonaro weiter.

Brasiliens Militär kämpft gegen Feuer

Schon zuvor hatte Brasiliens Präsident Ratschläge aus dem Ausland vehement zurückgewiesen, letztlich aber doch Konsequenzen angekündigt. Per Dekret erlaubte er den Einsatz des Militärs zur Brandbekämpfung. Am Samstag dann wurden die ersten Soldaten in die Region entsandt – nachdem der Regenwald schon Wochen brannte.

Am Wochenende starteten in Porto Velho im Bundesstaat Rondônia zwei Löschflugzeuge der Luftwaffe vom Typ Hercules zu ihren Löscheinsätzen, wie das Verteidigungsministerium mitteilte. Auf Videos war zu sehen, wie die Piloten über den Waldbrandgebieten Tausende Liter Wasser abwarfen.

Insgesamt stehen in der Region mehr als 43.000 Soldaten zur Verfügung. Sie sollen bei der Verfolgung von Umweltverbrechern eingesetzt werden und bei den Löscharbeiten helfen. Immer mehr brasilianische Bundesstaaten bitten das Militär um Hilfe.

Waldbrände am Amazonas: Bolsonaro droht Brandstiftern

In einer Fernsehansprache am Freitag hatte der international umstrittene Bolsonaro ein hartes Durchgreifen gegen Brandstifter angekündigt „Wir sind eine Regierung der Null-Toleranz-Politik gegenüber der Kriminalität, und im Bereich der Umwelt ist das nicht anders“, sagte Bolsonaro. „Wir werden entschlossen handeln, um die Feuer unter Kontrolle zu bringen.“

Der Militäreinsatz begann nach Abgeben des Verteidigungsminister am Samstag im Bundesstaat Rondônia. Insgesamt stünden in der Region 44.000 Soldaten zur Verfügung, sagte Fernando Azevedo e Silva. Bislang haben vier Bundesstaaten die Unterstützung der Streitkräfte angefordert.

Amazonas-Regenwald in Flammen: Nasa-Foto zeigt Ausmaß der Brände

Derweil brennt das Feuer im Regenwald beinahe ungehindert weiter. Wie heftig die Brände derzeit wüten, zeigt ein Foto, das die Nasa veröffentlicht hat. Darauf sind alle Brandherde im Amazonas-Regenwald zu sehen.

Deutlich wird darauf auch: Es brennt nicht nur in Brasilien. Auch in Peru, Kolumbien und Bolivien sind viele Feuer auszumachen, die auf dem Bild mit roten Punkten markiert sind:

Amazonas-Regenwald brennt in Brasilien – Das Wichtigste in Kürze:

  • Der Regenwald im Amazonas-Gebiet brennt
  • Das könnte enorme Folgen fürs Weltklima haben – einzuschätzen sind sie kaum
  • Auch in der internationalen Politik ist das Thema endgültig angekommen
  • Es gibt Streit zwischen Frankreich und Brasilien
  • Gegen den Präsidenten Jair Bolsonaro gibt es schwere Vorwürfe
  • In diesem Jahr gab es bereits mehr als 70.000 Brände im Amazonas-Regenwald
  • Die Regenwaldfläche schwindet immer mehr

In die politische Diskussion um die verheerenden Brände hatte sich am Donnerstag der französische Präsident Emmanuel Macron mit deutlichen Worten eingebracht. Macron forderte, die Brände im Amazonas-Regenwald auf dem G7-Gipfel in Biarritz als eines der Top-Themen zu behandeln, er sprach von einer „internationalen Krise“. „Unser Haus brennt. Wortwörtlich“, schrieb Macron am Donnerstagabend auf Twitter zu einem Foto des brennenden Regenwalds.

In der brasilianischen Regierung war man vom Vorstoß Macron wenig begeistert. Man sei weiterhin offen für einen Dialog, der auf objektiven Daten und gegenseitigem Respekt beruht“, schrieb Bolsonaro am Donnerstag auf Twitter. Das Problem auf dem G7-Gipfel ohne die Anwesenheit eines brasilianischen Vertreters zu besprechen, lasse „aber auf eine kolonialistische Denkweise schließen.“

Zugleich räumte Bolsonaro ein, dass sein Land nicht über die Mittel verfüge, die Feuer unter Kontrolle zu bringen. Er unterzeichnete am Freitag eine Anordnung, die alle Minister dazu auffordert, die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um Brände im Amazonasgebiet zu überwachen und zu bekämpfen. Ziel sei die „Erhaltung und Verteidigung des Regenwaldes im Amazonasgebiet, unseres nationalen Erbes“, hieß es. Zudem wurden zusätzliche Feuerwehrleute in die betroffenen Bundesstaaten verlegt.

Umweltschützer befürchten, dass es bei Lippenbekenntnissen bleibt. Sie werfen Bolsonaro vor, ein politisches Klima geschaffen zu haben, in dem sich Bauern zu immer mehr Abholzung und Brandrodung ermutigt sehen. Der Staatschef hat immer wieder klar gemacht, dass er die Amazonasregion vor allem als ungenutztes wirtschaftliches Potenzial sieht.

