Beben

Bodensee: Weitere Erdbeben bei Konstanz erschüttern Anwohner

Am Bodensee hat in der Nacht zu Dienstag nahe Konstanz mehrmals leicht die Erde gewackelt. Dies setzte sich bis Mittwoch weiter fort.

Friedlich ruht der Bodensee: Doch kam es hier in den vergangenen Tagen zu einer Wasserhose und einem Erdbeben.

Friedlich ruht der Bodensee: Doch kam es hier in den vergangenen Tagen zu einer Wasserhose und einem Erdbeben.

Foto: imago stock / imago images / Arnulf Hettrich

Konstanz. Nach den Erdbeben in der Nacht zu Dienstag kommt die Region Konstanz am Bodensee nicht zur Ruhe. Wie Experten bereits vorausgesagt hatten, wackelte die Erde abermals mehrfach – nach den fünf Beben in der Vornacht gab es gegen Abend und Mitternacht am Dienstag sowie am frühen Mittwochmorgen noch weitere Erschütterungen.

Der Erdbebendienst Südwest berichtet, dass die drei Beben auf der Richterskala der Reihe nach 2, dann 2,2 und anschließend am Mittwochmorgen 3,1 erreichten. Das dritte Beben war somit vergleichsweise stark. Weitere Beben sind möglich.

Epizentrum Konstanz: Was über das Bodensee-Erdbeben bekannt ist

  • In Konstanz am Bodensee hat die Erde gebebt
  • Das stärkste Beben in der Nacht zu Dienstag erreichte 3,7 auf der Richterskala
  • Es kann zu weiteren Beben kommen
  • Eine akute Gefahr geht für die Anwohner vorerst nicht aus
  • Es war das stärkste Beben, das bisher in 2019 vom Erdbebendienst Südwest gemessen worden ist
  • Auch in der Nacht zu Mittwoch wackelte die Erde wieder mehrfach
  • Am Mittwochmorgen kam es sogar wieder zu einem Beben mit einer Stärke mehr als 3 auf der Richterskala

Schon in der Nacht zu Dienstag hatten die Anwohner Schreckensmomente erlebt: Um 1.17 Uhr in der Nacht zu Dienstag schepperte plötzlich das Geschirr in der Vitrine, Bilder fielen von den Wänden, Bettgestelle zitterten. Es war, als wüte ein Poltergeist in den Wohnungen. „Das Haus wackelt. Jetzt bin ich hellwach“, schreibt eine Frau aus Konstanz bei Twitter.

„Als ob hier am Ende der Straße eine Bombe eingeschlagen hat“, schreibt ein aus dem Schlaf gerissener Mann. Doch weder Geister noch Bomben waren am Werk. In der Bodenseeregion hat die Erde gebebt.

Das stärkste Beben in der Region in 2019

Laut Landeserdbebendienst gab es zwischen Montagabend, 23.06 Uhr und der anschließenden Nacht, 2.31 Uhr, insgesamt fünf Beben mit Stärken zwischen 2,7 und 3,8 auf der Richterskala. Es ist das bisher stärkste Beben in der Region in 2019. Die Experten erwarten weitere Erschütterungen.

Das Epizentrum des Beben lag nahe Konstanz, ging von einem Punkt rund drei Kilometer unter der Erdoberfläche aus: Das berichtet der Erdbebendienst Südwest über ein Erdbeben, das in der Nacht zu Dienstag die Region am Bodensee erschüttert hat.

Hauptbeben brach auf der Halbinsel Bodanrück aus

Ein unerwarteter Schreck für die Bewohner, aber aus Sicht der Wissenschaftler kein außergewöhnliches Ereignis in Süddeutschland in den letzten Jahren.

„Erdbeben der Magnitude 3,5 bis 4 treten im Durchschnitt in der Region etwa ein- bis fünfmal pro Jahr auf“, erklärt Marcus Herrmann vom Schweizerischen Erdbebendienst unserer Redaktion – nur eben oft mit dem Epizentrum in ländlichen Gegenden.