Merkel nimmt Notlage in Brasilien auf ihre Agenda

Die EU-Kommission beobachte die Feuer im größten Regenwald der Erde mit großer Sorge und sei bereit zu helfen, sagte Sprecherin Mina Andreeva. Das beste Instrument der EU, Einfluss auf die brasilianische Regierung auszuüben, sei das Mercosur-Abkommen. Dieses verpflichte die Vertragspartner, darunter Brasilien, auf Einhaltung von Umweltstandards und des Pariser Klimaabkommens von 2015.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel nahm das Thema auf ihre Agenda. Regierungssprecher Steffen Seibert sprach von einer akuten Notlage, die auch Thema beim G7-Gipfel werden sollte. „Da hat der französische Präsident die Bundeskanzlerin ganz an seiner Seite.“

Ebenfalls steht unter EU-Politikern die Frage im Raum, ob ein Handelsabkommen mit der EU eine Rolle für die Brände spielt: Hat das Mercusor-Abkommen sogar Schuld an den Bränden im Amazonas-Regenwald?

Im Gespräch mit unserer Redaktion forderte auch der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck Konsequenzen für die brasilianische Regierung: „Deutschland und Europa dürfen dem nicht tatenlos zuschauen. Sie müssen das Mercosur-Abkommen stoppen und so den Druck auf Brasilien erhöhen.“

In der Amazonas-Regenwald-Region geht bereits die Angst um. „Noch nie hat es soviel gebrannt. Noch nie ist es uns so schwer gefallen zu atmen“, sagte die Bürgermeisterin der brasilianischen Ortschaft Brasiléia im Bundesstaat Acre, Fernanda Hassem, der Zeitschrift „Valor“. „Das macht uns Angst.“

Die Folgen der Katastrophe sind derzeit nicht abzuschätzen. Fest steht: Der Amazonas-Regenwald ist so etwas wie die Klimaanlage der Erde. Fällt sie weg, kann weniger CO2 aus der Atmosphäre gebunden und umgewandelt werden. So wichtig ist der Amazonas-Regenwald fürs Klima auf der Welt.

Amazonas-Regenwald brennt – So binden Bäume Kohlendioxid

  • Bäume nehmen das für den Klimawandel verantwortliche Kohlendioxid auf und wandeln es in der Photosynthese in Sauerstoff um
  • Wer Bäume pflanzt, tut also etwas dafür, die Erderwärmung zu bekämpfen

Staatsanwaltschaft leitet Ermittlungen wegen Amazonas-Bränden ein

Die Staatsanwaltschaft hat bereits Ermittlungen eingeleitet. Im Bundesstaat Pará solle geprüft werden, warum der von Bauern angekündigte „Tag des Feuers“ vor einer Woche nicht verhindert wurde, teilte die Staatsanwaltschaft am Donnerstag mit. Medienberichten zufolge hatten Farmer im Südwesten von Pará zuletzt in einer koordinierten Aktion große Flächen in Brand gesteckt, um Platz für neue Weideflächen zu schaffen.

Der Präsident hatte erst lange Zeit gar nicht und dann nur mit Zynismus auf die Tausenden Brandherde in seinem Land reagiert. Er warf Umweltschützern vor, die Brände gelegt zu haben, weil er wichtigen Organisationen Geld gestrichen hat, wie er selbst sagt. Das Problem: Für die Behauptung führt er keine Beweise an. Umweltschutzverbände wiesen die Vorwürfe als haltlos zurück.

Rauchwolken ziehen bis nach São Paulo

Hunderte Quadratkilometer Wald im südlichen Teil des Amazonasbeckens stehen seit mehr als drei Wochen in Flammen, schwere Rauchwolken zogen in den vergangenen Tagen über São Paulo, obwohl die Metropole rund 2700 Kilometer südöstlich der Waldbrandzone liegt. Die Löscharbeiten gestalten sich schwierig, was auch an der Trockenphase liegt, die derzeit beginnt. Dadurch kommt es vermehrt zu Bränden – das allein ist nicht die Ursache für die Brände.

Auf Fotos aus den sozialen Netzwerken, die tausendfach geteilt werden, sieht es aus wie in der Nacht. Wie die BBC berichtet, sei aufgrund der starken Rauchentwicklung in der Millionenmetropole zeitweise sogar der Strom ausgefallen.

Warum der Amazonas brennt, dafür gibt es verschiedene Gründe: Zum einen ist da natürlich die weltweite Trockenheit zu nennen. Doch Experten reicht diese Erklärung nicht. „Alle Brände im Amazonasgebiet werden auf die eine oder andere Weise von Menschen verursacht“, sagt der Leiter des Amazonasprogramms der Umweltorganisation WWF, Ricardo Mello. Auch interessant: Warum die Waldbrände im Amazonas-Regenwald Deutschland direkt betreffen.

Warum brennt der Amazonas-Regenwald?