Das Hauptbeben brach in vier Kilometer Tiefe auf der Halbinsel Bodanrück aus, etwa zehn Kilometer nordwestlich von Konstanz. Erschütterungen in dieser Größenordnung können bis zu 50 Kilometer weit zu spüren sein.

Menschen verängstigt: 100 Notrufe aus der Region

„Einige Menschen berichteten über Brüche daheim“, sagte Markus Sauter von der Polizei Konstanz unserer Redaktion. Größere Schäden seien ihm jedoch nicht bekannt. Etwa 100 Notrufe aus der Region seien in der Nacht eingegangen, berichtet er. Viele Bürger seien verängstigt gewesen.

In den ersten Stunden nach dem Erdbeben seien Dutzende Meldungen aus der Bevölkerung eingegangen, heißt es auf der Website der ETH Zürich. Und: „Bei einem Erdbeben dieser Stärke und geringen Tiefe sind vereinzelt leichte Schäden in der Nähe des Epizentrums nicht auszuschließen.“

Naturkatastrophen, Terror, Streiks – so warnt diese App Touristen
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Erstmals wackelte die Erde um kurz nach 23 Uhr, bis etwa 2.30 Uhr folgten vier weitere Beben. Es sei vermutlich in einem Umkreis von etwa 30 Kilometern zu spüren gewesen. Und so wurde es eine lange und unruhige Nacht für die Konstanzer: Die letzte Erschütterung gab es am Dienstagmorgen gegen 4.30 Uhr.

In Süddeutschland sind Erdbeben wahrscheinlicher

„Registriert wurden insgesamt ein Dutzend Erdbeben, für die Menschen spürbar waren vermutlich vier bis fünf“, sagt der Leiter des Landeserdbebendienstes Baden-Württemberg, Stefan Stange. „Jetzt brauche ich auch nicht mehr schlafen zu gehen“, schreibt ein Mann entnervt gegen 5 Uhr morgens.

Im süddeutschen Raum sind Erdbeben wahrscheinlicher als anderswo in der Republik, erklärt Experte Herrmann: „Ursächlich für die höhere Anfälligkeit im Alpenraum und im Alpenvorland ist die Plattentektonik, in dem Fall das Aufeinanderzubewegen der eurasischen und afrikanischen Kontinentalplatte.“

Dies führe zu Spannungen im Untergrund, die sich in zahlreichen Störungszonen über Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte stetig aufbauen.

Generell steige nach jedem Erdbeben die Gefahr für weitere Erschütterungen. Grund zur Beunruhigung sieht Herrmann jedoch nicht: „Die Wahrscheinlichkeit für ein ähnlich großes oder gar größeres Beben nach einem solchen Ereignis liegt aber im einstelligen Prozentbereich.“

Die Google-Karte zeigt die Gegen am Bodensee, wo es zu den Erbeben kam.

Wasserhose über dem Bodensee

Erst am Sonntag ereignete sich über dem Bodensee ein weiteres seltenes Phänomen: Eine Wasserhose wirbelte auf dem Bodensee, ein Video zeigte die riesige Säule. Auf YouTube ist zu sehen, wie sich am Horizont eine dunkle Säule über dem ansonsten friedlichen See zwischen Romanshorn und Friedrichshafen gebildet hat.

Laut Meteorologe Patrick Suter entsteht eine Wasserhose, wenn kalte und sehr feuchte Luftmassen über eine warme Wasseroberfläche gleiten: „Die warme Luft direkt über dem See beginnt aufzusteigen und kann sich, dank wechselnder Windrichtung, zu drehen beginnen.“

In Athen stürzen wegen eines Erdbebens Gebäude ein

Während die Beben in Konstanz von der leichten Sorte waren, ging es andernorts in den vergangenen Wochen nicht so glimpflich aus. So stürzten in Athen mehrere Gebäude wegen eines Erdbebens ein.In Südkalifornien erreichte ein Erdbeben die Stärke 7,1.In Istanbul herrscht quasi ständig Erdbeben-Angst, Forscher warnen dort vor einer Katastrophe.

Quellen:

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