Das sind nach Ansicht von Experten und Forschern die Gründe dafür, dass der Regenwald brennt:

  • Die Waldbrände lassen sich nicht nur auf Trockenheit zurückführen
  • Forschern zufolge sind die meisten Waldbrände ausgebrochen, nachdem Menschen Feuer im Wald gelegt haben
  • Auch die Politik des neuen brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro, der den vom Menschen gemachten Klimawandel leugnet, führt zu einer Verschärfung des Problems
  • Bolsonaro hat den Regenwald als Rohstoffquelle freigegeben
  • Aber auch das Verhalten von Bauern, die in dem Gebiet leben, sorgt nicht gerade für eine Verbesserung der Lage. Bolsonaro wirft ihnen Brandstiftung vor
  • Offiziellen Berechnungen zufolge wurden allein im Juni Tausende Quadratkilometer Regenwald gerodet

Häufig würden Farmer zunächst die Bäume abholzen und dann Feuer legen, um neue Weideflächen für ihr Vieh zu schaffen. Wegen der derzeitigen Dürre in der Region breiten sich die Brände immer weiter aus. Doch das ist nur die halbe Wahrheit: Um die wahren Gründe zu erfahren, muss man sich nur den Zeitpunkt der Feuer auf einer Zeitachse anschauen.

Es fällt auf: Die im Januar gestartete Amtszeit des neuen brasilianischen Präsidenten Jairo Bolsonaro kann dabei als Zäsur angesehen werden: So viele Waldbrände wie in seiner Amtszeit hat es seit Beginn der Waldbrandaufzeichnungen 2013 noch nie gegeben.

Auch auf Fotos ist das Ausmaß der Waldbrände im Amazons-Regenwald zu sehen:

Satellitenaufnahmen zeigen Rauchwolken

Allein die Zahlen des Raumfahrtforschungszentrum Inpe, das Satellitenaufnahmen miteinander verglichen hatte, sind erschreckend: Die Zahl der Brände stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 83 Prozent. Nur in der vergangenen Woche gab es Inpe zufolge fast 10.000 Brände. Demnach wurden von Anfang Januar bis Mitte August dieses Jahres fast 71.500 Feuer im Regenwald registriert. Diese Karten zeigen das ganze Ausmaß des Feuers im Amazonas-Regenwald in Brasilien.

Mit Inpe ist Brasiliens Präsident Bolsonaro bereits in Streit geraten. Er schmiss kürzlich erst den Direktor der Organisation raus und warf ihm gezielte Falschinformation vor.

Fläche des Amazonas-Regenwaldes ist riesengroß

Insgesamt umfasst die Größe des Amazon-Regenwaldes sechs Millionen Quadratkilometer, 60 Prozent davon liegen in Brasilien. Und der Amazonas-Regenwald nähert sich gerade dort gefährlich dem sogenannten Tipping-Point von 20 Prozent Abholzung an. Deutschland will Brasilien wegen der Regenwald-Rodung im Amazonas auch Fördergelder entziehen.

Was passiert, wenn der Amazonas-Regenwald weg ist?

Das ist der Punkt, an dem sich der Regenwald nicht mehr selbst regenerieren kann und sich für „zwei bis drei Generationen in eine Savannen-Landschaft“ verwandelt, wie Oliver Salge, Sprecher von Greenpeace Brasilien, unserer Redaktion sagte. In allen neun Amazonas-Anrainer-Staaten seien bisher 15 bis 17 Prozent verschwunden, aber in Brasilien sei die Lage am verheerendsten.

„Vor unseren Augen wird der Amazonas weggebrannt und abgeholzt“, warnt Salge eindringlich. Und der Präsident ziehe die unbequemen Wahrheiten noch ins Lächerliche. Forscher schlagen Alarm, denn sie sehen einen Zusammenhang zwischen dem massenhaften Ausbrechen von Waldbränden und der Zunahme illegaler Waldrodungen am Amazonas. So opfert Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro den Amazonas-Regenwald in Brasilien.

Fakten zum Amazonas-Regenwald in Brasilien

  • Der Amazonas-Regenwald bedeckt weite Teile Südamerikas
  • Insgesamt umfasst seine Größe sechs Millionen Quadratkilometer, 60 Prozent davon sind in Brasilien
  • Insgesamt liegt der Amazonas-Regenwald in neun Ländern
  • In den vergangenen Jahren ist die Fläche des Amazonas-Regenwald erheblich verringert worden

Amazonas-Regenwald auf einer Karte

Eine Google-Maps-Karte zeigt, wie groß das Amazonas-Gebiet in Südamerika überhaupt ist.

Waldbrände in Europa und Sibirien

Auch in Europa sind mehrere Länder in diesem Sommer von Feuern betroffen. Dramatische Waldbrände hatten in Sibirien gewütet - die Feuer sind inzwischen aber wieder unter Kontrolle. So wütet auf Gran Canaria derzeit ein riesiger Waldbrand, der inzwischen aber unter Kontrolle zu sein scheint. Auf Zypern bedrohte ein Großbrand mehrere Dörfer. Außer Kontrolle geraten waren zwischenzeitlich Waldbrände auf der griechischen Insel Euböa. (mit epd/dpa/rtr/mbr)